Neustadt Träumerische Ruhe
«Deidesheim.» Sehr viel Beifall gab es am Freitag- und Samstagabend in der Stadthalle für „Wasserhimmel“, eine Aufführung der „Modern Dance Company“ von Angela Foid aus Wachenheim und ihrer Kinder- und Jugendgruppe „Raum für Bewegung“. Ergänzt wurden die eindrucksvollen Darbietungen des expressiven Tanztheaters von Musik- und Textbeiträgen.
Das Licht im Saal geht aus, Regengeräusche und Brandung sind aus dem Off zu hören, Wind und das Zwitschern vereinzelter Vögel. Trommeln setzen ein und machen das Phantasiebild eines Strandes perfekt. Nach und nach bevölkert sich die Bühne mit Tanzenden. Ihre weichen, fließenden Bewegungen beim Auftakt „Brandung Ewige Wellen“ zum Liebeslied „Zaua mei E“ von Raphael und Kutira könnten ebenso wie vom Wasser auch vom Wind getragen sein, könnten Algen und Seerosen, aber auch sich wiegende Palmen beschreiben, denn die ausgefeilten, immer wieder Überraschungen bergenden Bewegungen zu moderner Musik lassen viel Raum für Phantasie. Viele kleine unterschiedliche Auftritte hat Angela Foid mit ihren Tänzerinnen und einem Tänzer für diesen Abend erarbeitet. Sie alle vermitteln eine teils meditative Ruhe, beschreiben Vorgänge in der Natur wie das Wachsen und immer wiederkehrende Veränderungen in einem ewigen Kreislauf. Dazu trägt die geschickt gestaltete Choreographie für das Auf- und Abtreten bei: Da kommen Tänzerinnen und Tänzer von einer Seite, überqueren die Bühne, kommen – nach kurzem Verschwinden hinter dem Vorhang – wieder, so dass sich auch darin die sich immer wieder erneuernde Natur spiegelt. „Lausche dem Gesang der Natur“, rezitiert der Schauspieler Hendrik Hoffmann eine hawaiianische Anrufung, die an das Kommen und Gehen der Menschen wie das Kommen und Gehen der Brandung und des Windes gemahnt. Die Gruppe „Schülerinnen / Raum für Bewegung“ nimmt diesen Gedanken mit „Waterchilds“ auf. Die Mädchen schieben sich wie eine Schule von Delphinen, verspielt und doch in eleganten Wellenbewegungen, zu „Ocean of Dreams“ von James Asher über die Bühne. Aufrecht schreitend kehren sie zurück, recken sich einem Regen entgegen, den sie mit ausgelassenen Sprüngen feiern, um sich wie vom Wasser gesättigt anschließend im Liegen von der Bühne zu drehen. Mit „Sacrifice“ spinnen Tänzerinnen der Modern Dance Company den Gedanken an das Geben und Nehmen in der Natur weiter. Sinnlich und besinnlich nehmen die Tanzenden immer wieder auch Zuschauer in diese besondere Atmosphäre mit. Hendrik Hoffmann trägt dazu auch mit eigenen nachdenklichen Versen zum Bewahren der Schöpfung und einem Gedicht von Angela Foid bei, und auch junge Musizierende tragen die träumerische Ruhe mit ihren Auftritten weiter. Da begleitet der Cellist Daniil Mejeritski mit „Abschied“ von Camille Saint-Saëns die Tänzerin und Tanzpädagogin Angela Foid zu einem ausdrucksstarken Solotanz und lässt dem Publikum danach mit dem Prelude der Bach’schen Cello Suite No. 1 Zeit, um nachzudenken und den wellenförmigen Schwung des Bogens zu bewundern. Die Sängerin Anna Zimmermann setzt die meditative Stimmung mit Jules Massenets „Elegie“ fort, ihre Schwester Nina Zimmermann intoniert am Klavier Claude Débussys „Arabesque No. 1“. Die „Schülerinnen/Raum für Bewegung“ setzen dazu im Hintergrund der Bühne die Töne mit duftigen Tüchern in Bewegung um, zaubern Bilder von wilden Wellen und von am Himmel fröhlich durcheinander wirbelnden Wolken. Immer wieder neue Assoziationen können die Zuschauer in den kurzen getanzten Szenen entdecken. Da erinnern Passagen in den Tänzen der Modern Dance Company an Bilder alter Meister wie Hieronymus Bosch, andere ähneln einer Kreuzabnahme oder Pietà, wieder andere könnten von Traumtänzern stammen, die sich wie Albatrosse mit kraftvollen Flügelschlägen aus der Anziehungskraft des Wassers befreien in die Luft aufschwingen wollen. An ein Gemälde von Edgar Degas erinnern die Kinder und Jugendlichen in einer vielleicht unbeabsichtigten Choreographie. Als auf der Bühne der schwere Konzertflügel wieder herausgerollt wird, versuchen sie, mit zierlichen Schritten und leise kichernd, für ihren nächsten Auftritt unbemerkt auf die andere Seite der Bühne zu gelangen.