Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Viel Energie für Klimaschutz

Photovoltaik-Anlagen sind eine sinnvolle Nutzung der Oberfläche von abgeschlossenen Mülldeponien – im Kreis Bad Dürkheim beispie
Photovoltaik-Anlagen sind eine sinnvolle Nutzung der Oberfläche von abgeschlossenen Mülldeponien – im Kreis Bad Dürkheim beispielsweise in Ellerstadt. Foto: Franck

Was tut sich im Kreis Bad Dürkheim in Sachen Klimaschutz? Darüber haben Isa Scholtissek und Nick Stowasser von der Energieagentur Rheinland-Pfalz – Region Mittelhaardt & Südpfalz den Kreistag informiert.

Der Kreis war beim Stadtradeln erfolgreich. Hervorgegangen war die Beteiligung an der Aktion aus dem Arbeitskreis Klimaschutz des Landkreises. Am Ende sind im Kreis von 14. August bis 3. September mehr als 390.000 Kilometer mit dem Rad statt mit dem Auto zurückgelegt worden. Das Stadtradeln war zugleich an die Aktionswochen „Bad Dürkheim: Ein Kreis voller Energie“ gekoppelt, um noch mehr Aufmerksamkeit auf den Klimaschutz zu richten.

Der Kreis, die Stadt Bad Dürkheim, die Gemeinde Haßloch, die Verbandsgemeinden Freinsheim, Wachenheim, Deidesheim, Lambrecht und Leiningerland haben aber für sich auch weitere Aktivitäten beschlossen. Verbandsgemeinden und Gemeinden wurden Energieeffizienz-Kommunen, einige haben sich ein Klimaschutzmanagement oder -konzept gegeben, beschäftigen sich mit (Elektro-)Mobilität und Abfallentsorgung.

Es gab in Sachen Energiesparen Schulungen für Hausmeister der Verbandsgemeinden und Schulen im Bereich des Regionalbüros. Außerdem wurden Sanierungsfahrpläne für öffentliche Gebäude in der Region erstellt. Durch eine Vorlage für Muster-Sanierungsausschreibungen sollen Kommunen unterstützt und Anhaltspunkte für vergleichbare Gebäude geliefert werden.

Der Landkreis hat laut Kreisplaner Raimund Rinder an weiteren Stellen investiert: Zum Fuhrpark der Kreisverwaltung gehören inzwischen drei Elektro- und drei Hybridfahrzeuge. Die Neue Energie Landkreis Bad Dürkheim GmbH arbeitet seit ihrer Gründung am Ausbau der erneuerbaren Energien, unter anderem betreibt sie die Photovoltaikanlagen auf der Deponie Ellerstadt, in deren nördlichem Teil eine weitere Anlage errichtet werden soll. „Kleinere Anlagen sind noch auf Dächern geplant“, so Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU).

Rinder berichtete von der Nutzung des Deponiegases auf der Friedelsheimer Deponie. Eine sogenannte Schwachgasverstromung soll helfen, Energie zu sparen. Zudem wurde die Energieversorgung im Kreiskrankenhaus in Grünstadt erneuert, jährlich werden inzwischen dank des 2016 eingebauten Blockheizkraftwerks 30.000 Euro eingespart.

Ein wichtiger Baustein der Arbeit der Energieagentur sei, für eine Vergleichbarkeit erfasster Daten rund um Klimaschutz und Energiewende zu sorgen. Aus der Arbeit des Beirats des Regionalbüros Mittelhaardt & Südliche Weinstraße, dessen Vorsitz Ihlenfeld inne hat, ist ein landesweites Projekt entstanden. Hinter dem sperrigen Namen „Kommunale Bilanzierung und Regionale Klimaschutzportale“, kaum weniger sperrig mit „KomBiReK“ abgekürzt, versteckt sich die Zusammenarbeit der Energieagentur Rheinland-Pfalz mit der Universität Koblenz-Landau, um für eben jene Vergleichbarkeit der Daten zu sorgen. Die Region Mittelhaardt & Südpfalz ist das Pilotprojekt, in dem eine einheitliche Methodik zur Bilanzierung getestet werden soll.

Auch in Zukunft hat der Kreis noch einiges vor, wie Rinder erklärt. Die Verwaltung hat sich ein nachhaltiges Beschaffungswesen auferlegt, gleichzeitig sollen Mitarbeiter motiviert und sensibilisiert werden. Tipps zum Klimaschutz sollen beispielsweise als Bildschirmschoner in den Büroalltag einfließen. Ein Klima-Coach oder ein verwaltungsinterner Wettbewerb seien denkbar. Radwege sollen ausgebaut und erneut über Car-Sharing nachgedacht werden. Ein Vorschlag: Den verwaltungseigenen Fuhrpark nach Dienstschluss in einem Car-Sharing-Pool zur Verfügung stellen. Hausbesitzer sollen kostenfrei prüfen lassen können, ob ihre Gebäude für Solar- oder Geothermie nutzbar ist. Außerdem sollen Beispiele geschaffen werden, in denen Denkmalschutz und Energieeffizienz oder erneuerbare Energien sich nicht ausschließen, sondern zusammen funktionieren.

„Vieles sind Dinge, über die wir vor einigen Jahren noch gar nicht nachgedacht haben“, sagt Ihlenfeld und betont: „Es lohnt sich, damit in den nächsten Jahren weiterzumachen.“

Stichwort

  • Die Energieagentur ist eine 100-prozentige Landes-GmbH des Landesministeriums für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten. Die zentralen Dienste sitzen in Kaiserslautern. In ganz Rheinland-Pfalz gibt es acht Regionalbüros. Eines davon – mit Sitz in Bad Dürkheim – ist für die Regon Mittelhaardt & Südpfalz, also die Landkreise Bad Dürkheim, Germersheim und Südliche Weinstraße sowie die kreisfreien Städte Neustadt und Landau zuständig.
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