Neustadt „Was gibt es Schöneres als Theaterspielen?“
«Neustadt». Seit mehr als drei Jahrzehnten umschmeicheln sie sich, beschimpfen sich, lachen genauso mit-, wie übereinander, der bauernschlaue schwäbische Amtsbüttel Hannes, gespielt von Albin Braig, und sein Bürgermeister (Karlheinz Hartmann). Mit ihrer eigenen Dauer-Spielstätte „Mäulesmühle“ bei Leinfelden-Echterdingen, vor allem aber den regelmäßigen Übertragungen im SWR-Fernsehen haben sich die Volksschauspieler einen Riesenfankreis erspielt – auch in Neustadt, wo sie nächste Woche gleich zweimal mit ihrem neuen Programm zu erleben sind. Anke Wanger hat mit Albin Braig vorab gesprochen.
Ja, wir kommen wieder gern in die Pfalz und in den Saalbau. Aber lange zuschließen müssen wir unsere Mäulesmühle nicht. Denn nach einigen Gastspieltagen sind wir immer wieder donnerstags und freitags zurück auf unserer Bühne. Meine Frau verantwortet in der Theaterscheune Mäulesmühle mit ihrem Team die Gastronomie, und unser Sohn Bastian trägt mittlerweile mit mir und dem Herrn Hartmann ebenfalls Verantwortung für unser Unternehmen. Das steht auf mehreren Beinen? Wir Schauspieler der „Komede-Scheuer“ spielen „Hannes und der Bürgermeister“ auf Tourbühnen und in unserer Mäulesmühle. Dort führen wir auch unsere Komödien auf, die auch zeitkritischere Töne anschlagen können. Außerdem laden wir befreundete Kabarettisten oder Comedykünstler zu „Freunde in der Mäulesmühle“ ein. Die Produktionen werden im SWR-Fernsehen ausgestrahlt. Das heißt, es werden jetzt in Neustadt Szenen zu sehen sein, die man schon aus dem Fernsehen kennt? Noi, auf keinen Fall, das sind alles neue Ideen, die unsere Gäste erwarten. Erst etwa ein Jahr nach dem Liveprogramm kommen die aufgezeichneten Sketche ins Fernsehen. Für ihre Fans immer wieder zündende Ideen zu finden und die dann auch noch so zu spielen, ist schwierig, oder? Wir fragen uns nicht, was genau die Leute vielleicht auf welche Art von uns sehen wollen, das gäb’, glaub’ ich, einen Krampf. Wir bringen auf die Bühne, was uns selbst als komisch, skurril oder unerklärbar auffällt und was uns Freunde und Mitarbeiter erzählen. Ich schreibe dann aus den Einfällen unser Programm. Ist es fertig, werden die nächsten Ideen erst mal in einer Schublade gesammelt. Dort findet ein „Gärprozess“ statt, bevor es die besten ins nächste Programm schaffen. Es gilt: „Es wird schon ankommen, wenn’s gut ist.“ Wenn es gut ist, ist das Gelächter groß. Manchmal lachen Sie aber auch über sich selbst? Ja, insbesondere bei Aussteigern. Mein Sohn hat da Outtakes zusammen gestellt, die wir schon erfolgreich gesendet haben. Das ist auf der Bühne so, dass mir bei Texthängern heiß und kalt wird. Dem zuerst peinlich berührten Lachen von mir folgt ein schadenfreudiges Lachen vom Gegenüber, bis mir dann gemeinsam ein befreiendes Lachen lachen (lacht). Damit es nur wenig Hänger bleiben, wird oft geprobt? Täglich, unser Tag läuft eigentlich wie in jedem Berufsalltag ab, er fängt nur später an. Wir proben ab 15 Uhr, richten dann alles für den Auftritt her. Kurz vorher wird’s in unserer Garderobe dann ganz still, bevor es konzentriert auf die Bühne geht. In der Mäulesmühle wird danach aufgeräumt, ich helf noch meiner Frau, und am nächsten Tag geht’s weiter. Unsere Gäste nehmen sich Zeit, kommen extra zu uns, da wär’s ein Verbrechen, sie nicht gut zu unterhalten. Das nehmen wir sehr ernst. Über die Jahrzehnte tausende von Auftritten mit schwäbischem Volkstheater, wie wär’s mal mit was anderem? Also, ich hab’ beim Zirkus nachgefragt, und die Stelle vom Hochseilartist war schon besetzt (lacht). Nein, im Ernst, mein Hobby ist mein Beruf. Was gibt es Schöneres als Theaterspielen? Warum sollte ich etwas anderes machen wollen? Das kann ich. Und der Herr Hartmann sieht das ganz genauso, denk ich. Sie wissen das, weil sie schon so lange befreundet sind, mit dem „Herrn Hartmann“? Schon seit der Grundschule. Nach der Schule habe ich erst Schriftsetzer und er Elektromechaniker gelernt. Später aber haben wir dann gemeinsam, mit einem Freund zusammen, eine Elektronikfirma gegründet, die wir erst verkauft haben, nachdem wir schon lange Theater spielten. Unser dritter Mann hatte die Firma während dessen weiter geführt. Es hat sich immer so gefügt, dass der Karlheinz und ich dasselbe wollten. Bis auf die Freundin, ich hab meine geheiratet. Er seine nicht? Schon, aber nicht die erste (lacht). Dass mir uns alle so verstehen, ist schon ein großes Glück. Dadurch haben wir das von meinem Vater bereits 1968 ins Leben gerufene Volkstheater so erfolgreich ausbauen können. Wie beschreibt sich der Privatmann Albin Braig? Oh, des isch schwierig. Alles, was mir Positives über mich einfällt, und nur des würd ich erzählen, da würd meine Frau vielleicht hinterher sagen, was hascht da geloge, deshalb sag ich dazu lieber nix. Und meine Frau kennt mich seit vielen Jahren sehr gut. Termin Albin Braig und Karlheinz Hartmann gastieren am Montag und Dienstag, 23. und 24. April, jeweils um 20 Uhr mit ihrem neuen „Hannes und der Bürgermeister“-Programm „Des gibt’s bloß bei ons!“ im Neustadter Saalbau. Für Musik sorgt wie gehabt „Herrn Stumpfes Zieh & Zupf Kapelle“. Karten (ab 35,10 Euro) bei Tabak Weiss, Media-Markt und der RHEINPFALZ in Neustadt sowie unter www.reservix.de.