NEUSTADT
Tempelbau erinnert an Südpol-Pionier Georg von Neumayer
Georg von Neumayer, der als Georg Neumayer am 21. Juni 1826 in Kirchheimbolanden geboren wurde, ist auf dem Neustadter Friedhof bestattet worden, weil er in der Stadt die letzten sechs Jahre seines Lebens verbracht hat, bevor er 1909, einen Monat vor seinem 83. Geburtstag, gestorben ist. Der ledige und kinderlose Wissenschaftler hatte bis zu seinem 77. Lebensjahr gearbeitet, war dann nach Neustadt gezogen, weil hier Verwandte von ihm lebten. Das Grabmal eines Verwandten, ein Obelisk aus schwarzem Marmor, steht neben dem Monopterus. Ein Monopterus ist ein Rundbau mit Säulen, der auch als Tempel bezeichnet wird.
Der Vater von Georg von Neumayer war Notar gewesen. Georg war das fünfte Kind von Georg und Theresia Neumayer. 1832 zog die Familie nach Frankenthal. Nach dem Abitur studierte Neumayer in München Geophysik und Hydrographie. Während des Studiums soll sein Interesse für Astronomie und den Südpol, der noch nicht vollständig erforscht war, entstanden sein.
Weitgereister Wissenschaftler
Nach Abschluss des Studiums 1851 reiste Georg Neumayer als Matrose auf einem Schiff nach Südamerika, danach als Steuermann nach Australien. Auf Initiative von Georg Neumayer wurde in Melbourne ein geophysikalisches Observatorium gegründet, dessen Direktor er wurde. Hydrograph bei der Kaiserlichen Admiralität in Berlin, Gründer und Direktor der Norddeutschen und später Deutschen Seewarte in Hamburg waren die weiteren beruflichen Stationen. Große Verdienste erwarb er sich bei der Erforschung der Südpolarregion und von Meeresströmungen, außerdem in Meteorologie und Astronomie. Er bekam zahlreiche Ehrungen und wurde im Jahr 1900 zum Ritter von Neumayer ernannt. Während seiner Zeit in Neustadt wurde er Ehrenbürger der Stadt.
Der Monopterus auf dem Neustadter Hauptfriedhof erinnert an die enge Verbindung Georg von Neumayers zur Hydrographie und zur Schifffahrt. So sind zwischen den acht Säulen im unteren Bereich Platten, auf denen unter anderem ein Schiff und ein Anker aus dem Stein herausgehauen wurden. Sie verweisen an seine Verdienste um die Norddeutsche Seewarte. Das Wappen Georg von Neumayers, eine Sanduhr sowie Rosetten sind weitere Motive.
Muschelkalk, Säulen mit Rippen und Kuppeldach
Der Monopterus besteht aus hellgrauem Muschelkalk. Er steht auf einer Platte, der untere Teil ist ein massiver Rundsockel, auf dessen Vorderseite die schlichte Inschrift „Georg von Neumayer 1826 – 1909“ steht. Die acht Säulen haben eine Kannelierung, also Rippen. Die Säulen, die am oberen Ende, unter anderem mit Bögen, verziert sind, tragen ein Kuppeldach. Zwischen den Säulen steht eine Weltkugel, auf der die Kontinente sowie die Längen- und Breitengrade zu sehen sind. Auffallend ist das Grabmal nicht nur durch seine Form, sondern auch aufgrund seines Standorts an einer Wegkreuzung.
Bis vor einigen Jahren zog sich rund um den Monopterus eine Blumenrabatte. Die gibt es nicht mehr, auch sieht der kleine Tempel ungepflegt aus und hat Schäden.
Gestaltet wurde der Monopterus, der ein anerkanntes Kulturdenkmal ist, von dem Neustadter Steinbildhauer Jakob Wilhelm Steger, der sich auf Grabmale und Kriegerdenkmale spezialisiert hatte. Er hat auch das Kriegerdenkmal in der Neustadter Hauptstraße und ein Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs in der Dr.-Welsch-Terrasse geschaffen.
Serie: Spuren in Stein
Grabmäler sind Zeugnisse der Vergangenheit und der Persönlichkeiten, die unter ihnen ruhen. In dieser Serie stellen wir markante Beispiele aus der Region zwischen Maikammer und Bockenheim vor.