Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Theater zum Tag der deutschen Einheit

 Anja Kimmelmann in dem Stück „Monika Haeger – Inside Stasi“.
Anja Kimmelmann in dem Stück »Monika Haeger – Inside Stasi«.

Ein Theaterstück, eine Podiums- und eine Publikumsdiskussion gab es am Tag der deutschen Einheit im Hambacher Schloss.

Kultur wird gern als Mittel zur politischen Bildung genutzt, was der Kultur oft nicht gut tut. Bei einer Veranstaltung der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz und der Stiftung Hambacher Schloss am Tag der deutschen Einheit im Hambacher Schloss wurde Kultur zudem mit einer Podiumsdiskussion und einer Diskussion mit dem Publikum verbunden. Was letztendlich allen drei nicht gut tat, denn es war zu viel des Guten.

Allerdings stellt sich die Frage, ob der kulturelle Teil der Veranstaltung nicht eher politische Bildung als Kultur war. Denn die Autorin, Regisseurin und Produzentin Nicole Heinrich hat in ihrem ersten Theaterstück „Monika Haeger – Inside Stasi“ die politische Intention über künstlerische Aspekte gestellt. So hat sie auf Elemente, wie Musik und Licht, weitgehend verzichtet, um so das Stück leichter an möglichst vielen unterschiedlichen Orten aufführen zu können. Und sie schreibt das Monodrama, der jeweiligen Veranstaltung angepasst, um oder kürzt es. Zwar gibt es bei Inszenierungen meist Änderungen und Anpassungen, doch geht Heinrich ausgesprochen weit.

Nur eine Erklärung

Für die Veranstaltung im Hambacher Schloss hat Heinrich das Stück stark gekürzt. Was schade war, denn man hätte eigentlich gern mehr gesehen. Wobei dies wohl nicht auf alle Besucher im gut besetzten Festsaal zutraf. Denn ein Teil war vor allem wegen des Themas gekommen.

Dass „Monika Haeger – Inside Stasi“ trotz der Betonung des politischen Aspektes eine lohnende Theateraufführung war, war vor allem der Schauspielerin Anja Kimmelmann und außerdem einem sehr guten Bühnenbild zu verdanken. Monika Haeger ist keine Kunstfigur, es ist der Name einer im Jahr 2006 verstorbenen Frau, die unter dem Namen Karin Lenz in der DDR Mitarbeiterin der Staatssicherheit (Stasi) war. Das Stück „Monika Haeger – Inside Stasi“ soll ein Porträt über Monika Haeger sein, soll ihre Persönlichkeit beschreiben, ihre Arbeit und ihre Motive. Heinrich hat Haeger nicht kennengelernt.

Basis für das Monodrama sind ein vierstündiges Interview, das Haeger 1990 einem Fernsehsender gab sowie Akten und Gespräche mit Menschen, die Haeger kannten. Es bleibt offen, ob Haeger wirklich so war, wie sie in dem Stück dargestellt wird.

Eine interessante Frau

Anja Kimmelmann spielte Haeger als eine interessante Frau. In einem Kinderheim wurde sie zur überzeugten DDR-Sozialistin erzogen, deren „größter Traum“ es ist, „eine echte Agentin für den Sozialismus“ zu werden. Kimmelmann, die bei der Aufführung ganz in schwarz gekleidet war, spielte Haeger nicht, sie war für etwa 75 Minuten Monika Haeger.

Die Malerin und Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley war es, die von Haeger viele Jahre ausspioniert wurde und mit ihr die Gruppen Frauen für den Frieden und Initiative Frieden und Menschenrechte. „Ich möchte mich nicht dafür entschuldigen, aber ich möchte die Sache erklären“, sagte die von Kimmelmann gespielte Haeger zu Beginn der Aufführung.

Ein wesentlicher Anteil an der Darstellung von Kimmelmann haben ihre Stimme und ihre Art zu sprechen. Es ist eine sehr warme Stimme, mit der Kimmelmann sehr gleichmäßig spricht. Umso mehr wirkte es, wenn sie Wörter, Satzteile oder Sätze betont, wobei sie nicht übertreibt, nur durch ein leichtes Anheben der Stimme bei dem Wort Bürgerrechte wird deutlich, wie sehr Haeger Bürgerrechte verachtet.

Mit Originalzitaten

Ebenso sparsam und ausdrucksvoll setzte Kimmelmann Mimik und Gestik ein. So wird das Unverständnis der überzeugten DDR-Sozialistin für Individualismus deutlich und ihre Freude, als sie es schafft, sich ein Standing in der Gruppe, die sie ausspionieren soll, zu schaffen. Ihre Verzweiflung, als sie trotz ihrer Erfolge keine hauptamtliche Mitarbeiterin der Stasi wird, wird ebenso deutlich, wie ihre Begeisterung, als sie dem Genossen Erich Mielke vorgestellt und von ihm doch zur hauptamtlichen Mitarbeiterin befördert wird, und ihr Entsetzen, als die Mauer geöffnet wird.

Die Darstellung des Lebens von Monika Haeger wird immer wieder unterbrochen von Einspielungen von Texten über Repressionen in der DDR und über Erfahrungen von DDR-Häftlingen. Dabei wird die Bühne verdunkelt und ein altertümliches Tonband mit rotem Licht beleuchtet.

Ein Statement pro Teilnehmer

Dieses Tonband ist Teil eines sehr gelungenen Bühnenbilds, bei dem mit wenigen Requisiten Teile einer Wohnung entstehen. Auf einer Seite der Bühne steht ein Schreibtisch, stellvertretend für ein Büro der Stasi. Hier hängt eine DDR-Fahne, in der Wohnung hängt ein Foto von Erich Honecker.

Im anschließenden Podiumsgespräch war im Wesentlichen nur Zeit für ein Statement von jedem Teilnehmer. Es waren dies die Autorin, außerdem die Theaterwissenschaftlerin Silke Flegel, der Historiker Frank Hoffmann und die Zeitzeugin Birgit Schlicke. Das kurze Publikumsgespräch danach war überflüssig.

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