Wasserball RHEINPFALZ Plus Artikel Warum der SC Neustadt wieder bei null anfängt

Matthias Held (links, hier gegen Würzburg) hat erst einmal mit dem SCN-Team in Plauen gewonnen.
Matthias Held (links, hier gegen Würzburg) hat erst einmal mit dem SCN-Team in Plauen gewonnen.

In der Finalrunde der Zweiten Bundesliga tritt der SC Neustadt in Plauen an. Wieso die bislang zehn SCN-Siege in dieser Saison nun nicht mehr zählen.

Alles wird auf null gestellt: Die hervorragenden Leistungen in Hin- und Rückrunde der Zweiten Wasserball-Bundesliga des Aufsteigers SC Neustadt spielen jetzt keine Rolle mehr. Der SCN muss sich im Viertelfinale erneut gegen den SVV Plauen beweisen, um bei einem Sieg in den beiden Spielen dem Kampf um den Klassenverbleib zu entrinnen.

Im Hinspiel in Plauen am Samstag um 19 Uhr wollen die Pfälzer bereits den Grundstein legen, am 25. April folgt das Rückspiel im Stadionbad.

Ligen neu geordnet

Der Deutsche Schwimmverband (DSV) hat für diese Saison seine Wasserball-Ligen neu geordnet. Aus der Bundesliga-B-Gruppe wurde die Zweite Bundesliga. Der SCN hat die Qualifikation dazu unter seinem damaligen Trainer Thorsten Preuß als Meister der Zweiten Liga Süd souverän genommen. Im Sommer überraschte der SCN mit einem Trainerwechsel: Seit Oktober steht Milos Sekulic, ehemaliger Nationaltrainer des DSV, am Beckenrand. Der ruhige, besonnene, ja auch verschlossene Coach formte den SCN mit einigen Neuzugängen zu einer Spitzenmannschaft. Neustadt gewann zehn Spiele, verlor lediglich vier Partien. Gegen Plauen gab es in der Vorrunde einen Heimsieg nach Fünfmeterschießen und einen 20:18-Auswärtssieg im Rückspiel. Der SCN beendete die Vorrunde also auf Rang drei, Plauen wurde lediglich Sechster. Der SCN ließ damit einige etablierte ehemalige Bundesliga-B-Clubs hinter sich.

„Anderen Modus gewünscht“

Doch diese Erfolge zählen jetzt gar nichts mehr. Nach der jeweiligen Tabellenposition wurden jetzt die Viertelfinal-Paarungen ermittelt. SCN-Kapitän Matthias Held: „Ich hätte mir einen anderen Modus gewünscht. Etwa, dass die ersten Vier in der Tabelle die weiteren Finals austragen, die restlichen Vier die Abstiegsrunde bestreiten. Aber wir müssen jetzt diesen Modus akzeptieren.“

Verliert der SCN in Summe der beiden Partien gegen Plauen, muss der Club in die Abstiegsrunde. Gewinnt Neustadt, gibt es ein Halbfinale. Es folgt danach ein Finale um Rang eins und damit auch die weitere Chance auf einen Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse.

Erst einmal in Plauen gesiegt

„Alles, was wir bis jetzt geleistet haben, ist nichts mehr wert“, sagt Held. „Aber wir sind auf Rang drei, Plauen drei Plätze hinter uns.“ Der Kapitän hatte in der Vergangenheit schon oft mit den Ostdeutschen Kontakt. Er weiß von Spielen in Plauen: „Eine tolle Atmosphäre mit 500 bis 600 Zuschauern sorgt für Stimmung, und das kann auch die Partie beeinflussen. Aber ich kann mich nicht erinnern, vor dieser Saison schon einmal in Plauen gewonnen zu haben. Der Sieg in dieser Runde war der erste Erfolg für mich in Plauen.“

Matthias Held kennt von früher sehr hart geführte Partien: „Das Team hatte viele Spieler aus dem Ausland und setzte quasi Halbprofis ein. Es ging dort immer heftig zur Sache. Jetzt setzt Plauen mehr auf den eigenen Nachwuchs.“ Der 41-jährige SCN-Spielführer sieht viele Emotionen auf seine Mannschaft zukommen.

