Neustadt Vertrag für Hertie-Gebäude: Die Rückkehr von H&M

Seit September 2019 „ruht“ die Baustelle am Bachgängel.
Seit September 2019 »ruht« die Baustelle am Bachgängel.

Ende 2018 zog sich der Bekleidungskonzern Hennes & Mauritz aus Neustadt zurück. Verhandlungen über eine Verlängerung des Mietvertrages in der Hauptstraße waren gescheitert. Die Schweden kommen 2021 zurück – als Hauptmieter des dann umgebauten Hertie-Gebäudes.

„Ich darf Ihnen mitteilen, dass H&M für Neustadt einen Mietvertrag unterschrieben hat und damit die Umbauarbeiten so schnell wie möglich weitergehen können.“ Christian Zöll, Geschäftsführer der Investorenfirma Devello, überbrachte am Mittwoch am Telefon aus seinem Homeoffice in Norddeutschland die Erfolgsnachricht.

Über die H&M-Verkaufsfläche will er noch keine Angaben machen. Dreiviertel der gesamten Verkaufsfläche, die Devello in der Vergangenheit mit 8000 Quadratmeter angab, seien fix vermietet. Ein Teil der Mieter habe sich aber noch Stillschweigen erbeten. Nennen dürfe er neben H&M nur Abraxas. „Wir sind ständig mit ihnen in Kontakt und wollen sie unbedingt bei uns haben“, so der Devello-Geschäftsführer über den Neustadter Biomarkt aus der Friedrichstraße.

Weigel: Nie gezweifelt

Oberbürgermeister Marc Weigel freute sich über die Nachricht riesig: „Ein wunderbares Zeichen, das hoffentlich auf die ganze Innenstadt ausstrahlt.“ Das sei genau das Symbol, das der Handel in der schweren Corona-Zeit jetzt brauche. Er sei in den vergangenen Wochen und Monaten ständig auf die Hertie-Baustelle angesprochen worden und habe nie an dem Projekt gezweifelt. „Die Signale standen immer auf Zuversicht, auch weil uns der Investor stets eingebunden und informiert hat“, so der Oberbürgermeister.

Richtig froh ist Weigel auch über den prominenten Rückkehrer H&M: „Bei den Kontakten, die ich hatte, war immer klar, dass die Schließung vor eineinhalb Jahren nichts mit den Umsätzen oder dem Standort Neustadt zu tun hatte, sondern allein auf die Immobilie zurückzuführen war.“ Weigel machte aber auch deutlich, dass nicht morgen die Bagger wieder vorfahren. Corona werde die Umbauarbeiten sicherlich noch etwas verzögern, auch weil das französische Generalunternehmen d&b-Bau derzeit nicht auf alle Mitarbeiter zugreifen könne.

Bauleiter noch in Frankreich

Dazu erklärt Christian Zöll, dass man mit d&b im engen Austausch stehe: „Bauleiter Patrick Monasse sitzt noch in Frankreich fest. Aber das wird nicht mehr lange dauern.“ In den vergangenen Wochen sei das H&M-Konzept bereits in die Pläne eingearbeitet worden.

Die Verhandlungen mit den Schweden liefen schon lange. Der für Deutschland zuständige Expansionsmanager soll schon im Vorjahr mündlich zugesagt haben. Danach fielen wegen Corona wichtige Sitzungen in Stockholm aus. Deshalb musste der Unterschriftstermin mehrmals verschoben werden.

Kontakte durch Ex-Karstadt-Manager

Die Kontakte zwischen Devello und H&M hat die Firma des ehemaligen Karstadt-Managers Klaus Appelhoff aus Essen hergestellt. Appelhoff kennt das Neustadter Hertie-Gebäude sehr gut. Bei der Eröffnung 1973, noch unter dem Dach von Karstadt, war er Abteilungsleiter.

Christian Zöll hofft, dass in drei Wochen die Planungen abgeschlossen sind und dann Schritt für Schritt die Baustelle in Betrieb genommen wird. Einen Eröffnungstermin gebe es noch nicht – „ich schätze mal zwischen Mai und September 2021“.

Hertie hatte sich 2009 aus Neustadt verabschiedet. 2017 kaufte Devello das Gebäude und kündigte an, es für rund zwölf Millionen Euro umzubauen. Ursprünglich sollte bereits im März 2020 eröffnet werden. Aber dann sprang der vorgesehene Hauptmieter, die Moses-Gruppe aus Bad Neuenahr-Ahrweiler, 2019 wieder ab.

Einwurf: Ritterschlag aus Schweden

Die Hertie-Baustelle gehört wohl bald der Vergangenheit an. Investor Devello hat einen Riesencoup gelandet. H&M, der angeblich wankende Riese, der sich zunehmend aus den Innenstädten zurückziehe, hat unterschrieben und belegt damit das Gegenteil. Erstaunlich ist: Die endgültige Entscheidung in der Stockholmer Zentrale fiel im März zu einem Zeitpunkt, als Corona schon den Handel lahmlegte. Wenn das kein Vertrauensbeweis eines Weltkonzerns für den Standort Neustadt ist. Ein Ritterschlag aus Schweden.

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