Neustadt Wandersmann auf Weltreise

Neustadt. Für Wohlklang auf hohem Niveau sorgte am Samstagabend die A-Cappella-Formation „Lords of the Chords“ in der Stiftskirche. Mit Volks- und Kunstliedern aus Deutschland, England, Skandinavien und Südamerika luden die neun professionellen Sänger unter dem Titel „Heimat und Fremde“ dazu ein, einen „jungen Wandersmann“ auf seiner musikalischen Entdeckungsreise zu begleiten.
Die Reise beginnt in Österreich. Mit „Innsbruck, ich muss dich lassen“ von Heinrich Isaac singen die „Lords of the Chords“ einfühlsam von Abschied und Fernweh. Beim Lied „Da unten im Tale“ von Johannes Brahms wird Leidenschaft und Herzeleid deutlich, beginnend bei feinem Pianissimo, das passend zur Textaussage eine dynamische Steigerung erfährt. Der Klang der volltönenden Männerstimmen erfüllt den Kirchenraum, ergreift und sorgt für Gänsehaut, wenn sich die Tenöre in die Höhen schwingen, die mittleren Stimmen die komplexen Harmonien mit Leichtigkeit ergänzen und die satten Bässe als Fundament sachte wummern. Die Protagonisten sind im Hauptberuf Sänger oder Kirchenmusiker. Ihre großen Vorbilder sind die „King’s Singers“, und den Vergleich mit ihnen müssen die „Lords“ nicht scheuen. Das Ensemble reiht nicht nur 19 wunderschöne Lieder aneinander, sondern bettet sie in eine Geschichte. Vermutlich habe der Wanderer, nachdem er Innsbruck verlassen habe, da unten im Tal an seine verflossene Liebe zurückgedacht, so Ensemblemitglied und Moderator Daniel Schreiber, gebürtiger Neustadter. „Während er wandert, denkt er an seine Liebste zurück, vielleicht gar das ,Ännchen von Tharau’“. Gleichnamigen Titel in einem Satz von Friedrich Silcher trägt das Ensemble mit präziser Artikulation vor, man spürt förmlich, das selbst „Eisen und Ketten“ ihn nicht halten können, weiterzureisen. „Er schreite wohl recht forsch aus, denn schon hat er den hohen Norden erreicht“, so Schreiber. Die Liebe findet er auch dort, was das Volksweise „Dat du mein Leevsten bist“ beweist. „In einem kühlen Grunde“ ruht er sich aus und beobachtet eine witzige Begebenheit. „Ein Jäger längs den Weiher ging“ interpretiert jede Strophe auf kurzweilige Art. Bald gelangt der Wandersmann nach Schweden, wo er bei „Zum Tanze, da geht ein Mädel“ anbandelt. In Skandinavien kommt der Untertitel des Konzerts – von Jungfrauen, Jägern und schwedischen Blaubeeren – zum Tragen: Gesungen wird in der Landessprache, „Blaubeeren wachsen in unserem Hain“ als schwedisches „Uti var hage“, „Setz dich auf mein Knie“ auf Finnisch „Eteläpohjalainen piirilaulu“. Die Weiterreise des unsteten Gesellen per Schiff erfordert Vielseitigkeit seitens der Sänger. Nach dem baskischen „Artdotxo txuria“ – auch diesen Zungenbrecher, bei dem der Bass das Lallen eines Zechers imitieren muss, meistert das Ensemble mit Bravour – geht es nach Südamerika. Brasilianische Lebensfreude wird bei „Na bahia tem“ von Heitor Villa-Lobos, einem Loblied auf die Kokosnuss, bei stetig wechselnden Tempi. Auf der Reise zurück nach Europa erzählt der jüdische Schiffsarzt, wie es in Jerusalem einmal geschneit hat. Davon handelt die wunderschöne Weise „Sheleg al jiri“ mit fein ausgearbeiteten kontrapunktischen Melodieverläufen. Schwungvolle wie melancholische Töne hallen ergreifend durch den Kirchenraum. Über den Atlantik in England gelandet, singt das Ensemble romantische Erzählballaden und melancholische Liebeslieder in dicht gewobenen Harmonien, so auch die bekannte Weise „Londonderry Air“ oder „Bushes and Briars“ von Ralph Vaughan Williams. Bei „What shall we do with the drunken sailor“ drehen die Akteure in einer originellen Interpretation richtig auf, wobei auch hier Parts mit Soli besetzt sind. „Junge, komm bald wieder“ lautet das anrührend vorgetragene Abschiedslied, doch ohne Zugaben lassen die 50 begeisterten Zuhörer die „Lords“ nicht ziehen. Das 2004 in der Pfalz gegründete Ensemble schließt mit „Walk out an lonesome road“.