Wasserball
Wie an der Schnur gezogen: SC Neustadt gewinnt Topspiel
Im Spitzenspiel der 2. Wasserball-Bundesliga gegen den bisherigen Tabellenzweiten SV Krefeld zeigte der SC Neustadt ein völlig anderes Gesicht als noch eine Woche zuvor gegen das Tabellen-Schlusslicht Laatzen. So lässt sich auch erklären, wieso die Westdeutschen am Samstag mit dem SCN die Plätze tauschten.
Der Grundstein zum 14:10 (3:2, 6:5, 4:2, 1:1)-Erfolg des SCN gegen Krefeld wurde in der kämpferischen Leistung des gesamten Teams über alle vier Viertel gelegt. Auch wenn die Gäste zunächst mit 1:0 und 2:1 in Führung gingen, die Fans mehrmals bangten, dass sich der Abstand vergrößern würde. In der Abwehr leistete SCN-Center-Verteidiger Luis Ananias Schwerstarbeit, um Keeper Hendrik Hummel im Gehäuse zu entlasten. Ananias steckte viel ein, er lieferte sich harte Positionskämpfe gegen die Krefelder Center.
Eine kleine Aufmerksamkeit
Hummel startete diesmal im Tor, vielleicht eine kleine Aufmerksamkeit von Trainer Milos Sekulic zu Hummels 23. Geburtstag. „Es war mit Konstantin Wolgin abgesprochen, dass Hendrik zuerst ins Tor geht. Konstantin kam dann mit viel Energie nach der Pause. Beide Torhüter spielten hervorragend“, so Sekulic.
Doch zuerst musste der SCN die Führung herausholen. Das 3:2 erzielte Lukas Schwarzkopf mit einem Ball, der wie an der Schnur gezogen auf das Krefelder Tor sauste. Viel Gesprächsbedarf hatte während der gesamten Partie Krefelds Coach Georg Metten. Sein Team führte immer wieder mit einem Tor. Der SCN nutzte zudem selten seine Überzahlspiele nach Zeitstrafen des Gegners, die Quote bei acht Mal „Mann mehr“ betrug nur 38 Prozent. Noch mieser allerdings die Quote der Gäste. Zwölf Mal Überzahl brachte für Krefeld nur ein Tor, also nur acht Prozent erfolgreich in Überzahl. Im ersten Viertel hielten die Gäste zudem die SCN-Angreifer mit Erfolg weit weg vom Gehäuse, der Ball wurde häufig in Zeitnot gegen Ende der 28 Sekunden Angriffszeit „verschenkt“. Aber die Defensive des SCN stand gut, auch Krefeld kam selten zu guten Schusspositionen.
Keeper Wolgin hält Krefeld auf Abstand
Wichtig wurde der breite Kader des SCN. Gleich drei Spieler mussten nach jeweils drei Strafen für den Rest der Partie aus dem Becken, aber die gut besetzte Bank kompensierte, dass Matthias Held, Artem Kamlov und Matija Zezelji nicht bis zum Ende im Einsatz waren.
In der zweiten Hälfte war zudem mit Konstantin Wolgin ein Keeper im Gehäuse, der sich sogar unter Dauerbeschuss ein Lächeln erlaubte. Wolgin, dem man außerhalb des Wassers weder große Gefühlsregungen noch wichtige Aussagen entlocken kann, ist der große Schweiger im Team. Doch er parierte nicht nur einen Fünfmeter, sondern hielt auch die Krefelder auf Abstand. Im dritten Viertel baute der SCN die Führung aus und hatte sogar vier Minuten vor Ende einen Vorsprung von fünf Treffern. Wird das reichen gegen die erfahrenen Krefelder, fragten sich Fans. Doch Wolgin ließ nur noch einen Treffer zu.
Sekulic: Jeder hat für den anderen gekämpft
Nach der Partie war seine Miene wieder undurchdringlich. „Während des Spiels ging es mir besser. Da war ich voll Adrenalin, ich habe gelächelt, weil Krefeld viele Schüsse abgab, aber nichts reinbekam“, ließ er sich entlocken. Gefragt nach den Emotionen zu dem tollen Ergebnis antwortete er mit einem Schulterzucken: „Wir haben gewonnen.“
SCN-Coach Sekulic zur weiteren Steigerung seines Teams: „Heute hat jeder für den anderen gekämpft, wir haben so gespielt, wie wir es besprochen haben.“ Neben den Torleuten lobte er Neuzugang Vanja Pletikosic, der sein viertes Spiel für den SCN bestritt. Der 19-jährige Nachwuchsspieler mit Zweitstartrecht für den Erstligisten Cannstatt kommt da nur selten zum Einsatz. Daher freut er sich über viel Wasserzeit beim SCN. Sekulic: „Es war sein bestes Spiel, er hat zwei Tore erzielt, Zeitstrafen, Fünfmeter herausgeholt.“ Pletikosic freute sich: „Ich fühle mich hier gebraucht, ich erhalte Verantwortung, ich bin froh, dass ich nützlich bin.“
Auf Platz zwei
Geburtstagskind Hummel hatte für den Abend keine besonderen Pläne. „Einfach noch eine Runde ausgehen in Maikammer und es gemütlich ausklingen lassen“, verriet er.
Der SCN steht vorübergehend auf Rang zwei der Tabelle, allerdings haben nachfolgende Teams weniger Spiele absolviert. Die aktuelle Position ist ein klares Zeichen der tollen Steigerung des Aufsteigers seit Saisonbeginn.