Neustadt TV „ein besonderes Stück Heimat“
«Neustadt.» Der Mußbacher Uwe Nestler ist „ein Mann für alle Fälle“. Was beim TV Mußbach handwerklich zu stemmen ist, kommt in seine starken Turnerhände. Jetzt wurde der 53-Jährige vom Sportbund Pfalz für sein Engagement ausgezeichnet. Der Sportbund ehrte insgesamt 31 „Gebäudemanager“, wie die Tätigkeit des „Hausmeisters“ neudeutsch genannt wird, die sich ehrenamtlich um die Anlagen ihres Sportvereins kümmern.
Nestlers Zeitaufwand ist dabei enorm, zumal er nicht nur als Hausmeister auf dem Gelände für Reparaturen und Grünanlagen zuständig ist, sondern auch beim Anbau eines neuen Sanitärtrakts mit Geräteraum an die Vereinshalle kräftig in die Hände gespuckt und angepackt hat. So ersparte er dem Verein Kosten von rund 35.000 Euro, weil er die Dachkonstruktion des Anbaus mit drei Helfern komplett ohne Fremdfirmen gestemmt hat. Unterstützt wurde er dabei von jungen Turnern sowie dem zuverlässigen „Ü80-Team“, den beiden „Erwins“ Orth und Behrer. „Knifflig war die Anbindung des neuen Anbaus an die Turnhalle aus dem Jahr 1934. Teilweise gab es einen Unterschied an dem alten Dach von rund zwölf Zentimetern“, erzählt Nestler. Gearbeitet wurde bei Hitze und Regen im vergangenen Sommer. Rund zwei Monate hat das Team dafür benötigt und somit den Zeitplan des Architekten perfekt erfüllt. Nestler, gelernter Zimmermann, arbeitet bei der Werksfeuerwehr der BASF. „Es sind jeweils 24-Stunden-Dienste, dann folgt ein komplett freier Tag. Kommt dann noch eine Freischicht dazu, kann man gut für den Verein arbeiten“, erzählt Nestler. Er lebt erst seit 1990 in der Pfalz. Nestler stammt aus Chemnitz und war dort Turner. „Freizeitturner“, betont er. Also kein leistungsmäßiger DDR-Drill, sondern nur zum Spaß. Er habe zwar in Niederkirchen gewohnt, aber einen Turnverein mit Sportlern seines Alters gesucht und sei so zum TV Mußbach gekommen. Hier engagiert er sich auch als Übungsleiter. Seine Lebenspartnerin Sabine Dietrich ist Köchin und engagiert sich ebenfalls ehrenamtlich. Einmal im Monat steht sie im Bistro am Herd und bietet zwei verschiedene Gerichte an. „Durchschnittlich kommen da rund 25 Gäste, jeden ersten Montag im Monat“, erzählt Nestler. Auch jetzt noch werkelt er in der Halle und verkleidet den neuen Anbau mit Holz. Im Vorjahr baute er einen großen Freisitz mit stabiler Holzkonstruktion und Ziegeleindeckung. Nestler lächelt bescheiden, spricht man ihn auf seinen großen Zeitaufwand an, den er dem Verein widmet. Er wohne nur wenige Meter entfernt, sagt er. Doch schließlich verrät er, dass der TV Mußbach auch zu einem besonderen Stück Heimat geworden ist. Als er 1990 nach der Wende in die Pfalz gekommen sei, habe er sich bewusst einen Verein gesucht, um Anschluss zu finden. Heute kenne er viele Leute. Und er vermutet, dass drei Viertel der Mußbacher auch ihn kennen ... Nestler sorgt aber nicht nur als Übungsleiter, Handwerker und Hausmeister für seinen Verein, sondern kümmert sich auch um das soziale Leben. Im Herbst organisiert er ein Weißwurstessen, im Januar gibt es eine Glühweinparty. „Ich mache das einfach gerne. Ich fühle mich hier wohl, dann bringt man sich auch mit Freude ein“, sagt er.