Der Kapitän und der Schiedsrichter

Der Kapitän gesteht: „Ich werde emotional, wenn ich mich ungerecht behandelt fühle. Aber inzwischen bin ich ruhiger geworden. Ich habe schon lange keine ,Rolle’ (Anmerk. d. Red.: Hinausstellung für den Rest des Spiels) bekommen.“ Held sieht längst ein: „Ein Schiri wird seine Entscheidung nie zurücknehmen, wenn wir was sagen.“ Allerdings darf er als Kapitän durchaus das Wort an die Unparteiischen richten. „In angemessenem Ton. Vielleicht überlegt sich der Schiri dann in der nächsten Situation, die Angelegenheit neutraler zu bewerten.“ So gibt Held seinem Team für die Auswärtspartie ganz dringend den Ratschlag: „Cool bleiben. Der Druck liegt auf Plauen. Sie müssen zu Hause vorlegen. Sie wissen, wie stark wir im Stadionbad sind.“

Fünf Spiele in vier Tagen

SCN-Trainer Milos Sekulic berichtet von einer gelungenen Vorbereitung in den vergangenen Tagen. Elf Spieler waren zu einem langen Wochenende in einem kleinen Trainingslager unterwegs. Es gab Trainingsspiele gegen den SV Cannstatt, danach folgte ein Aufenthalt in der Schweiz mit Sparring gegen den SC Kreuzlingen. Sekulic: „Einige Spieler fehlten erkrankt, beruflich oder aus privaten Gründen, aber wir waren eine gute Gruppe. Es gab fünf Trainingsspiele in vier Tagen. Das Ziel war, richtig müde zu werden und die spezifische Ausdauer für den Wettkampf zu erhalten.“

Zur Aufstellung gegen Plauen kann er jetzt noch gar nichts sagen. Sekulic: „Bis Freitag kann sich viel ändern. Wenn wir komplett sind, haben wir gute Chancen. Kein Spiel ist einfach in Plauen. Aber egal wie es ausgeht, das zweite Spiel ist bei uns. Wir haben die Chance, alles auszubügeln. Eine Niederlage wäre kein Weltuntergang.“

Jacqué fährt nicht mit

Peter Jacqué ist Cotrainer des SCN, macht aber die Fahrt ins Vogtland nicht mit, weil er am Sonntag mit der Zweiten Mannschaft in der Dritten Liga unterwegs ist. „Ich habe den Eindruck, dass unser Team gut fokussiert ist. Die Partie werde ich mir am Livestream anschauen“, erzählt er. Mittlerweile sei er altersbedingt ruhiger geworden und werde das Spiel am Bildschirm statt aufgeregt eher analytisch verfolgen. Er achte auf die Abwehrarbeit und die Angriffe des Teams, betont er.

Wenn er als Cotrainer am Beckenrand sitzt, ist er ohnehin zur Schweigsamkeit verdonnert. Jacqué: „Da darf ich keinen Mucks von mir geben, muss vollkommen ruhig sein. Aber wenn ich mit der Zweiten Mannschaft unterwegs bin, dann bin ich natürlich auch am Beckenrand laut.“ Zum Rückspiel gegen Plauen wird Jacqué ebenfalls nicht dabei sein und muss erneut via Livestream und Liveticker mit seinem Team fiebern.

Information

Livestream über Youtube, Stichworte 2. Wasserball-Bundesliga, SSV Plauen gegen SC Neustadt.
Die weiteren Paarungen: Esslingen – Uerdingen, Würzburg – Krefeld, Düsseldorf – Laatzen.

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