Neustadt Was wäre die Welt ohne Bienen?

«NEUSTADT». 15 Titel, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, bieten die Bestsellerlisten der fünf Neustadter Buchhandlungen im Mai: anspruchsvolle und unterhaltsame Romane, Krimis, Sachbücher über die Probleme des Einzelnen und der Welt. Auch Pfälzer Autoren wie Ludwig Burgdörfer und Michael Landgraf sind nach Lesungen in der Stadtbücherei und bei Quodlibet anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Buchhandlung mit ihren Büchern vertreten. Kein Titel taucht mehrfach auf.
Vorgestellt sei hier Julie von Kessels neu erschienener Generationen-Roman „Altenstein“, der bei Hofmann erfolgreich lief. Darin erzählt die Autorin vom Verfall der ostpreußischen Familie von Kolberg sowie von den zeitlosen Themen Vertreibung, Flucht und Neubeginn. Die Geschichte beginnt im dramatischen Winter 1945 und reicht bis in das Jahr 2005. Ein kleiner Junge fährt im Zug von Königsberg nach Westen, seine Mutter, Gräfin Agnes von Kolberg, wird ihren zehn Kindern nach dem Tod ihres Mannes, der beim Kampf um Ostpreußen ums Leben kam, erst später auf das Familiengut Altenstein in Brandenburg folgen. Doch auch von hier muss die Familie flüchten. In ärmlichen Verhältnissen wachsen die Kinder bei Bonn auf, eng verbunden durch ihre traumatischen Erfahrungen und die Beziehung zur Mutter, einer starken Frau mit bisweilen geradezu unheimlicher Machtausstrahlung. Nach der Wende sieht Konni, der Protagonist, die Chance, endlich das Familiengut Altenstein zurückzugewinnen. Doch bei dem Kampf um das Gut brechen alte Wunden auf. Obwohl die Autorin in ihrem Roman nicht die Geschichte ihrer eigenen, aus Schlesien stammenden Familie erzählt, gibt es in der Gestalt der Großmutter und deren untergegangener Welt dennoch Parallelen. Die 44-jährige Diplomatentochter Julie von Kessel wuchs in Helsinki, Wien, Zagreb und Bonn auf und arbeitet seit etwa zehn Jahren als Journalistin beim ZDF. Mit ihrem Ehemann, dem Autor Ralph Martin, und ihren drei Kindern lebt sie in Berlin. Wie eng das Leben des Menschen mit der Existenz der Bienen verbunden ist, weist die norwegische Autorin Maja Lunde in ihrem Roman „Die Geschichte der Bienen“, der bei Osiander Topseller war, am Beispiel dreier höchst unterschiedlichen Familien nach. Im 19. Jahrhundert konstruiert ein englischer Biologe einen neuartigen Bienenstock, im 20. Jahrhundert versucht ein amerikanischer Imker, der anders als seine Kollegen nicht auf Profit setzt, auf die alarmierenden Informationen aus anderen Bundesstaaten zu reagieren, in denen ganze Völker vom Aussterben bedroht sind. Dann der Sprung in die Zukunft des Jahres 2098, als in China die Bienen tatsächlich ausgestorben sind und die Protagonistin dieser dritten Familiengeschichte ihren kargen Lebensunterhalt damit verdient, dass sie die Blüten der lebenswichtigen Nutzpflanzen mit dem Pinsel bestäubt. In ihrem Roman wirft Linde die zwar nicht neue, aber dennoch beklemmende Frage nach dem Umgang des Menschen mit der Natur und den Lebewesen auf und regt zum Umdenken an.