Breitensport
Weidenthaler Grundschule trumpft im Sportabzeichen-Wettbewerb groß auf
Die Grundschule in Weidenthal gehört zu den kleinen Schulen. „Wir haben immer so um die 50 Kinder“, sagt Schulleiter Thomas Fritz. Aktuell seien es 54 Mädchen und Jungen. 2023 waren es laut Sportbund Pfalz 51. Und die haben einen Erfolg im Sport zu feiern. Zu ihrem Erfolgsrezept gehören viele Zutaten.
Die Kleinen für den Sport zu motivieren, ist überhaupt kein Problem, sagt Fritz: „Das Schöne in der Grundschule ist, die sind alle motiviert.“ Er denke, keine Lust auf Sport zu haben, komme erst in der Pubertät. Die kleine Schule ist zur Sportabzeichen-Feierstunde des Sportbundes Pfalz am 8. Juli in Schifferstadt eingeladen. Im Schulwettbewerb 2023 in der Kategorie „bis 150 Schülerinnen und Schüler“ belegen die kleinen Weidenthaler laut Sportbund Pfalz mit 27 Abzeichen Platz drei hinter der Grundschule Pirmasens-Gersbach/Windsberg/Winzeln sowie der Grundschule am Atzenberg in Carlsberg. Im Schulwettbewerb hat ansonsten keine andere Schule aus Neustadt, den Verbandsgemeinden Maikammer, Lambrecht und Deidesheim sowie Haßloch einen der ersten drei Plätze belegt.
Auch weniger Sportliche machen mit
„Man kann alle Kinder für den Sport begeistern“, sagt Fritz, selbst auch Sportlehrer. „Die weniger sportlichen Kinder bringen wir immer mit ins Boot. Die blühen zum Beispiel auf, wenn wir das Großtrampolin aufbauen.“ Es gebe immer alternative Angebote, auch wenn manche nicht fürs Sportabzeichen zählten, dafür aber viel Laune machten. Das Trampolinspringen sei ein riesiger Spaß auf die Musik „Jump“ der US-Rockband Van Halen, verrät der Schulleiter und lacht.
„Wir greifen auch immer wieder Trendsportarten auf“, ergänzt Thomas Fritz. Das Projekt Skipping Hearts mit Seilsprung-Training für die Kinder der Klassenstufen drei bis sechs in den Schwierigkeitsstufen Basic, Champion und Hero „kommt immer wieder gut an“. Was auch beliebt sei, so der Schulleiter, seien Zirkusangebote: „Die etwas Unsportlichen bilden in der Akrobatik wie einer Pyramide oft die stabile Haltefunktion.“
Sport am Vorleseabend
Zum Weidenthaler Erfolgsrezept gehört ebenfalls, den Sport in andere Veranstaltungen einzugliedern. An einem Vorleseabend habe es ein Zeitfenster gegeben, in dem Schüler, aber auch Eltern und Geschwister die Disziplinen für das Sportabzeichen absolvieren konnten. „Quasi als Ausgleich zum Stillsitzen beim Vorlesen“, sagt der Lehrer schmunzelnd. Gleichzeitig sei es eine Werbung fürs Familiensportabzeichen mit mindestens drei Teilnehmern aus zwei Generationen gewesen.
Eine besonders wichtige Zutat auf dem Erfolgsrezept ist außerdem der TV Weidenthal. Seit mehr als 20 Jahren gebe es eine Kooperation zwischen Schule und Verein, sagt der Schulleiter. Der bisherige Vorsitzende des TV Weidenthal, Heinz Ohliger, ein früherer Lehrerkollege, habe den Kooperationsvertrag zwischen Schule und Verein ins Leben gerufen, lobt Fritz den rührigen Ohliger, der als Sportabzeichenprüfer und Übungsleiter weiterhin im Einsatz ist. „Der Mann ist Gold wert – das Sportabzeichen ist seine Herzensangelegenheit.“ Die Jungen und Mädchen könnten nachmittags im Anschluss an die betreuende Grundschule direkt ins Training des Turnvereins wechseln. Dort gebe es Kinderturnen, Leichtathletik und Lauftraining. „Heinz Ohliger macht ebenfalls viel Werbung für andere Sachen wie zum Beispiel Radfahren“, lobt Fritz weiter. An den Radtouren nähmen auch Geschwister sowie Eltern teil. 2023 haben so laut Sportbund Pfalz zudem 59 von 605 Mitgliedern des TV Weidenthal das Abzeichen erhalten.
