Wasserball
„Wenn ihr nichts machen wollt, hören wir auf“
Der Wettergott meinte es „zu“ gut mit den jungen Wasserballern des SC Neustadt. Im Trainingslager in der letzten Woche der Sommerferien sind fast täglich rund 30 Jungs aus der U12/U14 und der U16/U18 am Ball. Geplant waren jeweils Trainingseinheiten am Morgen von 8 bis 10 Uhr sowie am Abend von 18 bis 21 Uhr. Dazwischen sollte es „teambildende Maßnahmen“ geben. Im Klartext sind damit Aktivitäten außerhalb des Wassers gemeint, bei denen die Jungs neue Eindrücke sammeln können.
Die Draisinefahrt am Montag und eine Wanderung am Dienstag blieben trotz der zunehmenden Hitze im Plan. Doch dann wurde es knifflig. „Wir müssen umplanen, Kletterpark oder Go-Gart fahren gehen bei diesem Wetter am Mittwoch und Donnerstag nicht“, teilte Jugend-Cheftrainer Peter Jacqué mit. „Geht einfach nach Hause und haltet euch nicht in der Sonne auf“, gab er den Jungs nach dem Vormittagstraining mit auf den Weg.
Spiel in stehtiefem Wasser
Jonglieren musste er natürlich auch mit der zur Verfügung stehenden Wasserfläche. So wurden die Buben aufgeteilt auf das Sprungbecken, das 50-Meter-Becken sogar das Kinderbecken, das nur Stehhöhe aufweist.
Dabei fehlte es bei den „großen Buben“, der U16 und U18 am Montag noch am Engagement. Hätte man doch erwarten können, dass die Nachwuchskräfte nach fünf Wochen ohne Wasserball wild auf Wasser und Ball sind, doch sie waren noch nicht richtig auf „Leistung“ eingestellt. Die Buben waren auf zwei Teams verteilt und traten gegeneinander an. In dem Jugendbecken galt es ohne offizielle Torgehäuse, aber mit Witz, Köpfchen und Schnelligkeit, den Ball jeweils ans andere Ende zu spielen. Manchmal sah es wie Rugby im Wasser aus. Jacqué störte einiges. „Lasst doch die langen Pässe“, rief er. Und sobald ein Team zu passiv war, ging der Ballbesitz ans andere. „Wir haben ein Bewegungsspiel“, folgte als nächste Kritik. Und ganz deutlich: „Wenn ihr nichts machen wollt, hören wir auf“, schimpfte Jacqué.
Nun, am Dienstag, Tag zwei des Trainingslagers, sah es schon besser aus. Während die jüngeren Jahrgänge Schwimmeinheiten absolvierten, übten die älteren Spieler Angriff und Verteidigung im Springerbecken. Die Anweisung von Jacqué: „Immer Druck, eins gegen eins, nicht aufgeben, durchziehen.“
Mannschaften im Umbruch
Seine Mannschaften stehen wie jeden Sommer vor dem Umbruch, denn in den Jugendteams gelten nur die jeweiligen Jahrgänge zur Spielberechtigung. So rücken jetzt Spieler der U16 ins Bundesliga-Team der U18. Stammtorwart wird dann ein Jungspund: Erik Lindenau ist Jahrgang 2011 und damit noch regulär in der U16 unterwegs.
Matheo Wiegand und Elias Kluck spielen ebenfalls noch ein Jahr in der U16. Die beiden 14-Jährigen sollen aber bei Bedarf in den U18-Kader rücken. „Wir brauchen sie, auch wenn sie noch jung sind. Kann sein, dass sie dann nur auf dem Spielberichtsbogen sind und gar nicht zum Einsatz kommen“, erklärt Coach Jacqué. Kluck und Wiegand finden sich mit der Reserverolle ab, wie sie beide betonen. „Es ist ja eine Belohnung, wenn wir in das Team der älteren Spieler berufen werden“, sagen sie.
Lernen auf der Ersatzbank
Frusterfahrung sind sie schon gewohnt, nachdem sie in der U16-Endrunde hohe Niederlagen in der vergangenen Saison gegen die großen Nachwuchsteams der etablierten Bundesliga-Männer hatten einstecken müssen. Kluck erinnert sich: „Einmal hat überhaupt nichts funktioniert. Wir haben deutlich verloren, es war ein schlechtes Gefühl.“ Für Wiegand waren die Niederlagen nicht ganz so schlimm: „Wir müssen einfach weitermachen.“ Und das gilt für die beiden auch auf der U18-Ersatzbank. „Man lernt auch, wenn man auf der Bank sitzt“, hofft Elias. Matheo ergänzt: „Wir sind froh, es überhaupt soweit geschafft zu haben.“
Derweil philosophiert Trainer Jacqué über die Schwimmstile, die die Jungs sauber ausführen sollen. Das Schwimmtraining leitet Daniel Kluck, der auch Coach der Jahrgänge U12 und U14 ist. Jacqué: „Sie sollen mal elegant und schön in allen Stilen schwimmen. Das Wasser fühlen, greifen. Dazu kommt die Beinarbeit mit schweren Bällen.“
Teams neu mischen
Noch gibt es keine Spielpläne für die einzelnen Ligen, aber Jacqué sieht auch hinter den zukünftigen Gegnern viele Fragezeichen: „Alle Teams werden einfach wieder neu gemischt, durch die Wechsel in den Jahrgängen.“ Das Einzige was die gesamte Trainercrew machen kann, ist die Jungs hart arbeiten lassen und sie immer wieder an ihre Grenzen bringen.