Grünstadt
Vokales Gold mit hohem Unterhaltungswert : begeisternder Auftritt des Männer-Ensembles „Die Singphoniker“ im Weinstraßencenter
Wer sich an der herrlichen Performance der „Singphoniker“ – wenn man so will, die Ur-Ur-Enkel der legendären „Comedian Harmonists“ – an diesem Abend begeistern durfte, konnte wohl etwas ahnen vom Ausmaß der Jubelstürme, in die jene erste berühmte Boy-Group die Menschen in den 1920er Jahren versetzt hat.
So fanden die Urväter des pur-männlichen Ensemblegesangs auch gleich dreimal Würdigung im Programm für Grünstadt, mit „Night an Day“ zum Beispiel und dem schlüpfrigen „In der Bar zum Krokodil“. Und insgesamt verwöhnte die herrliche Revue mit einem sprühend abwechslungsreichen Mix aus vokalen Kabinettstückchen zwischen Renaissance und Pop, Elegischem fürs Gemüt und schwarzem Humor fürs Zwerchfell.
So tummelten sich Thomas Weelkes’ Madrigal „Hark, all ye lovely saints above“, Silchers „Loreley“ und Orlando di Lassos freches „Nasen-Madrigal“ zwischen Paul Simons „Cecilia“ und Bart Howards „Fly me to the moon“. Gioachino Rossini versprudelte seine aufpeitschende Motorik in orchestralen Vokalisen mit der Ouvertüre zum „Barbier von Sevilla“ und der Schmonzette „Toast pour le nouvel an“, die „Jackson Five“ waren dabei mit „I’ll be there“, und nicht zuletzt ergoss sich auch noch Georg Kreislers rabenschwarzer Humor wie ein schneidender Champagnerregen über die Häupter der zwerchfellerschütterten Lauscher im Auditorium. Und neben den drei Arrangements im Programm standen die „Comedian Harmonists“ auch später noch für die hinreißend komische Zugabe, „Maskenball im Hühnerstall“ Pate.
Ein bisschen Nostalgie, ein wenig Liebesgeplänkel, zuweilen derb-frivol, dazu Mondschein-Stimmung und zwei, drei Schmankerl aus der bajuwarischen Heimat des Ensembles im nämlichen Dialekt – subsumieren ließe sich diese atemberaubende Parade wohl am treffendesten unter dem Begriff Universalität.
Sie können halt einfach alles
Sie können halt einfach alles, die fünf Stimm- nebst einem Tastenkünstler: Johannes Euler, der Counter, die Tenöre Daniel Schreiber und Henning Jensen, Bariton Marlo Honselmann, Bass Florian Drexel und der fabelhafte Mann am Klavier, Berno Scharpf, der dem Ensemble am längsten angehört. Das solistische Profil der Sänger ist ausnahmslos herausragend, ihre klangliche Vermischung im Verbund – banal formuliert, ihr „gemeinsamer Atem“ – wiederum perfekt kongruent. Sie agieren in der Tat wie eine instrumentale Formation, lupenrein und stets in Balance mit der Gesamtheit, was sich vielleicht am drastischsten in der tempogeladenen, hochvirtuosen Adaption der Rossini-Ouvertüre vermittelte.
Und überhaupt: das Virtuose! Welch eine Disziplin muss da obwalten, dass die teils schrägen und quer verzahnten Harmonien, in jedem Fall aber anspruchsvollen Arrangements, das hemmungslos ausufernde figurale Geflecht, dazu die verschnörkelten Textkonvolute, etwa nach Kreisler’scher Manier, mit einer solchen Nonchalance ins Publikum perlten.
Auch die Performance auf der Bühne stimmt
Und die Performance steuerte ein Übriges bei. Ein wenig Slapstick, Gestik und Mimik sanft komödiantisch, der eine oder andere Gag – das folgte einer ausgeklügelten, an keiner Stelle überfrachteten, sondern durchweg geistreichen Regie. Dazu passten die launigen Moderationen (Schreiber, Honselmann) und das entwaffnende Gefühl, selbst am meisten Spaß zu haben an dem, was da gerade auf der Bühne an Humorsalven explodierte.
Etwas seitlich, ganz in der zweiten Reihe, agierte der großartige Tastenakrobat Berno Scharpf als instrumentaler Partner hoher Güte. Er sekundierte mit seinem charmanten, fein ausgeleuchteten Fingerspiel auf ebenso präzise wie inspirierende Weise die vokalen Höhenflüge; ein Glück, mit einem solchen Partner auf Augenhöhe gesegnet zu sein.
Es war ein Abend auf höchstem künstlerischem Niveau bei gleichzeitig hohem Unterhaltungswert – in dieser Kombination unschlagbar erfolgreich. Für Riesenbeifall packten die „Singphoniker“ neben dem Hühnerstall-Rausschmeißer noch einen echten bajuwarischen Brettl-Song aus, auch darstellerisch hinreißend serviert. Der Saal tobte.