Neustadt / Maikammer RHEINPFALZ Plus Artikel Weinlese-Bilanz der Winzer: „Das war ein steiniger Weg“

Handarbeit war dieses Jahr im Wingert gefragter denn je.
Handarbeit war dieses Jahr im Wingert gefragter denn je.

Die Hauptlese ist vorbei. Wasser spielte für die Winzer in diesem Jahr eine besondere Rolle: Erst gab’s davon viel zu wenig, dann viel zu viel. Das bedeutete eine große Belastung für alle Mitarbeiter. Das Ergebnis der harten Arbeit soll sich aber sehen lassen können.

„Was wir jetzt im Keller haben ist toll, aber der Weg dahin war dieses Jahr extrem steinig“, sagt Uwe Ziegler vom Weingut August Ziegler in Maikammer über „vier Wahnsinnswochen mit viel Arbeit und wenig Schlaf“. Er freut sich über einen tollen Jahrgang 2023, gibt aber zu, dass er das ohne seine „phantastische Mannschaft“ wohl nicht hinbekommen hätte: „Es ist schon fordernd, wenn 21 Rebsorten mehr oder minder gleichzeitig reif werden“, erinnert er sich an die Jahre, in denen es frühe und späte Sorten gab und die Lese sich über acht Wochen hinzog. Südländische Reben wie Burgunder steckten den Klimawandel besser weg als alteingesessene wie der Riesling, der „mittlerweile Nordhänge braucht“. Ohne Vorselektion und die richtige Reaktion in engen Zeitfenstern sei der 2023er fast nicht zu handhaben gewesen, sagt er im Hinblick auf die Wasserextreme, die nach der Trockenheit zu hohem Pilzdruck geführt hätten. „Die ganze Branche ist im Wandel“, blickt er kritisch in die Zukunft: Denn nicht nur Wetterextreme machten den Winzern zu schaffen, auch fänden sich kaum noch helfende Hände während der Lese – und die würden immer teurer. „Die Winzer versuchen, das alles am Laufen zu halten, aber Prognosen über die Lage in zehn Jahren erlaube ich mir nicht“, sagt Ziegler, aber Qualität im Glas werde sicher nicht billiger.

Ausschließlich Handlese

„Wir sind nicht unzufrieden“, sagt Martin Franzen, Kellermeister und Außenbetriebsleiter im Haardter Weingut Müller-Catoir über den Weinjahrgang 2023. Er und sein Team hätten bereits im Sommer begonnen, die Weinberge vorzubereiten und die Mengen zu reduzieren. Das Wetter habe die Arbeit aufwendiger als sonst gemacht, auch liege die Lesemenge etwas unter dem Durchschnitt, aber „wir haben von Anfang an auf Qualität gesetzt und alles geschafft“, sagt Franzen. Vom Gutswein über die Lagenweine bis hin zu edelsüßen Produkten sei das Weingut gut aufgestellt und die Weine entwickelten sich prächtig. Dank ausschließlicher Handlese sei die Qualität sehr gut: „Anfangs war ich skeptisch, aber jetzt kann ich sagen, dass wir es geschafft haben“, so Franzen. Seit Lesebeginn am 6. September sei der Betrieb „auf 130 Prozent“ gelaufen, erinnert er sich an „so enge Zeitfenster, wie ich sie noch nie erlebt habe“: Das heiße Wetter sei des Rieslings Sache nicht, darum sei schnelles und individuelles Handeln im Wingert das Gebot der Stunde, meint Franzen im Hinblick auf den Spagat zwischen Wasserstress und -überschuss: „Wer nicht penibel sortiert hat, erlebt spätestens im Winter ein übles Erwachen.“ Den „immer dickeren Knüppeln, die die Natur uns zwischen die Beine wirft“ sei nur mit ambitioniertem Weinbergsmanagement beizukommen, findet Franzen – und freut sich über die „schöne Frische“, die die Weinliebhaber mit dem 2023er erwarten dürfen.

Plötzlich geht alles ganz schnell

Seit 29. September ist die Weinlese bei der Weinbiet Manufaktur in Mußbach beendet, berichtet der geschäftsführende Vorstand Bastian Klohr: „Es ging langsam los und dann ganz schnell weiter, weil alle Rebsorten gleichzeitig reif waren“, erinnert er sich an eine hektische Zeit. Die feuchten Nächte in der ersten Septemberhälfte hätten seinem Team „schon ziemliche Kopfschmerzen“ bereitet, letztlich habe die Lese aber einen versöhnlichen Abschluss gefunden. Dank des Qualitätsmanagements und großem Sortieraufwand sei er mit der Qualität sehr zufrieden, mengenmäßig liege der Jahrgang 2023 etwa fünf Prozent unter dem Vorjahresergebnis. Abhängig vom Entwicklungsstadium und je nach Lage hätten die Rebsorten durchweg unter der Trockenheit im Sommer gelitten, was eine Herausforderung für die gesamte Branche sei. „Damit müssen wir umzugehen lernen“, so Klohr. Eine Maßnahme sei die stärkere Begrünung der Wingerte, um das Austrocknen der Böden zu verzögern und die Temperaturen zwischen den Rebzeilen zu puffern: „Das wollen wir jetzt verstärkt umsetzen.“ Insgesamt sei er nun gespannt, wie sich die Weine entwickeln, sagt Klohr und verspricht: „Es wird wieder gute Tropfen geben.“

Tag und Nacht im Einsatz

„Das war eine der schnellsten Lesen der vergangenen Jahre“, erinnert sich Thomas Steigelmann vom gleichnamigen Weingut in Gimmeldingen an die letzten Tage: Das gesamte Team sei Tag und Nacht im Einsatz gewesen, um die Trauben in den Keller zu bekommen, weil wegen des vielen Regens Fäulnis drohte. Schlechte Trauben seien vor der Lese aus den Weinbergen entfernt worden, eine „Vorsortierung“ im Sinne der Qualitätssteigerung habe bereits im Sommer stattgefunden. „Mit der Qualität sind wir trotz der Wetterkapriolen sehr zufrieden, obwohl vor allem der Riesling unter der Sommersonne etwas gelitten hat“, resümiert Steigelmann.

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