Neustadt Von Swing bis Fusion

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Neustadt. „Prost Neujahr Neustadt“ – mit diesem Ruf begrüßte Markus Lichti, Manager der „Blue Note Big Band“ und am Donnerstag gleichzeitig als deren ebenso charmanter wie kompetenter Moderator tätig, die rund 800 Besucher beim Neujahrskonzert seines Orchesters im Saalbau. Längst zur Tradition geworden, begleitete die Musik des 21-köpfigen Klangkörpers, der sich im Vorfeld wie immer mit einem von namhaften Jazzmusikern geleiteten Workshop auf den Auftritt vorbereitet hatte, bereits zum 20. Mal den Jahreswechsel.

Grund genug für Lichti und seine Kollegen, ihr Repertoire anlässlich des Jubiläums vor allem aus einer Auswahl von bekannten, gern gehörten Stücken aus vergangenen Konzerten zusammenzusetzen. So war gleich die erste Nummer, „The Chicken“, geschrieben von Bass-Guru Jaco Pastorius und für die „BNBB“ arrangiert von Bernd Lechtenfeld, ein Titel, den die Gruppe schon bei ihrem ersten Neujahrskonzert 1986 auf dem Spielplan stehen hatte und der heute, nicht zuletzt durch die virtuosen Alleingänge von Altsaxophonistin Sandra Scheurer-Weick, Gitarrist Martin Czemmel, Trompeter Andreas Schnell und Bassist Steffen Weick, noch genauso frisch daher kommt wie damals. Aber schon mit dem nächsten Stück brachte die Neustadter Vorzeige-Big-Band, die sicher zu den besten Amateurensembles ihrer Art in Europa gehört, zum Ausdruck, dass sie sich seit ihren Anfangstagen ständig weiterentwickelt hat, obwohl sie immer noch nicht alle Ziele erreicht hat, die sie sich selbst gesteckt hat: „The Best Is Yet To Come“ (Das Beste kommt erst noch) von Cy Coleman. Arrangiert hat es Christoph Mudrich, einer der Dozenten, die „zwischen den Jahren“ den Vorbereitungslehrgang, der im saarländischen Braunshausen stattfand, geleitet hatten. Der 54-jährige Pianist, den man sonst vornehmlich als Gründer und Leiter des internationalen „Jazzorchestra Europool“ kennt, trat im Saalbau nicht nur als Gastmusiker, sondern auch als Gastdirigent auf. Das Neustadter Orchester verspricht sich durch solche hochkarätigen temporären Orchesterchefs neue Impulse für sein Schaffen. Die setzte auch der zweite Gastmusiker, der holländische Star-Posaunist Bart van Lier, der nicht nur mit tollen Soli auf Trombone und Basstrompete glänzte, sondern auch gleich noch die Eigenkomposition „Memories Of The Future“ mit nach Neustadt gebracht hatte, die wie alle aufgeführten Stücke an diesem Abend stürmisch bejubelt wurde. Direkt im Anschluss an dieses Stück folgte mit „They Say That Falling In Love Is Wonderful“, von Irving Berlin für das Musical „Annie Get Your Gun“ geschrieben, ein echter Höhepunkt des in jeder Hinsicht äußerst ansprechenden Neujahrskonzerts. Christoph Mudrich streichelte zu der Ballade zärtlich über die Tasten seines Pianos, während Sängerin Michaela Pommer es schaffte, den Song ähnlich gefühlsbetont zu interpretieren, wie es einst dem seligen Frank Sinatra gelungen war. Pommer wusste auch mit ihrer Version von Cole Porters „My Heart Belongs To Daddy“ zu überzeugen, die ihr wieder von Mudrich auf den Leib geschneidert worden war, der sich bei seinem Arrangement von der Fassung inspirieren ließ, die Marilyn Monroe 1960 in dem Film „Let´s Make Love“ gesungen hat. Als Solist brillierte hier Bernd Gaudera auf der Klarinette. Zu „Beyond The Limit“ trat die „Blue Note Big Band“ ausnahmsweise einmal ganz ohne ihre Rhythmusgruppe auf, was Tenorsaxophonist Fred Setzkorn erlaubte, sich gekonnt als Führungsspieler in Szene zu setzen. Über was für eine enorme musikalische Bandbreite, die von Swing bis Fusion reicht, das Neustadter Orchester verfügt, zeigte sich danach eindrucksvoll bei „Conjubial Joy“, einem Titel von Ilja Reijngoud, den dessen Freund Bart van Lier mit der „BNBB“ einstudiert hatte und der deutliche Tendenzen in Richtung Rock aufweist. Posaunist van Lier, Gitarrist Martin Czemmel und Schlagzeuger Mischa Becker veredelten das Stück mit solistischen Einlagen. Die nach offiziellem Schluss des Konzerts vom begeisterten Publikum mit nicht enden wollendem Beifall geforderte Zugabe bestand schließlich aus der Mudrich-Komposition „One More Blues For Tapping Shoes“, zu welcher der Songschreiber selbst am Klavier, Steffen Weick am Bass sowie der immer wieder positiv in Erscheinung tretende Bart van Lier musikalische Solopfade beschritten.

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