Handball
Was Carlos bei Heimspielen der Haßlocherinnen treibt
Wenn Frauchen und Herrchen zum Handball weg sind, hat Carlos das Sofa zu Hause für sich alleine. Sofern es ein Heimspiel ist, und Katharina Schmitt sowie ihr Lebensgefährte Marvin Gerdon nach spätestens drei, vier Stunden wieder nach Hause kommen. Steht für den Linksaußen des Frauen-Regionalligisten TSG Haßloch und den Cotrainer jedoch eine Fahrt zu einer Auswärtspartie an, „dann kommt Carlos zu den Schwiegerleuten“, verrät Gerdon und lacht. Weil die Schwiegereltern den Mops arg verwöhnen, hat der, wenn er wieder daheim ist, allerdings wenig zu lachen. „Danach muss er auf Diät gesetzt werden“, sagt Gerdon und grinst. Zumindest nach dem kommenden Wochenende bekommt Carlos seine normale Futterration, kann er doch daheim in Dannstadt-Schauernheim auf dem Sofa bleiben: Die TSG-Frauen erwarten am Samstag, 18.30 Uhr, zu Hause die HSG TVA/ATSV Saarbrücken.
Marvin Gerdon ist seit Saisonbeginn Cotrainer des Frauen-Handball-Regionalligisten TSG Haßloch. „Wir hatten am Anfang größere Bedenken“, gibt der frühere Spieler des TV Hochdorf und der Rhein-Neckar Löwen zu. Seine Freundin sei zunächst gar nicht davon begeistert gewesen, dass er den Cotrainerposten in ihrer Mannschaft übernehme. Doch davon sei längst keine Rede mehr. Gerdon hatte früher ohnehin jede Partie der TSG-Frauen gesehen, wenn er nicht gerade selbst am Ball war. „Seitdem Katharina in Haßloch spielt, habe ich dort immer in der Halle gesessen.“
Langeweile nach zwei Wochen
Den TSG-Trainer der vergangenen Saison, Eulen-Zweitliga-Spieler Marc-Robin Eisel, sowie den Sportlichen Leiter der Handballerinnen, Peter Wingerter, kenne er schon lange. Gerdon: „Peter hat dann mal aus Spaß gefragt, ob ich nicht einsteigen will.“ Und als er in der vergangenen Saison verletzungsbedingt mit dem Handballspielen habe aufhören müssen – Gerdon hat zwei Mittelhandbrüche sowie drei Operationen an der Hand hinter sich – habe er nach drei Wochen schon Langeweile gehabt. „Ich glaube, es war schon nach zwei Wochen“, korrigiert er sich selbst und schmunzelt. Er sagte in Haßloch zu.
„Ich fühle mich in meiner Rolle wohl“, betont er. Für Marvin Gerdon ist es die erste Station als Trainer. Der 28-Jährige kümmert sich um die Vor- und Nachbereitung von Spielen. Eine zeitaufwendige Arbeit. „Pro Woche kommen da locker vier bis fünf Stunden zusammen“, um Punkte aufzuschreiben, die ihm im Spiel des nächsten Gegners oder der Haßlocherinnen aufgefallen sind, um Videos zusammenzuschneiden. Mit Cheftrainer Benedikt Hettich bespreche er dies dann. Er kümmere sich ebenfalls um Zahlen und Fakten, schreibe auf, wie viele Paraden den Torhüterinnen gelungen, wie die Abschlussquoten der einzelnen Feldspielerinnen seien.
Immer bei Spielen der TSG-Frauen
Am Tag vor einem Training klärten Hettich und er, wer was in der Übungsstunde übernehme, „ich zum Beispiel das Training für die Außenspieler, Bene das für den Rückraum und die Kreisspieler“. Gerdon war als Linkshänder selbst Rechtsaußen, hat aber auch im rechten Rückraum gespielt. Früher habe er in Friesenheim in der Jugend gespielt, habe drei Jahre das Internat der Rhein-Neckar Löwen besucht, habe für die Löwen anschießend zwei Jahre im Männerteam gespielt, bevor er nach Hochdorf gewechselt sei. Apropos Hochdorf: Am vergangenen Samstag hat Männer-Drittligist TSG Haßloch das HLZ Friesenheim-Hochdorf zu Gast gehabt. Gerdon hat den Haßlocher 33:29-Sieg nicht gesehen. Denn nahezu zeitgleich sind die TSG-Frauen bei der FSG Bodenheim/Gonsenheim/TSV Schott angetreten, haben dort mit 25:22 ebenfalls gewonnen. „Ich bin in jedem Training, in jedem Heim- und Auswärtsspiel dabei“, sagt er.
Seine Erfahrungen mit der Frauenmannschaft sind positiv: „Frauen nehmen im Training Aufgaben viel leichter an als Männer.“ Und sie machten die Übung dann zu 100 Prozent. Männer seien kritischer. Oder auch fauler, weil sie sich vor gewissen Übungen drücken wollten, ergänzt er lachend.
Im Sommer auf dem Rennrad
Mit der Trainingsbeteiligung in Haßloch seien die Trainer mehr als zufrieden, „obwohl sechs, sieben Spielerinnen eine weitere Anfahrt aus Mainz oder Mannheim haben“, betont Gerdon. „Das spricht für die Mannschaft.“
Marvin Gerdon selbst bewegt sich noch regelmäßig, weil er Aufwärmspiele im Frauentraining mitmacht. Fehle im Training jemand für ein Spiel, mache er ebenfalls mit. Im Sommer habe er sich ein Rennrad zugelegt, habe ein paar Touren absolviert. „Ich bin aber ein typischer Schön-Wetter-Fahrer“, gesteht er, jetzt im Winter nicht so oft im Sattel zu sitzen. Er gehe weder joggen noch ins Fitnessstudio. „Zweimal Hallentraining pro Woche mit den Frauen reicht mir“, sagt der ehemalige Handballer, der für einen Automobilzulieferer im badischen Forst arbeitet.
Und dann ist da ja noch Carlos, der laut Gerdon mopsfidel ist. „Ich behaupte, für seine Rasse ist er sehr bewegungsfreudig“, erzählt das Herrchen. „Er fühlt sich wohl, wenn er für eine Stunde rausgeht.“ Er fühle sich aber ebenfalls wohl, wenn er daheim auf der Couch schlafen könne. Carlos habe zwar zu Hause verschiedene Körbchen, „aber meist liegt er auf dem Sofa oder auf einem von uns drauf“.