Neustadt Von der Bühne Venedigs ins Fernsehen

Zu Gesicht bekommen hat Martina Gräber aus Enkenbach-Alsenborn im Kreis Kaiserslautern noch nie eine Elwedritsche. Ihr geht es nicht anders als denen, die sich schon nachts mit Laterne und Sack durch den Wald gemacht haben, um solch ein Wesen zu fangen. Doch sie hat Fantasie, ist kreativ und schneidert gerne. Das Ergebnis: sieben Elwedritsche-Kostüme. Zwei davon sind bereits fertig, fünf noch in Arbeit.
In Rot, Orange und Gelb leuchtet die Verkleidung, in der Lisa Olle, die Tochter von Gräbers Freundin Karin, steckt. Sie trägt eine Federboa um den Hals und einen Federhut auf dem Kopf, ein Netz mit Pailletten um die Taille, und der Schwanz besteht aus einer Stoffhülle, die mit Füllmaterial ausgestopft ist. Dann noch Entenfüße um die Knöchel kletten und Handtasche und Netzhandschuhe greifen, beides aus den 1950er Jahren – und fertig ist die Elwedritsche für den Fastnachtstanz. Ganz anders kommt die Waldelwedritsche daher. In Kupfer- und Brauntönen gehalten und mit Kragen, Schwanz und Flügeln aus echten Hühnerfedern ist ihr bevorzugter Aufenthaltsort unverkennbar. „Wir wollen die Elwedritsche berühmt machen. Ein verwegener Gedanke“, meint Gräber – und muss selbst über ihre Aussage lachen. Schon in ihrer frühen Kindheit hat sie ihrer Mutter beim Schneidern auf die Finger geschaut und auch das eine oder andere Stück aus Stoffresten gefertigt. Waren es damals Puppen, sind es heute Menschen, die sie in andere Rollen schlüpfen lässt. Als Hobby und Nebenbeschäftigung setzt sie unterschiedliche Themen um. Ihr Fundus reicht von Südsee, Cowboy und Indianer oder Astronaut bis hin zu Mittelalter und Rokoko. Im vergangenen Jahr ist sie mit ihren Freundinnen Karin Olle, Gabi Sprengart-Olle und Behi Rother zum Karneval nach Venedig gereist. Mit seinen aufwendigen Schmetterlingskostümen hat das Quartett beim offiziellen Kostümwettbewerb ganz knapp das Finale verfehlt. Stolz zeigt Gräber den venezianischen Löwen aus Murano-Glas in limitierter Auflage, den sie mit nach Hause gebracht und gerahmt hat. „Das war ein Traum“, beschreiben die Damen ihre Eindrücke. Aber nicht nur in Italien haben sie für Furore gesorgt: In ihrer Heimat ist der Südwestrundfunk auf sie aufmerksam geworden. Für Dienstagnachmittag war die Damengruppe nach Baden-Baden zur Fernsehsendung „Kaffee oder Tee“ eingeladen, die live übertragen wurde. Dafür hatte sich jede einen freien Tag genommen. Morgens waren sie noch unschlüssig, ob sie als Schmetterlinge oder Elwedritschen durchs Studio schweben wollten; schließlich präsentierten sie beide Varianten. Dass es in diesem Jahr die Pfälzer Fabelwesen sein sollen, geht auf die RHEINPFALZ-Redakteurin Gundula Zilm zurück. 2014 hatte sie in einem Gespräch mit der Hobby-Kostümdesignerin aus Spaß vorgeschlagen, sich doch einmal an solch einem Wesen zu versuchen. Angetan von dem Gedanken, folgten Recherche, Skizzen und Entwürfe. Wichtig waren die Hühnerfedern, die die 53-Jährige von einer Freundin bekam. „Sie mussten gewaschen, getrocknet, desinfiziert und mit einem Band zusammengenäht werden. Das hat die meiste Arbeit gemacht“, berichtet sie. Beim Schneidern fallen Gräber dann noch mehr Ideen ein, beispielsweise was sich aus Stoffresten noch so machen lässt. „Jetzt bin ich an einer Raben-Elwedritsche für Halloween“, verrät sie und fügt lachend an: „Vorher war eine Elwedritsche nur ein Begriff. Jetzt kriegen wir ihn zu Gesicht.“