Neustadt / Deidesheim RHEINPFALZ Plus Artikel Theater in der Region: Neustart mit vielen Fragenzeichen

„Der Superwurm“ im Herrenhof könnte in Neustadt das erste Stück nach dem Neustart der Theater nach über zehn Wochen Corona-Pause
»Der Superwurm« im Herrenhof könnte in Neustadt das erste Stück nach dem Neustart der Theater nach über zehn Wochen Corona-Pause sein.

Theater und Kleinkunstbühnen dürfen in Rheinland-Pfalz ab 27. Mai wieder öffnen. Das wird auch in der Region einhellig begrüßt, doch da die Details der Auflagen noch nicht bekannt sind, stochern alle im Moment noch ein wenig im Nebel. Einige stehen aber auch bereits in den Startlöchern für Sonderaktionen. „Es schmeißt endlich den Motor wieder an“, freut sich zum Beispiel Hedda Brockmeyer vom Hambacher „Theater in der Kurve“.

Im Mai und Juni neigt sich die Saison normalerweise in den meisten Theatern der Region schon dem Ende zu. Insofern kommt die Lockerung für viele zu spät. Einen der ersten Termine, der nun wieder möglich wäre, hätte das Puppentheater Dornerei im Programm: das Kinderstück „Der Superwurm“ am 31. Mai. Man würde tatsächlich an diesem Tag gerne wieder starten, sagt Eleen Dorner, „wenn es möglich ist“. Denn als erstes müsse sie nun klären, ob die Öffnung auch für Kinderveranstaltungen gilt. Denn Kindergottesdienste seien ja zum Beispiel im Gegensatz zu solchen für Erwachsene noch untersagt. Falls gespielt werden könne, werde man aber auf jeden Fall in den großen Festsaal ausweichen. Im Sommer wollten sie und ihr Mann außerdem Zusatzvorstellungen anbieten. Zeit ist da, schließlich wurden ja alle auswärtigen Gastspiele der beiden bis in den Herbst hinein abgesagt. Auch die würden dann nicht in der Parkvilla stattfinden, denn die gebe das vom Platz her nicht her, sondern im Festsaal oder der Remise des Herrenhofs.

Auch Boris Stijelja, der Leiter des Boulevardtheaters Deidesheim, sehnt schon seit Wochen den Wiedereröffnungstermin herbei. Doch was er mit dem Ja aus Mainz jetzt konkret anfangen soll, weiß er noch nicht. „Keiner kann etwas über die Auflagen sagen“, ist er ein bisschen genervt. Klar sei nur, dass man auf jeden Fall im großen Saal der Deidesheimer Stadthalle spielen könne, wo viermal so viele Zuschauer unterzubringen sind wie im eigentlichen Boulevardtheater. Aber wie es mit Hygieneregeln auf der Bühne aussieht – Fehlanzeige. Dabei wäre eines der ersten Stücke sogar gleich eine Premiere: „Landeier“, der Nachfolger der Erfolgskomödie „Bauer sucht Sau“. Das Stück sei aufführungsbereit, so Stijelja. „Wir müssen nur raus damit.“

Im „Theater in der Kurve“ ist die Innenraum-Saison dagegen bereits abgehakt. Sie stecke derzeit über beide Ohren in der Arbeit, um ein Hygienekonzept für den Garten zu erarbeiten, sagt Hedda Brockmeyer. Dort sollten im Juli auf jeden Fall die Konzerte stattfinden, die normalerweise als Begleitprogramm der Jakobuskerwe gedacht waren. Auch ein Sonderprogramm im Sommer ist bereits angedacht – bevorzugt mit selbst geschriebenen Stücken aus dem Repertoire, weil für die keine hohen Tantiemen zu entrichten sind.

Beim Kleinkunstverein „Reblaus“ stünde vor der Sommerpause noch der Termin mit Michael Feindler am 5. Juni an. Der sei zwar eigentlich schon auf 2021 verschoben, doch man überlege nun, ihn zurückzuverlegen, erklärt der Vorsitzende Harald Kargus. Zunächst müsse man aber klären, wie die Abstandsregeln genau aussehen und ob sie bei dem knappen Angebot von nur 150 Plätzen im Theater Katakombe überhaupt umsetzbar seien.

Im größten Veranstaltungssaal der Region, dem Saalbau, sind alle Termine bis zum Sommer ohnehin bereits abgesagt. „Gut gemeint, hilft aber nicht richtig weiter“, kommentiert Saalbau-Manager Volker Schmidt die Ansage aus Mainz aber aus einem anderen Grund. Denn wie etwa die Abstandsregeln in der Praxis umgesetzt werden sollen, sei völlig offen. Er hat errechnet, dass man von den 577 Plätzen im Parkett bei enger Auslegung gerade einmal 99 besetzen dürfte. „Für kommerzielle Veranstalter ist das witzlos.“ Zudem sei für viele Termine im Herbst der Vorverkauf schon weit fortgeschritten, eventuell also bereits zu viele Karten verkauft. „Wir haben alle keine Ahnung, wie es weitergeht“, klagt Schmidt.

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