Neustadt Trotz starker Runde in Liga zwei?

NEUSTADT. Wasserball-Bundesligist SC Neustadt hat auch im dritten Jahr die höchste Klasse gehalten. Im Juni stehen nur noch die Platzierungsspiele der B-Gruppe im Kalender. Michael Heinz (51), Manager des SCN, äußert sich im Interview zu den Problemen des Vereins.
Man muss im Beruf, wie auch beim Management eines Wasserball-Bundesligisten immer über den Tellerrand hinaus schauen und langfristige Ziele verfolgen. Wer nur auf hier und heute setzt, wird langfristig nicht erfolgreich sein. Wie vereinbaren Sie Beruf und zeitintensives Hobby? Der Beruf hat Vorfahrt, bei mir und bei allen Jungs, die diesen Sport als Amateure sehr zeitintensiv bestreiten. Doch wenn dein Herz für etwas brennt, dann findest du die Zeit. Sehr oft bekomme ich gesagt, dass man mir gerne helfen würde, aber dafür keine Zeit habe. Ich erinnere dann immer an die Zeit, als man zum ersten Mal verliebt war. Da war man auch in der Lage, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. Jeder kann sich einbringen. Die meisten wollen es nur nicht. Wie groß ist die Erleichterung, dass der SCN gegen Wedding Berlin alles klar gemacht hat? Nach der super Vorrunde ging uns am Ende die Luft aus. Wir wären auch bei einer Niederlage nicht in Abstiegsnöte geraten. Der Gegner von Wedding ist nun Leimen/Mannheim, eine Mannschaft die noch kein Spiel in dieser Saison gewonnen hat. Spätestens hier hätten wir den Klassenerhalt gesichert. Unser Saisonziel war Platz 9 bis 10, im Idealfall die A Gruppe. Wir sind also immer noch im Soll. Wenn du natürlich die Hinrunde so toll spielst, dann werden Begehrlichkeiten geweckt, auf die wir vielleicht am Ende noch nicht vorbereitet waren. Welche Überlegungen gibt es für die Platzierungsspiele? Könnte das Platzierungsturnier nach Neustadt kommen? Das ist unwahrscheinlich, da zuerst Neukölln, Potsdam und Cannstadt das Recht auf Austragung haben. Neustadt käme nur zum Zug, wenn die besser Platzierten auf eine Austragung verzichten würden. Neukölln hat den Luxus eines eigenen Bades. Ich bin mir sicher, dass die lieber das Turnier austragen, als nach Neustadt zu fahren. Trainer Janusz Gogola hat sich drei Jahre um das Team gekümmert und als Interimstrainer (nach der Rückreise Dragan Matutinovics nach Kroatien aus familiären Gründen) die Mannschaft nach einigen Auswärtsniederlagen erneut aufgerichtet. Wäre er nicht der ideale Mann für die nächste Saison? Ja, das wäre er. Er ist ein hervorragender Coach, der sehr gute Arbeit leistet und die Mannschaft immer akribisch auf den Gegner einstellt. Von mir aus könnte er sehr gerne weiter die Mannschaft betreuen. Er hat aber früh signalisiert, dass er sich diese Strapazen über die Saison hinaus nicht geben möchte. Er fuhr fast jeden Tag von Frankfurt nach Neustadt. Wer kommt dann als Trainer? Wir haben noch keinen Coach für die neue Saison. Die Suche gestaltet sich recht schwierig. Wasserball ist eine Randsportart und gute Trainer, die das als Hobby oder nebenberuflich machen, gibt es nicht viele. Meistens kommen die Trainer aus dem eigenen Verein. Doch wir selbst haben niemanden, der sich in den Vordergrund drängt. Ich will den Teufel nicht an die Wand malen, aber wenn wir es nicht schaffen sollten, dann müssten wir einen freiwilligen Abstieg in die Zweite Liga in Kauf nehmen. Wieso? Das Reglement sieht vor, dass ein Trainer mit A-Schein die Mannschaft betreut. Dass lässt sich zwar durch eine Konventionalstrafe umgehen, aber wir brauchen trotzdem einen Trainer, der das Team täglich und bei den vielen Spielen betreut. Das wäre in der zweiten Liga wesentlich weniger Aufwand. Hier hätten wir Personen, die sich zur Verfügung stellen. Aber nicht für die Erste Liga. Man muss schon ein wenig verrückt sein, um sich das so gut wie unentgeltlich anzutun. Vorausgesetzt, es klappt mit einem Trainer, was ändert sich im Kader? Wir rechnen mit vier bis fünf deutschen Spielern aus umliegenden Vereinen, die zu uns stoßen werden. Wir werden jedoch auch mindestens fünf Abgänge haben. Ziel für 2016 ist, unsere eigenen Jugendspieler mehr in die Mannschaft zu integrieren. Bevor die einzelnen ausländischen Ligen nicht beendet sind, wird sich niemand festlegen. Wie finanziert sich die Bundesliga-Mannschaft des SCN? Unser Budget ist im mittleren bis oberen fünfstelligen Bereich. Wir finanzieren uns durch den Verein, Sponsoren und unseren Förderverein. Wir haben damit einen Etat am unteren Ende aller Bundesliga Mannschaften. Wir sind reine Amateure. Wir helfen bei der Wohnung und bei der An- und Abreise. Der Rest wird im Wesentlichen für Fahrgeld, Auswärtsspiele, Meldegebühren und eine Aufwandsentschädigung für den Trainer ausgegeben. Vielleicht können sich irgendwann noch mehr Neustadter, vor allem Unternehmer, für diese Sportart begeistern. Unser Sponsoring ist im Vergleich zu anderen Sportarten sehr günstig und wir sind die einzige Mannschaft, die bundesweit für Neustadt Werbung macht. Sind damit die Spieler zu halten oder neue zu bekommen? Unsere Spieler kommen nicht nach Neustadt, weil sie hier Handgeld bekommen. Außer Fahrgeld ist bei uns, im Gegensatz zu anderen Bundesligisten, nichts zu holen. Unsere Geschichte ist eine Cinderella-Story. Wir haben kein eigenes Bad, keine großen Sponsoren, keine Uni oder FH, die Jugendliche nach dem Abitur nach Neustadt bringt – und dennoch zählen wir zu den zehn besten Mannschaften in Deutschland.