Neustadt Vinothek in der „Kanne“ geplant
Das vermutlich älteste Gasthaus der Pfalz, die „Kanne“ gegenüber dem Rathaus von Deidesheim, wird Mitte des kommenden Jahres ihre bisherige Nutzung als reiner Gastronomie-Betrieb verlieren. Der Grund: Das Weingut Bürklin-Wolf mit Sitz in Wachenheim will das Gebäude künftig als weitere Vinothek nutzen und dementsprechend das gastronomische Konzept verändern. Florian und Karin Winter, die elf Jahre in der „Kanne“ das Sagen hatten, müssen das Haus verlassen.
Steffen Brahner, der Geschäftsführer des Weingutes Bürklin-Wolf, der die Interessen der beiden Gesellschafter Bettina Bürklin von Guradze und Carl-Horst Brune vertritt, bestätigte gegenüber der RHEINPFALZ die fristgerechte Kündigung zum 30. Januar 2016. Lediglich für eine Übergangszeit bis zum 30. Juni 2016 wurde das Pachtverhältnis nochmals um fünf Monate verlängert. Danach steht die konzeptionelle Veränderung bevor. „Wir werden die Kanne in Zukunft verstärkt für den direkten Vertrieb unserer Weine in Deidesheim nutzen und planen dort – neben unserer Vinothek in Wachenheim – eine weitere Vinothek einzurichten. Die Kanne als Gasthaus bleibt erhalten, aber das gastronomische Konzept wird in Verbindung mit der Vinothek neu ausgerichtet“, betont Brahner auf RHEINPFALZ-Anfrage. Zugleich soll die Kanne weiterhin im Familienbesitz bleiben. Im Jahre 1951 hatten die Vorfahren der jetzigen Gesellschafter das Gasthaus übernommen und vor einem drohenden Abriss bewahrt. Nach den Plänen des Münchener Architekten von Breunig wurde „die Kanne“ umgebaut und die architektonischen Schönheiten kamen zum Vorschein. So gilt die „Kanne“ als eines der historisch bedeutsamen Gasthäuser des Landes und ist in vielen Veröffentlichungen im In- und Ausland lobend erwähnt. Die Enttäuschung über die am 24. Juli 2015 erhaltene Kündigung ist dem Gastronomen-Ehepaar Florian und Karin Winter deutlich anzumerken. Auch deswegen, weil sie sich selbst nach fünf Jahren als Betriebsleiter des Hauses und danach weitere fünf Jahre als Pächter der Gesellschaft, schon Mitte 2013 und damit vor dem Vertragsablauf im Jahr 2014 um eine langfristige Bleibe in der „Kanne“ bemüht hatten. „Unser Plan wäre es gewesen, in den nächsten 20 bis 25 Jahren hier weiter den Betrieb zu führen“, sagt Florian Winter. „Wir sind sehr gerne hier, wir sind längstens angekommen, wir haben hier unser Stammpublikum und hätten sehr gerne weiter gemacht“, ergänzt Karin Winter. Dabei hatten die „Kannen“-Gesellschafter sogar im Jahr 2009 Winter den Kauf der Immobilie angeboten. Dabei stand das Ehepaar Winter den Veränderungen stets offen gegenüber. Der 42 Jahre alte Küchenchef hat in dem Haus seine Handschrift hinterlassen und hatte auf Wunsch der Gesellschafter auch ein Konzept hinsichtlich einer zusätzlich verstärkten Ausrichtung zum Absatz von „Bürklin“-Weinen erarbeitet. Ein Weg, worauf sich zunächst beide Parteien verständigt hatten, so Winter, der aber zum Bedauern des Ehepaars Winter nicht weiterverfolgt worden sei. Insofern ist bei ihm auch die Enttäuschung nach über zehn Jahren im Herzen von Deidesheim zu spüren. Wie geht es jetzt weiter? Während der Start der Vinothek in der zweiten Jahreshälfte 2016 erfolgen soll, bemühen sich Florian und Karin Winter um einen neuen Standort. „Wir wollen unserem gastronomischen Konzept treu bleiben und auch hier in der Region in der gleichen Größenordnung wie die Kanne etwas finden. Gerne auch mit einem kleinen Hotelbetrieb“, erklären Karin und Florian Winter. Erste Anfragen haben sie schon erhalten, aber derzeit sei noch alles offen. Dabei drängen sie jetzt schon darauf, ihre berufliche Zukunft klären zu wollen. Auch deswegen, weil die Familie auch die über der Gaststätte befindliche Wohnung räumen muss. (wij)