Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Vier Spieltage vor Schluss: TSG Haßloch zieht die Reißleine

Mit Michael Übel hat die TSG Haßloch den bereits dritten Trainer dieser Saison. Er soll den Abstieg doch noch verhindern.
Mit Michael Übel hat die TSG Haßloch den bereits dritten Trainer dieser Saison. Er soll den Abstieg doch noch verhindern.

Paukenschlag beim Drittligisten TSG Haßloch. Nach der Niederlage gegen den Tabellenvorletzten TV Aldekerk 07 hat der Verein reagiert und Trainer Marcus Muth von seinen Aufgaben entbunden. Haßlochs Sportlicher Leiter Kevin Seelos stellt auch bereits den Nachfolger vor.

Lange nach dem Abpfiff, als sich die Halle schon fast vollständig geleert hatte, saß Marcus Muth alleine am Zeitnehmertisch. Der Cheftrainer war frustriert, die erneute Niederlage, besonders die Art und Weise, wie „seine“ Jungs in der Schlussphase agierten, als die Möglichkeit zum Ausgleich und damit zur Wende da war, hatte ihn sichtlich mitgenommen. Aber Muth ließ den Kopf nicht hängen, blickte direkt nach vorne, begann noch an diesem denkwürdigen Abend mit der Vorbereitung auf die Partie am kommenden Samstagabend beim TV Homburg und stimmte auch die Trainingsplanung mit seinem Co-Trainer Gerald Schalter für die laufende Woche ab.

Die Gedanken und Pläne sind jetzt hinfällig. Kevin Seelos, der Sportliche Leiter, hat am Montagnachmittag Muth mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben freigestellt. Es ist der zweite Trainerwechsel der Haßlocher in der laufenden Saison. Der 53 Jahre alte Angestellte der BASF SE muss somit jetzt früher als geplant gehen. Muth hatte bereits seine Zusage bis zum Saisonende 2023/2024 gegeben. „Es ist keine Entscheidung gegen Marcus Muth, es ist aber die letzte Patrone, die ich noch hatte, um nochmals einen Impuls für die verbleibenden vier Spiele zu setzen“, begründete Seelos seine Entscheidung. Er dankte ausdrücklich Muth für seinen unermüdlichen Einsatz für die TSG Haßloch: „Marcus ist zu einer Phase zu uns gekommen, als kaum jemand bereit gewesen wäre, die Mannschaft zu trainieren. Und er hat auch bis zuletzt alles gegeben“.

Schwere Entscheidung

Dass ihm dieser Entschluss äußerst schwerfiel, das ist ihm abzunehmen. „Jetzt gibt es auch für die Mannschaft keine Ausreden mehr“, sagte Seelos, der das Team noch stärker in die Pflicht nimmt. „Die Entscheidung tut weh, auch wenn ich bald in Handballrente gegangen wäre“, erklärte Muth. „Ich hätte gerne weiterhin alles für die Mannschaft und den Verein getan, um die Klasse noch zu halten. Jetzt müssen es andere tun.“ Und Muth glaubt auch weiterhin trotz der aktuell prekären Situation noch an den Ligaverbleib. „Ich hätte es gerne durchgezogen, auch wenn die letzten sieben Monate nicht immer einfach waren“, sagte Muth. Er ist einer, der für den Handball lebt, der sich für den Handball zerreißt, der auch leidet, wie kaum ein anderer und der stets voranging. Muth gab alles und hätte es auch weiterhin getan, mit „viel Herzblut“.

Seine Mission nahm jetzt abrupt ein Ende. „Ich drücke der Mannschaft die Daumen, dass sie in Homburg den Sieg holt und auch die weiteren Chancen zum Klassenerhalt nutzt“, so Muth, der sich am Montagabend nicht von seinen Jungs verabschiedet hat. „Das macht aktuell keinen Sinn, die Jungs sollen sich auf ihre Hauptaufgabe konzentrieren“.

Neuer Mann schon da

Nun hat Michael Übel das Sagen. „Es ist schade, und es tut mir leid für Marcus. Ich hätte mir gewünscht, dass er das erfolgreich zu Ende bringt“, sagte Übel. Der 34 Jahre alte Südpfälzer aus Offenbach, der eigentlich erst zum 1. Juli seine neue Aufgabe bei den Bären beginnen sollte, leitete bereits am Dienstagabend das erste Training. „Es ist keine einfache Aufgabe, denn in solch einer kurzen Zeit geht es darum, an den Basics zu arbeiten. Alles andere macht aus Zeitgründen keinen Sinn“, so Übel, der bisher alle Partien der Bären gesehen hat. „Auffällig ist, dass die Mannschaft in der zweiten Hälfte abfällt. Da sollten wir taktisch an den Dingen, die vorgegeben sind, festhalten, anstatt Hauruck-Handball zu spielen.“

Vor dem Dienstagtraining hatte Seelos seine Entscheidung in einer kurzen Aussprache der Mannschaft begründet. Muth war nicht mehr in der Halle, er hatte sogar direkt nach seiner Freistellung, seinen Account in der Whatsapp-Gruppe mit der Mannschaft gelöscht, weshalb sich die Personalentscheidung innerhalb der Mannschaft wie ein Lauffeuer verbreitet hatte. Dies bestätigte auch Kapitän Marco Bitz. „Menschlich ist das brutal beschissen für Mamu, aber die Entscheidung von Kevin ist auch ein Signal des Vereins, dass sie noch einen letzten Rest Hoffnung zum Klassenerhalt sehen. Es ist definitiv die letzte Patrone, die der Verein nutzt, um noch etwas zu erreichen.“ Bitz, der Routinier, macht kein Geheimnis daraus, dass er sowohl den Weg, an dem aktuellen Trainer festzuhalten, als auch mit einem neuen Mann an der Seitenlinie weiterzumachen, verstehen könne. Welche der richtige sei, darauf habe niemand eine Antwort. Die spannende Frage sei aktuell, ob die Mannschaft die Niederlage gegen Aldekerk aus den Köpfen bekäme, um in Homburg doppelt zu punkten, sagte Bitz. Nachdem Michael Übel derzeit ohne Traineramt und auch bereit ist, in der aktuellen Situation einzusteigen, sei dies aus seiner Sicht, der letzte Akt, um vielleicht noch das rettende Ufer zu erreichen.

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