Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Wie der Neustadter Stadtfeuerwehrinspekteur die Corona-Krise erlebt

Stefan Klein.
Stefan Klein.

Bombenattrappe, Großbrand oder Corona-Krise – wann immer es in Neustadt hoch her geht, ist die Technische Einsatzleitung, kurz TEL, gefragt. Besetzt durch Behörden und Hilfsorganisationen für den Ernstfall, ist ihr Kopf der Stadtfeuerwehrinspekteur, aktuell Stefan Klein. Derzeit ist auch er im Dauereinsatz. Wir haben mit ihm gesprochen.

Herr Klein, egal wo und warum wir uns treffen, Sie lächeln immer ...
Das mit dem Lächeln ist eigentlich einfach erklärt: Sie und auch andere Mitmenschen lächeln mich an, wie sollte ich sonst darauf reagieren. Ich bin der Meinung, man sollte in jeder Lage oder Situation positiv eingestellt sein.

Könnte es auch damit zusammenhängen, dass Ihr Herz vor allem für die Feuerwehr schlägt, Sie sozusagen aufblühen beim Einsatz?
Natürlich schlägt mein Herz besonders für die Feuerwehr. Jedoch schlägt es noch mehr für die Aufgabe, unseren Bürgern den bestmöglichen Schutz zu geben.

Wie oft hat Sie Ihre Familie, sagen wir mal seit Anfang März, zu Gesicht bekommen?
Nicht sehr oft. Für die Angehörigen ist das bei allen Rettungskräften natürlich ein Problem. Ihnen gebührt gerade in der aktuellen Corona-Krise ein dickes Lob. Meiner Frau fällt schon manchmal die Decke auf den Kopf, wenn sie über Stunden und Tage alleine zuhause sitzt. Denn unsere Tochter ist ebenfalls bei der Feuerwehr.

Haben Sie zumindest über das Osterfest etwas mit der Familie vor, soweit man trotz Corona etwas vorhaben kann?
Hatten wir. Wir wollten nach zwei Jahren ohne Urlaub in die USA reisen. Dass das natürlich nicht klappt, ist aber in Ordnung. In Neustadt ist es eh schöner.

Sie sind nicht nur Familienmensch und Feuerwehrmann, sondern auch Landmaschinenhändler. Im März hatten Sie am neuen Standort Ihres Unternehmens Technikzentrum Klein einen Tag der offenen Tür geplant. Wie viele Gedanken machen Sie sich aktuell über die Firma?
Die Gedanken an unser Unternehmen sind immer allgegenwärtig. Wir tragen schließlich die Verantwortung für 30 Mitarbeiter. Es ist auch nicht einfach, denn wie Sie sagten, haben wir gerade neu gebaut. Zum Glück habe ich ein tolles Team, das mir den Rücken frei hält.

Den Rücken frei hält wegen einer Krise, wie Sie sie noch nie erlebt haben?
Was ist eine Krise? Ich bin der Auffassung, das wir schon viele Krisen erlebt haben. Für mich ist jede Gefahr, und besteht sie auch nur für einen einzelnen Menschen, eine Krise, die es zu bewältigen gilt.

Trotzdem: Haben Sie jemals gedacht, so etwas wie jetzt zu erleben?
Ein ganz klares Ja. Vielleicht keine Pandemie, aber wir hatten solche Dinge in der Technischen Einsatzleitung bereits geprobt, und das hat uns bis jetzt sehr geholfen.

Warum sind Sie als Stadtfeuerwehrinspekteur eigentlich auch Kopf dieser Einsatzleitung, der TEL?
Das ist in Rheinland-Pfalz nicht überall so. In Neustadt haben wir uns an die gesetzlichen Strukturvorgaben gehalten, und das war auch gut so. Wir haben eine super TEL-Truppe. Das macht es dem Oberbürgermeister und dem Stadtfeuerwehrinspekteur um einiges leichter, alle Aufgaben zu bewältigen. Dass ich TEL-Chef bin, spielt da keine Rolle. In der TEL wird der Hilfsgedanke tatsächlich gelebt. Ich kann es nicht richtig erklären, aber wenn ich sehe, was unsere Leute in den zurückliegenden Tagen geleistet haben, dann erzeugt das bei mir ebenfalls ein Lächeln.

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