Neustadt Und zum Schluss wird geheiratet und gefeiert
«Neustadt». Mit einem farbenfrohen und klangvollen Konzert begeisterte der exil-iranische Frauenchor „Banu“ mit seiner Leiterin Maryam Akhondy am Samstag in der sehr gut besuchten Neustadter Stiftskirche. Beim zweiten Termin der Reihe „Stimmen der Welt“ des Kulturvereins Wespennest standen Lieder aus Persien, wie sie Frauen dort nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit singen dürfen, im Mittelpunkt. Das Publikum war begeistert.
Ein klassisches iranisches Lied erfüllt das Kirchenschiff. Profisängerin Maryam Akhondi, die in ihrer iranischen Heimat Gesang studiert hat und seit gut 20 Jahren in Deutschland lebt, zeigt von der Empore aus die Wandelbarkeit ihrer Stimme. Es sind einfühlsame Klänge, dargeboten voller Hingabe, aber auch temperamentvolle Sequenzen, beides ausgeschmückt mit orientalischen Koloraturen und Melismen, welche die Worte ausdrucksvoll umspielen. Mit fröhlichen Rhythmen und jauchzenden Klängen ziehen die sechs Chorsängerinnen in ihren bunt glitzernden Gewändern mit Akhondy nach vorne zum Chorraum, sie begeistern mit ausgelassener Fröhlichkeit. Wie mehrmals im weiteren Konzert wird das Publikum zum Mitklatschen motiviert. „Banu“ singt im ersten Teil traditionelle persische Lieder. „Es haben nur die Frauen unter sich gesungen, da es hieß, Frauenstimmen lenkten die Männer nur ab“, erklärt die Chorleiterin, die zu jedem Titel Erläuterungen beisteuert. Wobei sie ihre Wahlheimat Köln gerne ins Spiel bringt und ihr Ensemble mit einem munteren „Wolle mer?“ antreibt. Es folgt ein Hochzeitslied mit Frage- und Antwortgesang, wobei Akhondy, in der Mitte sitzend, die Soloparts übernimmt und sich mit kompliziert anmutenden synkopischen Rhythmen auf der großen Rahmentrommel, Daf oder Dayereh genannt, begleitet. Viele Lieder erzählen von der Liebe, so auch ein Stück, bei dem das Mädchen einem Jungen verspricht, für ihn das Licht anzulassen und Reis zu kochen. Mit reicher Gestik und ausdrucksvollen Stimmen ermuntern die Sängerinnen den jungen Mann. Die leise ausklingende Weise belegt, dass der potentielle Freund eingeschlafen ist und sein Date vermasselt hat. Mit Dreiklangs-Harmonik steigt das Ensemble beim Lied über ein Mädchen ein, das sich weigert, seiner Mutter auf dem Feld zu helfen, wenn es nicht den Jungen bekommt, den es liebt. Es entspinnt sich ein temperamentvoller Dialog zwischen Mutter und Tochter. Wie bei fast allen Stücken kommt viel Rhythmik ins Spiel, perfekt aufeinander abgestimmt. Dass sich die Tochter durchsetzt, ihren Verlobten bekommt und alle zum Schluss glücklich sind, lässt sich nicht überhören, die Intensität in Tempo und Lautstärke nimmt zu, reißt die Zuhörer mit. „Die Frauen wünschen sich Geschenke, zieren sich aber, sagen Nein, meinen aber Ja“, so Akhondy in ihrer humorigen Moderation. „Darüber unterhalten sie sich dann mit anderen Frauen, beschweren sich über ihre Männer, die Versprechen nicht einhalten.“ Akhondy singt die nicht allzu ernst gemeinte Klage, die anderen stimmen im Refrain mit ein. Dazu zeigt ein Ensemblemitglied einen indisch beeinflussten Tanz. Das Publikum schwärmt in der Pause, tauscht sich über diesen doch ungewohnten Musikstil aus. Vier junge Männer aus Afghanistan sind hingerissen, freuen sich über diesen musikalischen Gruß aus der Heimat. „Das Lied von der Arbeit auf dem Reisfeld habe ich gekannt, das singen zu Hause immer die Mütter ihren Kindern vor. Dabei darf man selbst neue Reime erfinden“, erzählt Nazir. Alireza findet die Texte witzig und erklärt, es gebe zwar verschiedene persische Dialekte, aber wer Dari spreche, könne im Grunde alles verstehen. Weiter geht es mit Gesängen aus Aserbaidschan und Armenien, die neben orientalischen Harmonieskalen auch westliche Mehrstimmigkeit, aufweisen. Am Piano begleitet Esmira Arjengt virtuos, Akhondy dirigiert schwungvoll, hat ihr kleines, feines Ensemble bestens im Griff. „In Aserbaidschan gibt es schon verrückte Leute, die kommen verliebt und mit einer Trommel in der Hand auf die Welt“, sagt sie. Entsprechend eindringlich und temperamentvoll gestalten sich die Lieder um Liebe, Sehnsucht oder Abschied. Wie wunderbar sich orientalische und deutsche Musikkultur miteinander verbinden können, präsentiert „Banu“ bei dem „Lied auf dem Markt“. Die orientalische Weise wechselt im Refrain in einen Dreivierteltakt und imitiert einen bayerischen Schuhplattler. Die völkerverbindenden Interpretation lässt das Publikum begeistert applaudieren und herzhaft lachen. Das letzte Stück erzählt mit viel Schwung von einem liebestollem Mann, der auf seinen geschwungenen Schnauzbart stolz ist. Bei der Zugabe nimmt „Banu“ die Zuhörer mit zu einer Hochzeit im Iran, Braut und Bräutigam werden auf Booten zueinander geführt. Eine Darstellerin tanzt zu Trommelklängen. Hohe Schreie und Jodelklänge betonen ausgelassene Freude. In das „Dididi“ und „Lalala“ steigt das Publikum begeistert ein.