Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Tourismus in St. Martin: „Gros ist für Vielfalt“

Archivfoto: linzmeier-Mehn
Archivfoto: linzmeier-Mehn

St. Martin: „Ich will nicht nur Blasmusik, sondern auch Techno“, sagt der Vorsitzende des Tourismusvereins in St. Martin. Christian Hormuth sammelt zurzeit Unterschriften, um deutlich zu machen, dass die große Mehrheit im Ort für ein breites Veranstaltungsgebot steht. Die Junge Union fürchtet derweil um ihren Osterrock.

„Die Interessenlage im Dorf ist stark verschieden.“ Diese Aussage steht am Anfang einer Stellungnahme, die Christian Hormuth zurzeit Winzer, Gastronomen, Gewerbetreibende, Übernachtungsbetriebe sowie Kunst- und Kulturvereine in St. Martin unterschreiben lässt. Es sind seine eigenen Worte, vorgetragen bei der Mitgliederversammlung des St. Martiner Tourismusvereins im März. Und es geht um die Ausrichtung des Tourismus in dem kleinen Weinort. Hintergrund ist die Diskussion, die die Bürgerinitiative (BI) „Lebenswertes St. Martin“ um Ortsbürgermeisterkandidat Josef Praml und Gundula Berner im Frühjahr darüber angestoßen hat, inwieweit touristische und kulturelle Veranstaltungen wie die Technopartys in der Pergola beim Haus am Weinberg zur Gemeinde passen.

Falsches Bild von Ort gezeichnet

„Wir waren sehr irritiert über die Darstellung unseres Ortes in der Presse“, meldet sich nun Hormuth gegenüber der RHEINPFALZ zu Wort, unterstützt von Michael Kiefer, Vorsitzender des Weinbauvereins, Werner Mücke, Sprecher der Gastronomen in St. Martin, und Florian Schneider, im Vorstand des Tourismusvereins. Es sei ihm neu, „dass man über die Medien kommuniziert statt von Angesicht zu Angesicht“. Und es hätten sich nur jene Akteure öffentlich gemeldet, die gegen bestimmte Veranstaltungen, deren Art und Anzahl seien. Praml und die BI hätten damit ein falsches Bild von St. Martin gezeichnet. Denn das Gros der Bevölkerung sei für eine touristische Vielfalt. Das wolle er mit den Unterschriften beweisen, die er Ortsbürgermeister Timo Glaser vorlegen werde.

Junge Union schreibt Vereinen

Diese Kritik an der BI äußert auch die Junge Union (JU) in einem Schreiben an die St. Martiner Vereine, das der RHEINPFALZ vorliegt. „Aufgrund der veröffentlichten, unreflektierten Stellungnahmen verfestigt sich ein negatives Stimmungsbild in St. Martin, welches nicht repräsentativ ist und wodurch sich unser Dorf nicht auszeichnen möchte“, heißt es. St. Martin biete mit seinem ausgewogenen Veranstaltungsangebot – darunter der Weinweg, die Nacht der offenen Weinkeller und das Martinus-Weinfest – Touristen und Besuchern aus der Region „einen attraktiven Urlaubs- und Erholungsort“.

JU spricht mit Bürgerinitiative

In einem persönlichen Gespräch mit mehreren Mitgliedern der Bürgerinitiative habe sich herauskristallisiert, dass diese sich gegen kommerzielle Veranstaltungen in St. Martin positioniere. Auch Vereinsveranstaltungen wie der Osterrock (JU) und Osterfasching der Katholischen jungen Gemeinde (KJG) würden in Frage gestellt. „Die BI kam anderthalb Stunden vor Beginn des Osterrock im Pfarrzentrum auf uns zu und hat mit der Polizei gedroht“, berichtet JU-Vorsitzender Benjamin Schreieck auf Anfrage. „Wir sind offen für Kritik an der Gestaltung, aber grundsätzlich zu sagen, eine Veranstaltung kann man so nicht machen, sehe ich kritisch“, so Schreieck.

„Wollen keinen Ballermann“

„Ich will nicht nur Blasmusik, sondern auch Techno“, sagt der ehemalige Blasmusiker Hormuth. Es wäre ein Fehler, sich auf eine Generation zu versteifen. „Natürlich wollen wir keinen Ballermann“, sagt Gastronomen-Sprecher Mücke, „aber wir wollen, dass das Thema Veranstaltungen ganzheitlich betrachtet wird.“ Auf weniger Tourismus zu steuern, wäre unklug, betont Hormuth. Allein die demografische Entwicklung sorge dafür, dass in zehn Jahren weniger Gäste kämen. „Wir haben keine Industrie im Ort und leben vom Tourismus. Das müssen wir ausschöpfen“, ergänzt Weinbauvereinsvorsitzender Michael Kiefer. „Lasst uns daran arbeiten, behutsam und Schritt für Schritt weiter Antworten zu finden, um den langfristigen Erfolg zu sichern und nicht im Gegeneinander die Zukunft des Tourismus zu opfern“, appelliert Hormuth in seiner Stellungnahme. Das erfordere Einigkeit der Leistungsträger und sachbezogene Kommunikation. Mit den Unterschriften will die Gruppe um Hormuth ein Zeichen setzen. „Die Gemeinde soll wissen, dass wir pro Entwicklung des Tourismus sind“, sagt Vereinskollege Florian Schneider.

Ihre Meinung ist gefragt

Wir wollen von Ihnen wissen: Sollte sich St. Martin für Veranstaltungen öffnen, die auch ein anderes, vielleicht jüngeres Publikum inner- und außerhalb St. Martins ansprechen? Oder soll sich die Gemeinde auf ihre Marke Luftkurort besinnen nach dem Motto „Weniger ist mehr“? Welche Art des Tourismus tut der Gemeinde besser? Schicken Sie Ihre Antwort an redneu@rheinpfalz.de. Wir veröffentlichen sie in Print und online.

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