Deidesheim
Virtueller Musikherbst mit ganz realem Abschlusskonzert
Mit dem Deidesheimer Musikherbst setzte Völker einen Meilenstein in der Kulturszene der Region. Seit 1997 treffen sich alljährlich international renommierte Musiker und auch hoffnungsvolle Talente zur Konzertreihe in der Pfarrkirche St. Ulrich. Diesmal war es anders. Die Corona-Pandemie zwang auch Völker, Initiatorin und künstlerische Leiterin, zu einem Umdenken.
Auf den Wettbewerb ganz zu verzichten war nicht in ihrem Sinne. Sie hatte gemeinsam mit dem Verein „Deidesheimer Musikherbst“ einen virtuell ausgetragenen Orgelwettbewerb für Jugendliche und Studenten auf internationaler Ebene ausgeschrieben. 17 Teilnehmer aus sechs Ländern reichten ihre Videoaufnahmen zur Bewertung ein, daraus wählte eine fünfköpfige internationale Jury acht Finalisten und schließlich vier Preisträger aus, die sich am Sonntag mit einem Live-Konzert in der Kirche in Deidesheim dem Publikum präsentierten.
1000 Euro für den ersten Preisträger
„Ich fand die Idee großartig, statt es einfach ausfallen zu lassen“, sagte Lukas Euler. Der 24 Jahre alte Student aus Haßloch, der gerade seinen Bachelor an der Hochschule in Leipzig absolviert hatte und derzeit sein Masterstudium an gleicher Stätte fortsetzen wird, sicherte sich in diesem Jahr den Sieg. In der sächsischen Landeshauptstadt studiert er Kirchenmusik. Euler gilt als eines der größten Nachwuchstalente unter den Organisten. Beim Preisträger-Konzert brillierte er mit den Werken „Präludium G-Dur“ von Nikolaus Bruhns sowie mit der „Fuge a-moll, BWV 543“ von Johann Sebastian Bach. Der Lohn: 1000 Euro. „Ich bin ohne Erwartungen in den Wettbewerb gegangen und war umso überraschter, dass die Jury mich als ersten Preisträger auserkoren hatte“, meinte Euler.
Mit Adrian Brech aus Dudenhofen, den er von den zahlreichen Wettbewerben „Jugend musiziert“ kannte, traf er auf einen Wegbegleiter, der den zweiten Platz belegte. Der erst 20 Jahre alte Brech studiert nach seiner kirchenmusikalischen Ausbildung am Bischöflichen Kirchenmusikalischen Institut des Bistums Speyer an der Hochschule für Musik in Saarbrücken und brillierte beim Konzert mit einem Werk von Felix Mendelssohn, der 4. Orgelsonate B-Dur, op. 65/4.
Publikumspreis geht nach Russland
Beeindruckt zeigten sich die beiden Preisträger auch beim Auftritt des erst 15 Jahre alten Jan Liebermann aus Kelkheim, der mit dem Nachwuchspreis ausgezeichnet wurde. Der Publikumspreis ging diesmal an die Russin Liliia Pechenkina, einer Orgelstudentin aus St. Petersburg, die derzeit im Auslandssemester an der Freiburger Musikhochschule studiert. Beide Nachwuchstalente bewiesen ebenso ihre Klasse mit Werken von Johann Sebastian Bach. Liebermann, das Wunderkind an der Orgel, der an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Frankfurt studiert, bewies sein außergewöhnliche Begabung mit „Präludium und Fuge D-Dur, BWV 541“ sowie mit der Triosonate Nr. c-moll, 2. und 3. Satz, während Pechenkina ebenfalls mit „Präludium und Fuge G-Dur, BWV 550“ sowie mit dem Stück „Allein Gott in der Höhe sei Ehr“ unterstrich, dass sie zu den talentiertesten Organistinnen gehört. Die 24-Jährige ist Preisträgerin zahlreicher internationaler Orgelwettbewerbe. „Mit dem Publikumspreis ausgezeichnet zu werden, ist nicht nur eine besondere Auszeichnung, sondern auch eine Motivation für die Zukunft“, sagte Pechenkina.
Da hatte die künstlerische Leiterin ein besonderes Lob für alle vier Preisträger parat: „Auffällig war die erstaunlich hohe technische Souveränität der Preisträger“, sagte Völker. Sie zeigte sich äußerst zufrieden über das große Echo in der Orgelwelt und bei den Teilnehmern selbst zu diesem neuen Format, das nicht als Ersatz zu real ausgetragenen Wettbewerben aber doch parallel dazu fungieren kann und zusätzliche Facetten der künstlerischen Arbeit in den Fokus rückt: die eigene Wahl des Instrumentes, aufnahmetechnische Aspekte und Präsentation oder die Schulung der eigenen, selbstkritischen Beurteilungsfähigkeit. Deshalb sei eine regelmäßige Fortsetzung des virtuellen Wettbewerbs auch nach Corona-Zeiten in Planung.