Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Verbandsgemeinde Edenkoben zeigt Werke der Karlsruher Malerin Kathrin Leopolder

Kathrin Leopolder hat ihre Ausstellung dem kürzlich verstorbenen Vater gewidmet, der in Edenkoben eine Zeit lang als Gynäkologe
Kathrin Leopolder hat ihre Ausstellung dem kürzlich verstorbenen Vater gewidmet, der in Edenkoben eine Zeit lang als Gynäkologe gearbeitet hat. Foto: Iversen

. Triste Tage und Totengedenken: Gegen den November-frust hat die Verbandsgemeinde Edenkoben ein Rezept voller Farbkraft und besinnlicher Energie anzubieten. Die Arbeiten von Kathrin Leopolder verbinden Licht- und Schattenseiten des Lebens mit tröstlicher Melancholie.

Es gibt viel zu sehen, wenn man dieser Tage die Verbandsgemeinde Edenkoben besucht. Eine Frau mit Katzengesicht, die in wellenförmiger Haltung auf dem Meeresgrund liegt und schläft. Ein Kind, das an der Hand seiner Mutter auf sicheres Terrain geleitet wird. Ein Mädchen, das behutsame eine Art Himmelsleiter erklimmt. Eine Brunnenszene, in der eine antik anmutende Frau mit einem Krug Wasser holt und einem Schäfer mit Herde begegnet. Und mit fast magischer Anziehungskraft direkt im Entrée des oberen Stockwerks: eine große, zweigeteilte, durch eine Brücke verbundene Stadt, in der geisterhafte Wesen aus dem Strudel eines Flusses zum Mond gezogen werden.

Es sind Bilder der 1957 in Ludwigshafen geborenen Kathrin Leopolder, die nach eigenem Bekunden die schönsten Jahre ihrer Kindheit in Edenkoben verbrachte und heute in Karlsruhe lebt. Sie bergen Lebenserfahrungen, Emotionen und Augenblicke, die niemandem fremd sind und deshalb anrühren. Die Ausstellung hat sie ihrem kürzlich verstorbenen Vater gewidmet, der in Edenkoben fünf Jahre als Gynäkologe wirkte.

Auch Leopolders Protagonisten – oft Frauen, selten Männer, manchmal Tiere – scheinen um die schweren Stunden des Lebens zu wissen. Aber sie lassen Trauer, Schmerz und Ängste hinter sich und finden auf ihrer Suche nach Schutz und Zuflucht im Einklang mit Natur und Schöpfung innere Ruhe und Geborgenheit. „Den Figuren geht es ziemlich gut“, zeigt sich Leopolder, die an der Kunstakademie Karlsruhe Malerei und Kunstgeschichte studierte, denn auch zufrieden mit ihren Bildaussagen, die oft von einer sanften Melancholie durchwoben sind. Das ist keineswegs selbstverständlich, denn zu Beginn einer Arbeit hat die Künstlerin selbst keine Ahnung, was die reine Farbe, mit der alles beginnt, hervorbringen wird. Erst nach dem großzügig flächigen Farbauftrag auf den Bilduntergrund sucht sie nach den Figuren und Formen, die sich aus dem Zufall schälen, leistet gewissermaßen Geburtshilfe und steuert eigene Lebenserfahrung bei.

Brennende Häuser stehen für schreckliche Erlebnisse, Hütten und Dächer für Schutz, Brücken für gelungene Übergänge. So erwachsen aus freien Assoziationen sehr konkrete, bis ins Detail ausgetüftelte Aussagen von hoher Emotionalität. Bei so viel Sensibilität versteht es sich fast von selbst, dass Leopolder ihre Farben eigenhändig mischt. Aus Ei, Wasser und Leinöl/Firnis rührt sie „eine Art Mayonnaise“, die man ob ihrer intensiven Strahlkraft mit einem Blick verschlingen oder in genussvoller Neugierde abtasten kann.

Aufgetragen wird diese Eitempera mit dem Pinsel auf Leinwand oder auf Karton; wobei die schnöde Pappe den großen Vorteil hat, dass auf ihr die Farbe schneller trocknet, sodass „der Pinselstrich stehen bleibt“ und das Handwerkliche sichtbar wird. Die sprechende Haltung der Gestalten und das kontrastreiche Umfeld erinnern mitunter sogar an biblische Gleichnisse. Dazu passen die archetypischen Themen, mit denen sich Leopolder schon ihr ganzes Leben lang beschäftigt. Es geht um Liebe und Tod, um den Kreislauf der Jahreszeiten, um Tag und Nacht. Diese Spannungsfelder menschlichen Seins dienen ihr nicht als Kulisse für große Dramen und Geschichten, sondern für „exemplarische Studien über das, was jedem von uns passieren“ kann.

Während sich die Gemälde nur langsam, oft über viele Jahre hinweg, entwickeln, sind die ebenfalls ausgestellten Farbpapier-Collagen von größerer Spontaneität. Hier werden wenige Papierfetzen erst wahllos auf eine farbige Bildfläche geklebt, bevor sie sich mittels Pastellkreide und Kohlstift in konkrete, stets einander zugewandte Figuren verwandeln.

Die Ausstellung

Die Arbeiten von Kathrin Leopolder sind bis 13. Dezember in der Verbandsgemeinde Edenkoben zu sehen: montags bis donnerstags 8.30-12 Uhr, dienstags auch 14-16 Uhr, donnerstags auch 14-18 Uhr, freitags 8.30-12.30 Uhr.

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