Schulsport RHEINPFALZ Plus Artikel Was Lambrechter Realschüler beim Klettern lernen

Paul klettert ganz nach oben, während Lehrer Franz Weber ihm Ratschläge für den nächsten Griff gibt.
Paul klettert ganz nach oben, während Lehrer Franz Weber ihm Ratschläge für den nächsten Griff gibt.

Lambrechter Realschüler lernen in einer Boulder-AG nicht nur das Klettern. Sie trainieren Taktik, Balance, Körperspannung, Kraft. Sie lernen den Umgang mit der Angst.

Die Realschule plus am Speyerbach in Lambrecht ist bekannt für ihre Fitnessklassen: Neben dem regulären Sportunterricht von drei Stunden pro Woche treiben die Kinder in den Fitnessklassen an zwei Nachmittagen zusätzlich Fitnesssport, lernen hier neue Sportarten kennen, sollen ohne Leistungsdruck vor allem Spaß am Sport haben.

Allerdings ist dieser Fitnesssport seit Sommer 2025 ausgesetzt. „Weil wir keine Halle zur Verfügung haben, haben wir das Fitnesssportangebot nicht aufrecht erhalten können“, sagt Franz Weber, der an der Realschule Sport unterrichtet.

Sporthalle lange gesperrt

Seit Juli 2023 ist die Sporthalle der Realschule in Lambrecht gesperrt. Laut Pressestelle der Kreisverwaltung in Bad Dürkheim wird die gesamte Halle generalsaniert: Es gebe neue Technik – Heizung, Sanitär, Lüftung, Elektro –, neue Decken, neue Böden und Türen. Die Außenfassade sowie das Flachdach würden ebenfalls saniert. Die Kosten dafür liegen bei 6,5 Millionen Euro. Voraussichtlich Ende 2025, Anfang 2026 soll laut der Pressestelle die Halle wieder zur Verfügung stehen.

Die Sporthalle der Realschule plus in Lambrecht wird gerade für 6,5 Millionen Euro saniert.
Die Sporthalle der Realschule plus in Lambrecht wird gerade für 6,5 Millionen Euro saniert.

Die Lambrechter Realschule hat zwar als Ersatz Zeiten in der Sporthalle der Weidenthaler Grundschule erhalten, doch reicht dies nicht für die Fitnessklassen aus. Extra Sportstunden bietet die Realschule dennoch an, wenn auch nicht auf ihrem Gelände.

Richtig fallen

Lehrer Franz Weber und bis zu sieben Schüler sind im Winter und im Frühjahr einmal pro Woche nach Schulschluss mit Bus und Bahn nach Neustadt in die Boulderhalle gefahren. „Es macht einfach Spaß“, sagt Paul zur Schul-AG Bouldern. Der 14-Jährige nimmt den Aufwand gerne in Kauf. „Ich bin öfter hier mit meiner Familie“, erzählt er und verrät, dass er in der AG trotzdem noch einiges gelernt habe: „So wie man richtig fällt, dass es nicht so weh tut.“ Nach einem missglückten Griff von der Wand herunterzufallen, sei ihm schon öfter passiert, gibt er schmunzelnd zu.

Bevor Franz Weber und die diesmal nur vier Schüler sich an die fünf bis 5,50 Meter hohen und zum Teil überhängenden Wände wagen, wärmen sie sich gemeinsam auf. Sie klettern im Kinderbereich der Halle einfache Routen. „Wechselt immer mal wieder die Hände, damit eure Muskeln nicht übersäuern“, ruft Weber ihnen zu. Und lässt seine Schützlinge so weit herabklettern, bis sie problemlos von der Wand auf den mit dicken Matten gepolsterten Boden springen können. „Probiert mal, mit beiden Händen zu klatschen und euch dann sofort wieder festzuhalten“, erklärt er den in der Wand hängenden Mädchen und Jungen. Nach einer kurzen Gymnastik mit Dehnen der Muskulatur geht’s an die großen Wände. „Ihr kennt die Regeln“, warnt Weber seine Schützlinge vor Herumrennen in der Boulderhalle, bevor die sich Routen an den Fünf-Meter-Wänden aussuchen und losklettern. Etwa 150 Routen in verschiedenen Schwierigkeitsstufen auf 600 Quadratmetern Grundfläche stehen ihnen zur Verfügung.

Dicken Matten vertrauen

„Wir hatten in der Grundschule eine Kletterwand“, erinnert sich Isabella. „Aber so richtig Bouldern habe ich hier in der AG gelernt“, erzählt die 13-Jährige, die zugibt, „vorher Probleme mit der Höhe gehabt zu haben“. Jetzt könne sie sich viel besser in der Wand orientieren. „Und ich vertraue den Matten mehr.“ Die liegen überall zur Sicherheit unter den Wänden, schützen die Kletterer, die herunterfallen.

Der Umgang mit der Angst sei wichtig, betont der Lehrer. Er habe schon erlebt, so Weber schmunzelnd, dass in der Kletterwand „die kleinen Stillen plötzlich ganz oben sind und die mit der großen Klappe plötzlich keine Lust aufs Klettern haben“. Grundsätzlich hat Mira Meera Patel, sie und ihr Mann Thomas Ziegler sind Inhaber der Boulderhalle, beobachtet, dass „Kinder weniger Angst zu fallen haben als Erwachsene“. Klettern sei eine super Sportart gerade für Kinder. „Man kann hier verschiedene Fähigkeiten gleichzeitig trainieren“, betont sie. „Den Kopf: Wie gehe ich taktisch an die Wand ran? Die Physis: Balance, Körperspannung, Kraft.“

Kletterschuhe wichtig

Franz Weber nennt Klettern „eine ganz ursprüngliche Bewegungsform“. Der Vorteil: Viele könnten hier gleichzeitig bouldern, der eine auf einer schwierigen, der andere auf einer einfachen Route. Und die Schüler brauchten außer den Kletterschuhen keine besondere Ausrüstung. Die Schuhe leihen sich die Lambrechter übrigens in der Halle aus. Kletterschuhe sollten so eng wie möglich und so groß wie nötig sein, weiß der Lehrer. In einem Kletterschuh sei im Normalfall der Zeh vorne am Schuh dran, „um mit den Zehen den Kontakt zum Felsen nicht zu verlieren“. Klettere man in normalen Hallenschuhen, in denen vorne vor den Zehen Platz sei, verliere man den Kontakt zum Felsen: „Wenn die Ferse in der Wand unten ist, rutscht der Fuß im Schuh nach hinten.“

Die Kletterschuhe leihen sich die Lambrechter Schüler in der Boulderhalle aus.
Die Kletterschuhe leihen sich die Lambrechter Schüler in der Boulderhalle aus.

Ella hat Spaß am Bouldern: „Man kann sich gut auspowern.“ Aimée stellt fest: „Es ist anstrengend.“ Sie merke dies an ihren Beinen. Paul findet es schwieriger, wieder herunter- statt hinaufzuklettern: „Weil man dann die Griffe nicht sieht.“

Isabella indes gefällt das Klettern in der Gemeinschaft, „dass man nicht alleine ist“. „Ich finde es toll, wenn man nach der Schule noch etwas gemeinsam unternimmt“, sagt die 13-Jährige, wieso sie gerne in die Boulder-AG geht. So entstünden Bindungen zu anderen, „die man sonst nicht kennenlernt“.

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