Maikammer RHEINPFALZ Plus Artikel Vielfalt statt Einfalt: Sternwanderung mit mehr als 250 Teilnehmern

Abschlusskundgebung am „Wächter“.
Abschlusskundgebung am »Wächter«.

„Vielfalt statt Einfalt“ war das Motto einer Sternwanderung mit Abschlusskundgebung in Maikammer, zu der das Bündnis „Bunte VG Maikammer“ aufgerufen hatte.

Die Skulptur „Der Wächter“ mit Blick zum Hambacher Schloss, Symbol der Freiheit und Wiege der deutschen Demokratie, war am Freitag der Treffpunkt einer Kundgebung, mit der eine Sternwanderung aus Maikammer, St. Martin, Kirrweiler und Hambach endete. Anlass: der internationale Tag gegen Rassismus. Die Gruppe aus Kirrweiler, die als letzte eintraf, stimmte auf den letzten Metern „Die Gedanken sind frei“ an und erhielt dafür viel Beifall.

„Wir kommen hier nicht nur als Individuen zusammen, sondern als bunt gemischte Gemeinschaft, die eintritt für Vielfalt und Toleranz“, verdeutlichte Mitorganisatorin Simone Fischer-Gora zur Begrüßung. Vertreter der verschiedensten politischen Gruppierungen und der Kirchen unterstützten die Veranstaltung, die das Bündnis „Bunte VG Maikammer“ organisiert hatte. „Es ist unsere Pflicht, für die Werte unserer Verfassung einzutreten“, betonte Fischer-Gora. „Niemand darf wegen seiner Hautfarbe, seiner Sprache oder seiner Herkunft diskriminiert werden.“

Urgroßmutter ermordet

Was es bedeutet, wenn diese Werte nicht geschützt werden, verdeutlichten mehrere Redner anhand ihrer persönlichen Geschichte. Regine Bartenbach-Faul, Mitglied im Presbyterium der protestantischen Kirche Maikammer, kommt aus einer Familie, die die nationalsozialistische Terrorherrschaft in den eigenen Reihen erlebt hat. Der Vater: nach einer Verhaftung durch die Gestapo an die Ostfront versetzt und nach dem Krieg psychisch schwerst gestört. Ein guter Arzt, aber ein katastrophaler Vater, erzählt Bartenbach-Faul. Nach dem Schicksal ihrer Urgroßmutter, über das in der Familie der Mantel des Schweigens gelegt wurde, traute sie sich nicht zu fragen. Erst sehr spät erfuhr sie, was der Frau widerfahren ist: Justine Krämer wurde als psychisch Kranke in die NS-Tötungsanstalt Grafeneck deportiert und ermordet. „Wehret den Anfängen“, rief Bartenbach-Faul den Zuhörern zu. Nur die Demokratie gewährleiste eine „einigermaßen gerechte“ Gesellschaft.

Hamza Krikiba aus Marokko, der nächste Redner, kam 2015 nach Deutschland, in einer Zeit, in der die Bewegung Pegida gegen die angebliche Überfremdung Deutschlands mobil machte. Eigentlich wollte der junge Mann Übersetzer werden, doch angesichts des Hasses, den er auf der Straße erlebte, beschloss er, Sozialwissenschaft zu studieren. „Ich konnte den Hass nicht verstehen.“ Doch man dürfe die Menschen, die solche Ideen propagieren, auch nicht gleich aufgeben. Demokratie bedeute keineswegs, dass alle einer Meinung sein müssten, sagte er. „Wichtig ist der Dialog, der gegenseitige Respekt.“ Toleranz ende jedoch dort, wo sie auf Intoleranz stoße. „Die meisten Migranten hier arbeiten, sind fleißig und eine kulturelle Bereicherung“, verdeutlichte er und schloss mit den Worten: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Schweren Herzens weggegangen

Obada Barmou ist ebenfalls seit 2015 in Deutschland, er floh aus Syrien. „Dort gab es ein Einparteiensystem, eine Diktatur. Wenn wir zu Hause etwas sagten, hieß es immer: Pass auf, die Wände haben Ohren.“ Er habe sein Land schweren Herzens verlassen, in Deutschland aber eine tolle Willkommenskultur erlebt. In den folgenden Jahren habe sich das jedoch rasend schnell verändert.

Björn Eisenmann vom Verein für Toleranz und Menschlichkeit Südpfalz erinnerte an den Anlass der Veranstaltung: das Massaker von Sharpeville in Südafrika im Jahr 1960, bei dem die Polizei des Apartheid-Regimes auf friedliche Demonstranten feuerte. 1966 wurde der 21. März von den Vereinten Nationen zum „Internationalen Tag gegen Rassismus“ erklärt. Eisenmann erinnerte daran, dass auch in Deutschland Rassismus und Hass immer wieder an der Tagesordnung sind.

Mit der Resonanz auf die Veranstaltung waren die Organisatoren sehr zufrieden. Zwischen 250 und 300 Teilnehmer wurden bei der Kundgebung gezählt.

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