Wasserball RHEINPFALZ Plus Artikel Wie der SC Neustadt im Pokal einen Bundesligisten überrascht

Erstes Saisonspiel: Der 50-jährige Stefan Ehrenklau steigt wieder für den SC Neustadt ins Wasser.
Erstes Saisonspiel: Der 50-jährige Stefan Ehrenklau steigt wieder für den SC Neustadt ins Wasser.

Der SC Neustadt ist derzeit eine kleine Wundertüte. Erst feiert ein Routinier ein erfolgreiches Comeback. Dann überrascht der Zweitligist im Pokal zu Hause Bundesligisten SVV Plauen.

Die zwei Gesichter des Zweitligisten SC Neustadt sorgen für Spannung bei den Heimspielen. Hochmotiviert, kämpferisch stark, mutig im Angriff und souverän in der Abwehr. So präsentierte sich der SCN beim Pokalachtelfinale gegen den Bundesligisten SVV Plauen. Mit 11:7 (2:3, 2:1, 4:2, 3:1) gewann der Außenseiter gegen den Zweitplatzierten der Bundesliga-B-Gruppe. Damit steht der SCN im Viertelfinale. Vor einer Woche sah es beim SCN noch ganz anders aus. Im Zweitliga-Rundenspiel zu Hause gegen Nürnberg gelang ein Sieg, es gab jedoch viele misslungene Angriffe, keine überraschenden Tricks, die Spieler wirkten unbeweglich und ideenlos.

SCN-Coach Thorsten Preuß wusste aber schon beim Anpfiff am Samstag: „Die Spieler sind heiß.“ Was er zu diesem Zeitpunkt noch nicht verriet, war sein vorsichtiger Optimismus. Erst nach dem Erfolg ließ er wissen: „Ich habe mir genau angeschaut, wer heute bei Plauen spielt. Es fehlten einige der besten Schützen.“ Tatsächlich war Plauen auch nur mit elf Mann statt der dreizehn möglichen Spieler angereist. Trotzdem erwischten die Ostdeutschen das bessere erste Viertel. Nach der schnellen 1:0-Führung für den SCN traf Plauen dreimal hintereinander. In dieser Phase gelang den SCN-Stürmern überhaupt nichts. Serio Gianmarco-Mergen, Keeper bei Plauen, reagierte souverän und war fast sieben Minuten lang nicht zu bezwingen. Es wurde still im Stadionbad, denn zwei Tore Rückstand gegen einen Erstligisten verunsicherte zumindest den SCN-Anhang, es machte sich statt Fastnachtsstimmung Katerstimmung breit.

100 Zuschauer im Stadionbad

Mit über 100 Zuschauern war das Stadionbad gut gefüllt. Trainer Preuß verriet, dass er zu diesem Zeitpunkt dennoch nicht nervös wurde. Er habe gewusst, dass sein Team weiter arbeiten werde und an sich glaube. Erst sechs Sekunden vor Viertelende gelang Timo van der Bosch der Anschlusstreffer. Kurz vor der Halbzeit gab es im nächsten Viertel einen Fünfmeter für den SCN. Kapitän Matthias Held verwandelte zum 4:4. Ob er nervös war beim Strafwurf? Held verneinte nach der Partie. Auch wenn es in ein oder zwei Zweitliga-Spielen bei den Fünfmetern nicht geklappt habe, sei er mittlerweile doch alt genug, um in solchen Situationen ruhig zu bleiben, betonte der Vierzigjährige.

Zwei weitere Strafwürfe brachten den SCN gar mit 7:4 in Front. Erneut Held und dann Stefan Ehrenklau verwandelten sicher. Überhaupt Ehrenklau. War das etwa die Trumpfkarte, die Preuß aus dem Ärmel geschüttelt hatte? Der 50-jährige Routinier bestritt sein erstes Saisonspiel. Nachdem der SCN seine Nachwuchsspieler in das Männerteam integriert hatte, konnte Ehrenklau sich bislang in allen Ehren zurückziehen. Doch er hat eine besondere Motivation, wieder ins Becken zu steigen. Seit einigen Wochen trainiert er wieder mit und versucht dreimal in der Woche dabei zu sein. Sein Ziel ist die Master-Weltmeisterschaft in Doha. Vom 23. Februar bis 3. März spielen dort auch die Senioren-Wasserballer. Ehrenklau tritt dort mit Spandau Berlin in der Altersklasse Ü50 an. Er betonte: „Ohne Training hätte ich heute nicht mitgespielt.“

Erfahrung als Trumpf

Mit seiner Erfahrung konnte Ehrenklau die beiden anderen Routiniers Matthias Held und Timo van der Bosch entlasten. So war gerade Held zu einer Verschnaufpause aus dem Becken gestiegen, als es zum erneuten Strafwurf kam. Ehrenklau schüttelte erst ungläubig den Kopf, als ihm signalisiert wurde, er solle werfen. Aber dann ließ er dem ausgezeichneten Keeper Gianmarco-Mergen keine Chance. Nur kurz kam noch einmal Spannung auf, als Plauen auf 7:6 verkürzte. Gedankenschnell nutzte Xaver Schädler einen Abpraller zum 8:6. Auf der Neustadter Bank wurden nach dem 9:6 bereits die Minuten gezählt, die bis zum Schlusspfiff zu überstehen waren. Das Motto war: „Ball ausspielen.“ Also die 30 Sekunden Angriffszeit bis zum Abschluss herunterspielen. Zwar rettete Plauens Keeper erneut mehrmals, oft gab es aber Eckball für den SCN und damit weitere 20 Sekunden Angriffszeit.

Und die SCN-Abwehr blieb undurchdringlich, auch wenn das Team zehnmal nach Zeitstrafen in Unterzahl war. Im SCN-Tor stand Hendrik Hummel, der sich auf seine Vorderleute verlassen konnte, die viele Schüsse blockten. In den letzten Minuten war Plauen sichtbar platt und hatte keinen Glauben mehr, das Spiel herumzureißen. Entsprechend enttäuscht war Plauens Trainer Maik Bielefeld: „Was soll ich so kurz nach dem Spiel sagen? Die Partie war ausgeglichen, aber wir hatten heute nicht unseren besten Tag. Unser Tormann hatte als einziger einen Sahnetag. Wir wurden vielleicht etwas benachteiligt von den Schiedsrichtern, aber der SCN hat verdient gewonnen.“ Nun, gegen Plauen gab es drei Strafwürfe sowie acht Wasserverweise. Und diese Überzahlspiele konnte der SCN allerdings wie so oft in der Vergangenheit kaum in Treffer ummünzen. Kapitän Held sah trotz der Zeitstrafen auf beiden Seiten ein faires Spiel ohne Aggressivität. Und Coach Preuß betonte: „Ich war heute im Kopf immer auf der Gewinnerspur.“

Das Viertelfinale wird laut Plan des Deutschen Schwimmverbands am 9. März ausgetragen. Danach folgt im April die Endrunde als „Final Four“. Der SCN ist der einzige Zweitligist unter den letzten acht Teams und hat damit auf jeden Fall erneut Heimrecht. Mit Uerdingen und Esslingen sind neben fünf A-Gruppen Bundesligisten noch zwei B-Gruppen-Teams im Lostopf.

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