Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Warum rutscht ein Linienbus auf geparkte Autos?

So sah es nach dem Unfall in der Leibnizstraße aus – Anwohner haben die Szene festgehalten.
So sah es nach dem Unfall in der Leibnizstraße aus – Anwohner haben die Szene festgehalten.

Schreck zu Jahresbeginn: Ein Bus rutscht in geparkte Autos. Es bleibt bei Blechschäden. Trotzdem herrscht Unruhe, weil sich für Anwohner rund um den Unfall Fragen ergeben.

Der 2. Januar beschert der Vorderpfalz einen etwas überraschenden Wintereinbruch. Auch in und um Neustadt kracht es auf glatten Straßen mehrfach, wie die Polizei am Tag darauf berichtet. Darunter befindet sich auch folgender Unfall: „Gegen 20.42 Uhr schaffte ein Linienbus die Steigung in der Leibnizstraße nicht. Der Bus hielt an, rutschte aufgrund der laut Polizei spiegelglatten Fahrbahn jedoch rückwärts und stieß gegen zwei geparkte Autos.“ Die Meldung ruft Anwohner des Afrikaviertels auf den Plan. Sie haben den Unfall hautnah miterlebt und wollen wissen, was da genau los war.

Sie beschreiben die Bedingungen so: „Die Leibnizstraße war insgesamt schneebedeckt und im oberen Teil spätestens ab der Kreuzung mit der Maria-Merian-Straße spiegelglatt.“ Wegen der Glätte hätten zwei Anwohner ihre Wagen am Straßenrand abgestellt und die restliche Strecke zu ihren Häusern zu Fuß zurückgelegt. Eine Familie war gerade auf ihrem Weg, als besagter Bus angefahren kam. Kurz nach der Bushaltestelle habe ein anderer Busfahrer desselben Unternehmens ihn gebremst, denn dieser war mit seinem Gefährt weiter oben im Afrikaviertel wetterbedingt gestrandet. „Nach kurzer Unterhaltung versuchte der Bus, wieder anzufahren, was aufgrund der Glätte nicht gelang. Der Bus rutschte direkt rückwärts, ohne Kontrolle“, erläutert der Anwohner. Der Bus habe ein Auto an der Seite entlang gestreift und sei nach dem Aufprall auf das andere Auto zum Stehen gekommen.

Was ist mit den Reifen?

Um die Schadensregelung macht sich der Anwohner weniger Sorgen, das werde ja über die Versicherung geregelt. Aber er sorgt sich um die Sicherheit, denn es habe sich offenbar nicht um eine normale Linienfahrt gehandelt. Vielmehr fragt sich der Neustadter, warum der Bus außerhalb des Linienverkehrs angesichts der Wetterverhältnisse überhaupt im Afrikaviertel unterwegs war. Zumal seiner Meinung nach auch die Reifen nicht mehr in Ordnung gewesen seien.

Auf der eisglatten Straße hatte der Bus keinen Halt.
Auf der eisglatten Straße hatte der Bus keinen Halt.

Ein Mitarbeiter der Polizeiinspektion Neustadt spricht von einem schwierigen Fall, die Ermittlungen dazu haben ein paar Tage gedauert. Vor allem die Reifen standen dabei im Mittelpunkt. Die Einsatzkräfte vor Ort hatten Fotos gemacht. Der Polizeisprecher räumte ein, dass er die Sorgen der Anwohner nachvollziehen könne, da die Reifen auf den Fotos, die beim Einsatz vor Ort gemacht wurden, zum Teil glatt aussähen. Daraus lasse sich jedoch nicht schließen, dass die Reifen tatsächlich abgefahren gewesen seien. Dies bestätigt sich nach einer eingehenden Untersuchung des Busses. „Die Bereifung war zulässig“, informiert die Polizei. Das Reifenprofil habe die gesetzlich vorgeschriebene Mindesttiefe von 1,6 Millimetern aufgewiesen – damit sei dies von der Polizei nicht zu beanstanden und nicht als „gut oder nicht gut“ zu bewerten. Auch wenn der Automobilclub ADAC beispielsweise bei Winterreifen aus Sicherheitsgründen mindestens 4 Millimeter empfehle.

Warum war der Bus unterwegs?

Für die Polizei stehe am Ende der Ermittlungen zum Unfall in der Leibnizstraße: Es habe nichts strafrechtlich Relevantes vorgelegen. Da es kein generelles Durchgangsverbot gebe, sei die Frage, warum der Bus dort unterwegs war, nicht relevant. Aus Sicht der Ermittler liegen keine Punkte für weitere Untersuchungen vor. Die Polizei habe den Unfall nun abschließend an die Bußgeldstelle weitergegeben, was bei Unfällen Routine sei.

Bleibt die Frage, warum der Bus an jenem Abend überhaupt im Afrikaviertel unterwegs war. Vom Verkehrsverbund Rhein-Neckar, dessen Schriftzug groß auf dem Bus zu lesen ist, heißt es, dass dazu nichts bekannt sei. Der VRN sei die Vergabestelle, die Disposition Sache der Verkehrsunternehmen. Auch der VRN sagt zur Frage, ob etwas über den Grund der Fahrt bekannt sei: „Solange die Verkehrsregeln die Durchfahrt mit Bussen nicht ausschließen, ist das im ersten Moment unerheblich.“

Bleibt also noch das Busunternehmen, die MNV Mittelhaardt Nahverkehrsgesellschaft mbH mit Sitz in Landstuhl. Ihre Informationen sind für das Gesamtverständnis der Ereignisse sehr wichtig. Aus der Geschäftsführung heißt es: „Einer unserer Fahrer war am Freitagabend, 2. Januar, im Afrikaviertel in einen Unfall verwickelt. Hierbei war das betroffene Fahrzeug nicht auf dem Linienweg unterwegs. Durch den plötzlichen Wintereinbruch fuhr sich der Fahrer der Linie 515 in besagtem Viertel fest. Das verunfallte Fahrzeug wurde von einem Fahrer geführt, der dem feststeckenden Fahrer behilflich werden wollte. Die Rettungsaktion ging insofern schief, als dass das Fahrzeug selbst mit den Straßenverhältnissen überfordert war und auf der glatten Fahrbahn leider in zwei parkende Autos rutschte.“ Das Unternehmen betont, dass zum Glück niemand verletzt wurde und sich der Sachschaden auf einen „überschaubaren Umfang“ beschränke. Die Schadensregulierung laufe nun über die Versicherung. Außerdem heißt es von der MNV Mittelhaardt Nahverkehrsgesellschaft mbH: „Bezüglich der Vorwürfe abgefahrener Reifen können wir mitteilen, dass die gesetzliche Mindestprofiltiefe bei allen Rädern eingehalten wurde. Den Vorwurf weisen wir zurück.“

x