Neustadt
Wasserball: Neustadter U18-Team besiegt Spitzenreiter Bochum
Eine sehr schlechte Schiedsrichterleistung, eine sehr harte Spielweise des Gästeteams, eine tragische Entscheidung gegen Xaver Schädler und ein enormer Schlussspurt der kampfstarken U18-Wasserballer des SC Neustadt: Am Samstag war im Stadionbad bei der Bundesliga-Partie gegen Tabellenführer Blau-Weiß Bochum alles da, was ein Spitzenspiel ausmacht.
Neustadt Für die SCN-Jungs ging es in der Begegnung gegen Bochum um die beste Ausgangssituation für die Relegationsspiele. Mit großem Einsatz holten sie einen 13:10 (5:2, 4:4, 0:2, 4:2)-Erfolg. Nach der 13:14-Niederlage im Hinspiel in Bochum musste ein Sieg her, um die Spiele in der B-Gruppe als Tabellenführer zu beenden und für die zwei Aufstiegsspiele gegen den Tabellenletzten der A-Gruppe, München, eine lösbare Aufgabe zu erhalten.
Doch Bochum, dessen Kader mit Spielern überwiegend des Jahrgangs 2002 bestückt war, setzte von Beginn an auf eine bissige Pressdeckung. Besonders SCN-Angreifer Xaver Schädler wurde in den ersten beiden Vierteln in aussichtsreicher Position am Torschuss gehindert, ohne dass dies von den Schiedsrichtern Jürgen Wittner (Weil am Rhein) und Daniel Maas (Marburg) geahndet wurde. Der 16-jährige Schädler ist bester Schütze beim SCN und lag vor der Partie mit 32 Toren auf Rang vier der Torjägerliste in der B-Gruppe. Der 1,93 Meter große Schädler wohnt in Maikammer und besucht die elfte Klasse des Gymnasiums in Edenkoben.
Harte Bochumer Spielweise
Seine Eltern Silke und Leonhard übernehmen oft die Fahrtdienste zum Training. „Wenn es bis 22 Uhr geht, fährt kein Bus mehr“, bedauern sie. Das sei das einzige Manko an diesem Sport. Dafür seien die Atmosphäre und der Zusammenhalt im Team und im Club einfach einzigartig. Vater Leonhard: „Xaver findet das heftige Gerangel im Wasser mit den Gegner gar nicht mal so schlimm. Und für uns ist es beruhigend, dass er einen Zahnschutz trägt.“ Diesmal wurde es allerdings auch Sohn Xaver zu viel. Immer wieder wurde er zu hart angegangen. Dennoch setzte er im ersten Viertel die Akzente. Der 1:1-Ausgleich fiel durch Schädler, danach ging Bochum erneut in Führung. Doch Schädler holte zunächst eine Überzahlsituation für sein Team. Er tankte sich im Angriff so gut durch, dass er nur mit einem Foul zu stoppen war. Es war jedoch einer der seltenen Momente in den ersten drei Abschnitten, in denen die Unparteiischen die robusten Übergriffe der Gäste auch bestraften.
Verwarnung für Golubic
Xaver Schädler war bis zur Halbzeit mit drei Toren bester Angreifer. Doch bereits im zweiten Viertel hüpfte SCN-Coach Davorin Golubic aufgeregt am Tabellenrand auf und ab und protestierte lautstark wegen der ausbleibenden Schiedsrichterentscheidungen. Dafür kassierte er eine Verwarnung. Und es kam noch schlimmer. Schädler verlor die Beherrschung, nachdem er erneut unfair attackiert worden war und löste sich von seinem Bewacher mit heftiger Gegenwehr. Diesmal griffen die Schiedsrichter durch. Allerdings verhängten sie nur gegen den Neustadter eine deftige Strafe. Er erhielt die Rote Karte und damit den Spielausschluss. Sein Team musste vier Minuten in Unterzahl spielen. Zudem erhielt Bochum einen Fünfmeter. Der Gast verkürzte zwar, doch jetzt folgte die Trotzreaktion des SCN.
Das Team kämpfte bravourös, Tobias Bauer verwandelte fünf Strafwürfe. Bochum kassierte im letzten Viertel endlich auch von den Schiedsrichtern die Quittung für das überharte Spiel und musste 13 Zeitstrafen sowie sechs Fünfmeter hinnehmen. Dennoch war Schädler am Ende geknickt, denn er könnte jetzt mit zwei Spielen Sperre bestraft werden. Schädler: „Bei jedem Zweikampf habe ich einen Schlag mitbekommen. Meine Kappe wurde zerrissen.“ SCN-Manager Michael Heinz: „Das Spiel war auf einem höheren Niveau als ein Zweitliga-Spiel. Nur die Schiedsrichter waren damit überfordert.“
So spielten sie
SCN: Hendrik Hummel, Vlantoussis – Vagts, Hrvic (2 Tore), Bauer (6), Giese, Mrodzinsky, Tim Schwarzkopf, Guth, Herrle, Schädler (3), Ananias (2), Spandick.
Zweitligist SC Neustadt ohne Mühe gegen Darmstadt
Am Sonntagnachmittag waren einige der jungen Helden aus der Begegnung vom Samstag im Zweitliga-Spiel der SCN-Männer gegen den WV Darmstadt erneut im Wasser. Diesmal indes zeichnete sich ein entspannender Nachmittag für das SCN-Team ab. Zwar war Trainer Davorin Golubic mit Fieber erkrankt in Mainz geblieben und wurde von Jens Schwarzkopf vertreten. Es kam dennoch zu einem klaren 23:3 (4:0, 8:0, 6:2, 5:1)-Sieg gegen den Tabellenletzten Darmstadt. Einer der besten Akteure war Xaver Schädler. Obwohl er voraussichtlich für mindestens ein U18-Spiel gesperrt wird, darf er bei den Männern eingesetzt werden. Überhaupt machte der Nachwuchs trotz des schweren Spiels vom Vortag erneut eine gute Figur. Jakko Vagts überzeugte mehrmals bei den Kontern und trug sich wie Tobias Bauer, Tim Schwarzkopf und Philip Guth mehrfach in die Torschützenliste ein. Erst im letzten Viertel ließen die Kräfte nach, zu eigenwillig agierten dann einige Junioren beim Abschluss und vergaben einen höheren Sieg.
SCN-Trainer Jens Schwarzkopf: „Darmstadt war ein sehr schwacher Gegner. Wir boten eine saubere Abwehrleistung, schwammen viele Konter, aber den Abschluss müssen wir verbessern.“ So geriet die Partie gegen die Hessen zu einem wichtigen Trainingsspiel. Bereits am Sonntag kommt es zum ersten U18-Relegationsspiel. Doch ging die Rechnung, als Spitzenreiter der B-Gruppe auf das vermeintlich schwächere Team Potsdam zu treffen, nicht auf. SCN-Sprecher Peter Jacqué: „Überraschend gewann Potsdam gegen München, jetzt ist München Tabellenletzter und spielt gegen uns.“ SCN: Ulrich – Vagts (2), Kuhn, Bauer (3), Weigert (1), Freiberger, Tim Schwarzkopf (2), Guth (3), Herrle, Ananias, Schädler (3), Benedikt Hummel (4), Held (5). (kle)