Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel VRN-Nextbike im Praxistest

Der Start: Tilmann Koch wählt dafür den Hauptbahnhof.
Der Start: Tilmann Koch wählt dafür den Hauptbahnhof.

Seit zwei Wochen stehen sie auch in Neustadt zum Einsatz bereit: 70 Mietfahrräder von VRN-Nextbike. Tilmann Koch hat sich für eine Testfahrt auf den Sattel geschwungen. Sein Fazit ist durchwachsen. Am Samstag kann jeder selbst testen, wie es so läuft.

Wer eine Tour mit den blauen Rädern plant, sollte das von langer Hand vorbereiten – sonst könnte es ihm ergehen wie mir. An jenem Morgen, für den mein Nextbike-Selbstversuch angedacht war, installierte ich voller Tatendrang – und ein wenig naiv – die dazugehörige App auf meinem Smartphone.

Dann stellte ich fest: Um mein Bankkonto zu verknüpfen, müsste ich mehrere Tage abwarten – schließlich muss das Konto überprüft werden, wie in der App zu lesen ist. Die anderen Optionen: Zahlung per Kreditkarte oder per Paypal. Zu letzterem rät der freundliche Herr vom Nextbike-Kundenservice am Telefon. Zum Glück findet sich schließlich ein Paypal-Konto in der Verwandtschaft. Mein Praxistest kann – mit einem Tag Verspätung – beginnen.

Richtung Edenkoben

Mein Plan: Am Hauptbahnhof, einer von 14 Stationen im Stadtgebiet, ein VRN-Nextbike-Rad ausleihen, von dort erst in den Globus-Markt, dann nach Edenkoben und zurück. So will ich das Rad in allen Alltagssituationen testen.

Ein Leihrad in der Nähe zu finden, ist relativ einfach. In der App sieht der Nutzer eine Karte der Umgebung, jede Nextbike-Station ist markiert – inklusive der Angabe, wie viele Fahrräder dort zurzeit stehen. Für mich als Einmalfahrer zum Basistarif kostet jede Viertelstunde einen Euro und maximal zwölf Euro pro Tag. Vielfahrer und VRN-Kartenbesitzer kommen mit anderen Tarifen etwas günstiger davon – wenn sie eine jährliche Grundgebühr bezahlen.

Öffnen per QR-Code

An der Station angekommen, öffnet ein Tippen auf „Rad ausleihen“ die Kamera. Damit wird der QR-Code eingescannt, der auf dem Rad angeklebt ist. Das Rahmenschloss öffnet sich automatisch. Es kann losgehen. Nach meinen Informationen bringt ein Neustadter Nextbike-Rad 18 Kilogramm auf die Waage. Das spüre ich, als ich mein Exemplar auf die Straße schiebe. Ziemlich schwer.

Schließlich starte ich in Richtung Globus. Den Rucksack habe ich auf den Gepäckträger vor dem Lenkrad geklemmt. Die Straße wird holpriger. Verwöhnt von meinem eigenen Rad, kommt mir der Gedanke: Ein bisschen Federung täte den Nextbike-Rädern vielleicht auch gut. Beziehungsweise deren Fahrern. Andererseits: Die Schlaglöcher sind sicher gut für die Durchblutung.

Die Uhr tickt beim Parken

Am Globus angekommen, wird es Zeit, mein Gefährt zu parken. Das lässt sich per Knopfdruck in der App machen, anschließend muss der Radler nur den Hebel am Rahmenschloss nach unten schieben, bis es piept. Allerdings läuft das virtuelle „Taxameter“ weiter, während ich die Einkäufe erledige. Das Entparken geht noch schneller als das Parken: Ein Klick in der App, schon löst sich das Schloss von selbst. Und weiter geht’s Richtung Edenkoben.

Eigentlich hatte ich gedacht, die Strecke sei halbwegs eben. Aber in der prallen Mittagssonne fühlt sich jede kleine Erhebung an wie ein echter Hügel – zumal das schwere Rad ja nur acht Gänge hat. Als ich mich in Edenkoben im ersten Gang die Luitpoldstraße hoch quäle, wird mir klar: Ein Eis zur Belohnung sollte nach der Rückkehr schon drin sein.

Bewertung gefragt

Mit einer Kugel Zitroneneis vor dem geistigen Auge fahre ich zurück nach Neustadt – und dann direkt durch bis zum Juliusplatz, wo auch eine Station eingerichtet wurde. Schließlich bin ich dort näher an der Eisdiele meines Vertrauens. An der Nextbike-Station schiebe ich das Leihrad bis in die Markierung, tippe in der App auf „Jetzt zurückgeben“ und verriegele per Hand das Schloss. Ergebnis: zwölf Euro. Die App fragt: „Wie fandest du deine Ausleihe?“

Gute Frage. Die App ist leicht zu bedienen. Für eine ausgedehnte Radtour würde ich mir kein VRN-Nextbike-Rad leihen – zu unhandlich. Aber um kurze Wege in der Stadt in noch kürzerer Zeit zu erledigen, wieso nicht? Vorausgesetzt natürlich, man hat kein eigenes Rad.

Was zu den Fragen führt, die mich nun, nach dem Selbstversuch, am meisten beschäftigen: Wer ist jetzt eigentlich die Zielgruppe? Nur Touristen, die ohne Rad gekommen sind? Und was soll, was kann das Nextbike-System in Neustadt tatsächlich bewirken? Eine Mobilitätswende werden die Räder wohl nicht einleiten. Zumal die Verkehrsführung auch durch neue Leihräder nicht fahrradfreundlicher wird.

Info

Eine Testfahrt ist immer etwas Subjektives. Wer sich selbst einen Eindruck verschaffen will, kann am Samstag, 15. August, ab 10 Uhr eine Beratung der Stadtverwaltung nutzen. Der Infostand ist am Juliusplatz beim Rathaus aufgebaut. Dabei können die VRN-Nextbike-Fahrräder laut Stadt auch kostenlos getestet werden.

Entriegeln per QR-Code.
Entriegeln per QR-Code.
Übersicht der Stationen.
Übersicht der Stationen.
Bei der Rückgabe ist auch eine Bewertung gefragt.
Bei der Rückgabe ist auch eine Bewertung gefragt.
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