Neustadt
Weg für neue Bäckerei in Hambach frei
Warum wird in Hambach über einen Bäckerei-Pavillon gesprochen?
Lange gab es im Netto-Markt an der Weinstraße eine Einkaufsmöglichkeit für die Hambacher – inklusive einer Bäckereifiliale von Ehrat. Doch im Dezember 2021 wurde die Netto-Filiale geschlossen. In einem Verkaufswagen wurden danach weiterhin Backwaren angeboten. Doch das ging irgendwann auch nicht mehr, da ein Investor das Gelände erwarb, die Gebäude abreißen ließ und dort exklusive Wohnungen baut. Hambachs Ortsvorsteher Pascal Bender (SPD) hat früh signalisiert, dem Anbieter Ehrat aus Elmstein einen dauerhaften Standort für einen Bäckerei-Pavillon zu ermöglichen. Überbrückt wurde die Zeit mit einem Verkaufsstand in der Straße In der Stetz.
Wie kommt die „Grüne Insel“ ins Spiel?
Zum einen ist die Standortsuche für den Bäckerei-Pavillon in Hambach nicht ganz einfach. Das hat Bender am Donnerstagabend auch in der Sitzung von Ortsbeirat und Bauausschuss betont. Zum anderen hatte der Ortsbeirat angemeldet, dass er die Grünanlage „Grüne Insel“ an der Weinstraße gerne attraktiver gestalten und dort auch gerne öffentliche Toiletten sehen würde, wie Martina Annawald, Fachbereichsleiterin Stadtentwicklung und Bauwesen, erläuterte. So entstand das jetzt vorgelegte Konzept für die „Grüne Insel“. Annawald betonte, dass man für den Bäckerei-Pavillon auf der Grünfläche einen Standort gefunden habe, „der nicht mit der bestehenden Wegestruktur und Bepflanzung in Konflikt steht“. Für den Bau seien auch keine Baumfällungen erforderlich. Sie ergänzte, dass die Stadt selbst öffentliche Toiletten aus Gründen der Wirtschaftlichkeit nicht betreiben könne. Zur Grünanlage heißt es in den städtischen Unterlagen, dass ihre Nutzung „sehr verhalten“ sei und primär durch Anwohner zum Ausführen ihrer Hunde erfolge.
Was ist genau geplant?
Annawald zufolge soll der Bäckerei-Pavillon eine Nutzfläche von 55 Quadratmetern haben, hinzu komme eine Terrassenfläche mit Außenbestuhlung (weitere 35 Quadratmeter). Zudem soll es zwei Pkw-Abstellflächen sowie eine Fahrradabstellanlage im Randstreifen der Grünanlage geben. Die gesamte Grünfläche hat laut den städtischen Unterlagen eine Größe von 1700 Quadratmeter, rund 125 davon würden für Bäckerei, Terrasse und Stellplätze nun genutzt. Die Stadt will das Projekt in Erbbaurecht-Form ermöglichen. Die Bäckerei baue dort, ohne das Gelände von der Stadt zu kaufen. Im Gegenzug verlangt die Stadt die öffentliche Nutzung der Toiletten während der Öffnungszeiten der Bäckerei. Man orientiert sich dabei am Café Winzig in der Wallgasse. Dort ist ebenfalls eine öffentliche Toilette mit einem Café-Angebot verbunden, so Annawald. Sollte der Pavillon nicht mehr genutzt werden, sei die Bäckerei zum Rückbau verpflichtet. Annawald ergänzte, dass die Planung so gestaltet worden sei, den Flächenverbrauch für das Projekt auf der Grünanlage weitestgehend zu minimieren.
Welche Reaktionen gibt es?
Baudezernent Bernhard Adams (parteilos), sagte, dass er das Vorhaben befürworte. Allerdings habe er aus dem Umfeld der „Grünen Insel“ schon fünf sehr kritische Zuschriften bekommen. Er sehe aber die Chance für eine „Nutzungsanreicherung“, denn bisher „passiert in der Anlage nicht so viel“. Den Flächenverbrauch für den Pavillon halte er im Verhältnis zur Größe der Anlage für „absolut vertretbar“.
Ortsvorsteher Bender betonte, dass es immer wieder den Wunsch von Radfahrern nach einer öffentlichen Toilette an der Weinstraße gebe. Er sehe die Chance, eine Fläche weiterzuentwickeln, die bisher „nicht oder kaum genutzt“ werde. Da die Bäckerei Ehrat schon seit 20 Jahren in Hambach vertreten sei und bleiben wolle, halte er es für richtig, dieser jetzt diese Chance zu geben.
Laut Dezernentin Johanna Kunzendorff (FWG) stimmte der Umweltausschuss am Mittwochabend mehrheitlich für die Vorlage. Der Ausschuss habe der Verwaltung mit auf den Weg gegeben, „dass Baumschutzmaßnahmen beim Bau vorgenommen werden müssen“.
Am Donnerstagabend zeigte sich, dass vor allem bei den Grünen Skepsis herrscht. Stadträtin Svenja Korb, die in Hambach wohnt, ist gegen die ihrer Meinung nach zu große Bebauung und verwies auf „Unmut im Umfeld“. Zur Kritik an der Größe des Pavillons entgegnete unter anderem Adams, dass eine noch kleinere Variante nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben sei. Rainer Grun-Marquardt von den Grünen haderte damit, dass auch für die zwei Pkw-Stellplätze noch Flächen der Grünanlage geopfert werden sollen und enthielt sich deshalb. Er sagte aber auch: „Ich sehe die Chance für einen Treffpunkt und für Begegnung. Aktuell sieht man da niemanden.“
Wie geht es weiter?
Mit dem Beschluss vom Donnerstagabend ging es um die „planungsrechtliche Befreiung“, da die „Grüne Insel“ bisher im Bebauungsplan als Grünfläche festgesetzt wird, so Annawald. Nun wird der Erbbaurechtsvertrag im Detail ausgearbeitet. Ist da alles geklärt, kommt das Thema zur endgültigen Beschlussfassung in die Gremien. Noch geprüft wird, ob der Toilettenbereich um zehn Quadratmeter vergrößert werden kann, um Barrierefreiheit zu ermöglichen. Diese Anregung aus der Diskussion griff Adams auf, Ortsbeirat und Bauausschuss segneten diese Ergänzung mit großen Mehrheiten ab.
