Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Unerfreuliche Nachricht: Kapitän des SC Neustadt vor Pokalspiel gegen Spandau

Matthias Held im Februar im Pokalspiel gegen Plauen.
Matthias Held im Februar im Pokalspiel gegen Plauen.

Matthias Held hat nicht damit gerechnet, dass sein Zweitligist SC Neustadt im Pokalwettbewerb bis ins Viertelfinale kommt. Das hat Folgen für die Partie gegen Rekordmeister Spandau Berlin.

Herr Held, was war Ihr erster Gedanke, nach dem Sieg im Achtelfinale gegen den Erstligisten Plauen?
Es war ein gutes Gefühl, vorher schon Würzburg als Erstligisten und jetzt Plauen aus dem Pokal gekegelt zu haben. So weit sind wir nur einmal gekommen, das war 1998. Da war ich aber nur als junger Zuschauer dabei. Ja, und nach dem Achtelfinale habe ich mir überlegt, da sind noch leichte Gegner wie zum Beispiel Esslingen im Topf, vielleicht erreichen wir dann die Pokalendrunde.

Nun gut, aber was war denn dann Ihr zweiter Gedanke?
Ich weiß, worauf Sie hinaus wollen. Also direkt nach dem Spiel hatte ich ja die Termine nicht im Kopf. Ich habe mir dann auf der Heimfahrt überlegt, wann ist denn das Viertelfinale vorgesehen? Ich hatte ja nicht damit gerechnet, dass wir so weit kommen. Zu Hause habe ich geschaut. Ja, und da stand der 9. März. Da bin ich also „raus“. Wir fahren zu diesem Termin mit meinem besten Freund und seiner Familie in den Urlaub. Genauer ans Meer, wo es schon warm ist um diese Zeit. Sonne, Strand, Wasser wollten wir.

Und es gab keine Gedanken an ein Storno oder eine Umbuchung?
Nein, nicht wirklich. Hätte uns das Los Esslingen beschert, wäre es vielleicht anders gewesen. Aber gegen Spandau sind wir klarer Außenseiter. Gegen Esslingen hätte ich dem Team vielleicht helfen können weiterzukommen. Irgendwie fällt es mir leichter, doch wegzufliegen. Natürlich wäre das Spiel gegen Spandau etwas Besonderes, das i-Tüpfelchen. Mal gucken, wie wir gegen so ein starkes Team spielen, die Grenzen ausloten, zu sehen, was geht. Spandau ist das stärkste Team in Deutschland. Früher hätte ich vielleicht versucht, meine Frau zu überzeugen, den Flug umzubuchen. Aber jetzt hat sich bei mir der Fokus doch etwas verändert.

Sie waren in der Jugendnationalmannschaft, Sie haben erlebt, wie Mannschaftskollege Moritz Oeler zu Cannstatt gewechselt ist und später mit Spandau und in der Nationalmannschaft erfolgreich war. Warum sind Sie 25 Jahre im SCN geblieben?
Ich bin hier in der Region verwurzelt, in Ludwigshafen aufgewachsen. Zu den Spielen kommen oft meine Eltern und meine zwei Geschwister. Meine Eltern haben inzwischen zehn Enkel, da waren auch schon fast alle zum Zuschauen im Stadionbad. Der SCN bietet ein familiäres Umfeld. Klar, hatte ich früher Anfragen von anderen Clubs. Aber es macht Spaß, hier zu spielen. Auch wenn ich inzwischen eine längere Anfahrt zum Training habe. Ich habe hier mein Studium gemacht und bin in Eisenberg bei der AOK-Marketing-Leiter.

Und was ist Ihr Tipp, wie geht das Viertelfinale aus?
(lacht) Ich will unser Team jetzt nicht demotivieren. Aber ich hoffe, wir haben Spaß und können ein paar Treffer erzielen. Vielleicht kommt Spandau nicht mit dem stärksten Team, und wir können die Berliner ein bisschen ärgern. Und hoffentlich kassieren wir weniger als 20 Treffer. Unsere Jungs sollen sich nicht abschlachten lassen und trotzdem das Spiel genießen.

Interview: Heike Klein

Zur Person: Matthias Held

Matthias Held, 39, Kapitän des Wasserball-Zweitligisten SC Neustadt, lebt mit Frau und seinen vierjährigen Zwillingsmädels in Asselheim bei Grünstadt. Als 14-Jähriger kam er vom Ludwigshafener Schwimmclub zum SCN und war auch Junioren-Nationalspieler. Mit dem Männerteam spielte Held einige Jahre in der Ersten Liga.

Matthias Held 2002
Matthias Held 2002
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