Nach der Ehrung geht’s weiter
Nach dem Sportabzeichen ist vor dem Sportabzeichen: Dass Geschwister, Eltern und auch Großeltern der Grundschüler die Sportabzeichen-Prüfung absolvieren, ist einer weiteren Zutat im Erfolgsrezept zu verdanken. „Mit der Ehrung vor Publikum in der Sporthalle beginnt bereits das neue Sportazeichen-Jahr“, erzählt Thomas Fritz. Nach dieser Ehrung meist an einem Sonntagnachmittag „bauen wir sofort in der Halle die Disziplinen auf, die drinnen möglich sind“: Standweitsprung, Medizinballwurf, Seilspringen und je nach Bedarf Gerätturnen. Hier sei ebenfalls Heinz Ohliger der Antreiber. Es seien vor allem die Älteren, die dieses Angebot nutzten und wohl den Weg zur Sportanlage im Erdbeertal scheuten. Fritz: „So haben wir das auch beim Schulfest gemacht.“
Aufzugeben ist kein Thema: Wenn einem Kind noch eine Disziplin fürs Sportabzeichen fehle oder diese noch nicht geschafft habe, „gehen wir gezielt auf die Suche nach einer Alternative im Leistungskatalog“, sagt Thomas Fritz. „Wir kriegen nicht alle zum Sportabzeichen, aber viele.“
Und noch ein Baustein zum Erfolg: Für den Wettbewerb zähle ein Stichtag im Kalenderjahr, ergänzt er. „Wir beginnen direkt nach der Einschulung mit den ersten Abnahmen im Sportunterricht, daher sind circa 15 bis 20 Prozent der Schulanfänger ebenfalls dabei.“
Weiter Weg ins Stadionbad
Trotz des Erfolges: Auch die Weidenthaler haben mit so mancher Schwierigkeit zu kämpfen. „Die meisten Probleme gibt es bei der Bewältigung der Schwimmfähigkeit“, stellt Thomas Fritz fest. Früher habe die Schule einen Bus für Fahrten ins 15 Kilometer entfernte Neustadter Stadionbad zur Verfügung gestellt bekommen. „Jetzt müssten wir mit der S-Bahn fahren – die effektive Wasserzeit verkürzt sich dadurch drastisch“, klagt der Sportlehrer. Ein weiteres Problem: zu wenig Personal. „Ich kann als Klassenlehrer alleine keinen Schwimmkurs geben – die Diskrepanz zwischen den Kindern ist zu groß.“ Es gebe das Kind, das Angst vor dem Wasser habe. Und es gebe das Kind, das schon Brust schwimmen könne „und von mir das Kraulen lernen will“. So bietet die Schule nur noch einmal pro Jahr einen Schwimmtag für die vierten Klassen an. Thomas Fritz aber weiß: „Das bringt die Kinder nicht im Sportabzeichen und auch nicht in ihrer Schwimmfähigkeit weiter.“
Ein Rückschlag ist für die Grundschule ebenso die Tatsache, dass 2023 letztmals die Bundesjugendspiele als Wettkampf ausgetragen worden sind. Jetzt ist es nur noch ein Wettbewerb. „Man nimmt auf den Bundesjugendspielen nicht mehr die Leichtathletikdisziplinen ab, die fürs Sportabzeichen benötigt werden: Ballwurf, Weitsprung, Sprint und Langstreckenlauf“, erklärt der Schulleiter. Stattdessen gebe es spielerische Bewegungen für Kinder. Eher unmotivierend ist zudem, dass „nur noch ein festgelegter Prozentsatz der Schüler eine Ehrenurkunde erhält, selbst wenn alle Kinder gute Sportler sind“, verweist er auf das Handbuch zu den Bundesjugendspielen. 20 Prozent erhalten demnach eine Ehren-, 50 Prozent eine Sieger- und der Rest eine Teilnahmeurkunde. Früher hatten alle besten Kinder eine Ehrenurkunde ab einer gewissen Punktzahl erreicht, die Mädchen und Jungen mit guten Leistungen eine Siegerurkunde. „Wir könnten deutlich mehr Abzeichen haben“, stellt Thomas Fritz kritisch mit Blick auf die Probleme fest.
Information
Wer das Deutsche Sportabzeichen haben möchte, muss aus den Bereichen Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination je eine Übung erfolgreich absolvieren. Der Nachweis der Schwimmfertigkeit ist ebenso nötig. Der Leistungskatalog für den Erwerb des Sportabzeichens steht unter https://shorturl.at/sk81J
Termin: Sportabzeichen-Feierstunde
17.189 Menschen aus der Pfalz haben im vergangenen Jahr das Deutsche Sportabzeichen abgelegt, informiert der Sportbund Pfalz. Einige von ihnen erhalten in einer Feierstunde am Montag, 8. Juli, eine besondere Ehrung: Jubilare, Gewinner der Vereins- und Schulwettbewerbe, Newcomer, Sportabzeichen-Prüfer sowie die Sportabzeichen-Familie des Jahres 2023 stehen in der Feierstunde zum Deutschen Sportabzeichen in Schifferstadt im Mittelpunkt. Doris Schwaab aus Maikammer, Klaus-Peter Ibach aus Neustadt und Horst Stuhlfauth aus Haßloch haben zum 40. Mal die Sportabzeichen-Prüfung bestanden. Im Vereinswettbewerb belegt die Grundschule Weidenthal in der Kategorie mit bis zu 150 Schülern Platz drei.