Neustadt Tatü tata, das Kind ist da
Eine Hauptfeuerwache als eine Art Kirchenraum? Wie gut das geht, haben an Heiligabend die Neustadter Feuerwehr, die protestantische Stiftskirchengemeinde und jede Menge junge und alte Besucher unter Beweis gestellt. Zum zweiten Mal nach 2021 ist ein Familiengottesdienst in einem besonderen Raum angesagt. Oder, wie es Dekan Andreas Rummel formuliert: „Dort, wo sonst die Retter ausschwärmen, kommt heute der Retter zu uns.“
Andererseits ist sich Rummel auch sicher: Die Weihnachtsgeschichte in heutiger Zeit wäre eine Sache der himmlischen Rettungsleitstelle gewesen. „Sie hätte Feuerwehrleute aus Bethlehem statt Hirten geschickt.“ Denn diese hätten die Sache im Griff gehabt und zum Beispiel auch praktische Geschenke mitgebracht: Pampers, einen frischen Strampler und einen Teddy statt Weihrauch und Myrrhe.
Melchior bedient Notruf
Die Neustadter Jugendfeuerwehr stellt szenisch dar, was der Dekan in seiner Predigt an Stichworten gibt. Feuer über einem Stall, Menschen im Innern, möglicherweise eine Notgeburt. Den Notruf abgesetzt hat zuvor einer der drei Weisen, genau gesagt Melchior. Die Rettungskette läuft an, wie bei Zahnrädern greift alles ineinander. Zur Freude der jüngsten Besucher wird es auch sehr plastisch, als ein Feuerwehrfahrzeug halb in die große Halle rollt und zuvor kurz das Martinshorn ertönt.
Am Ende stellt sich der Alarm als falscher Alarm heraus. Kein Stallbrand, sondern ein unglaublich heller Stern, keine Katastrophe, sondern die Frohe Botschaft, dass ein Kind zur Welt gekommen ist. Eines, das nun dank Pampers, Strampler und Teddy alles hat, was es zunächst einmal braucht.
Menschen für Menschen
„Weihnachten“, sagt Dekan Rummel, „ist so etwas wie die Feuerwehr – bei beiden kann man sicher sein, die Rettung ist nah.“ Retten, löschen, bergen, schützen sei daher ein Motto, das sowohl für die Feuerwehr gelte als auch für Kirche und Diakonie. Rummel: „Wo immer sich Menschen für Menschen einsetzen, wird ein Stück Sehnsucht nach heiler Welt verwirklicht. Nicht nur an Weihnachten.“