Elmstein RHEINPFALZ Plus Artikel Tante-Enso-Laden: „Mehr Lebensqualität“

Volles Haus: Elmsteins Ortsbürgermeister Rene Verdaasdonk erläutert das Konzept des „Tante-Enso-Ladens“.
Volles Haus: Elmsteins Ortsbürgermeister Rene Verdaasdonk erläutert das Konzept des »Tante-Enso-Ladens«.

Die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Elmstein scheinen fest entschlossen, mit einem Tante-Enso-Laden ihre Lebensmittelversorgung zu verbessern und dauerhaft zu sichern. Dies der Eindruck bei einem Info-Abend der Betreiber und Elmsteins Ortsbürgermeister Rene Verdaasdonk . Das Konzept wurde aber auch kritisch hinterfragt.

Einkauf aus einem Sortiment von bis zu 3000 Artikeln, rund um die Uhr, über die ganze Woche und an 365 Tagen im Jahr – das kam bei den Besuchern in der proppenvollen Aula der Elmsteiner Heinrich-Weintz-Schule an. „So viele Besucher hat die Halle wohl noch nicht erlebt“, freute sich Elmsteins Bürgermeister Rene Verdaasdonk (SPD) über den überwältigenden Zuspruch. Und am Ende der fast zweistündigen, informativen Veranstaltung war er sich sicher, dass die Gemeinde gemeinsam das auf einer Genossenschaft basierende Projekt verwirklichen kann.

Hinter Tante-Enso-Läden, so Referent Philipp Isenberg, Expansionsleiter beim Betreiber Enso eCommerce GmbH in Bremen, steht ein Supermarkt-Konzept, das beliebte Eigenschaften des alten Tante-Emma-Ladens mit den Vorzügen eines modernen Online-Marktes verbindet. Wichtig für die Strategie sei, und das betonte er während seiner Video-Präsentation immer wieder, dass Genossenschaftsteilhaber und Kunden selbst bestimmen und mitgestalten können, wie der Laden läuft. Was das gesamte Sortiment betrifft, was die Einbindung heimischer und regionaler Produkte betrifft, was Öffnungszeiten und Personal betrifft, was die Farbgebung von Gebäude, Werbung oder Kundenkarten betrifft. Allein die Bürgerinnen und Bürger stehen im Mittelpunkt und entscheiden, sagte Isenberg. „Und sie allein entscheiden auch, ob wir nach Elmstein kommen“.

Standortsuche läuft

Ortschef Rene Verdaasdonk ist noch auf der Suche nach einem geeigneten Standort. „Von den im Ort leerstehenden Gebäuden oder unbebauten Grundstücken ist keines für ein derartiges Ladengeschäft geeignet und so wird es auf einen Neubau hinauslaufen“, schilderte Verdaasdonk die Situation. Rund 200 bis 250 Quadratmeter Ladenfläche werden benötigt, dokumentierte der Enso-Referent anhand eines Videos vom neu eingeweihten Enso-Laden in Glasau in Schleswig-Holstein. Wie Verdaasdonk berichtete, haben die Initiatoren einen Neubau auf dem Gelände des ehemaligen Sägewerks Semmelsberger im Ortsteil Appenthal im Blick. „Verhandlungen mit dem Eigentümer, mit Investor und Bauunternehmer sind im Gange“ verriet der Bürgermeister. „Wenn irgendetwas schief läuft, werde ich persönlich dafür sorgen, dass es am Ende funktioniert“, versprach der Verdaasdonk unter großem Applaus.

Grundsätzliche Bedingungen für eine Bewerbung um einen Tante-Enso-Laden konnte die Gemeinde Elmstein „locker“ erfüllen: Mit gut 4300 Einwohnern besitzt der Ort eine vom Betreiber angedachte Größe. Er liegt 15 Kilometer vom nächsten Supermarkt in Lambrecht entfernt und in der Talgemeinde gibt es nur noch wenige Geschäfte, nämlich zwei Bäckereien und ein kleines Dorflädchen, dessen Inhaber sich in absehbarer Zeit zurückziehen will. „Mit unserem Konzept wollen wir keine örtlichen Betriebe kaputt machen“, versicherte Isenberg. Im Gegenteil, mit ihnen soll kooperiert und ihre Waren auch in den Tante-Enso-Laden eingebunden werden. Enso – der Begriff kommt aus dem Japanischen und bedeutet Kreis – arbeitet seit etlichen Monaten eng mit Rewe zusammen. Das komplette Sortiment wird von dort zu „klassischen Verbrauchermarktpreisen“ angeboten, berichtet Isenberg. Dazu kommen regionale Produkte und rund 10.000 Artikel, die im Online-Shop bereit stehen. Dort bestellte Ware kann in die örtliche Filiale oder auch direkt nach Hause geliefert werden.

Einkauf per Kundenkarte

Der selbst eingescannte Einkauf wird mit einer aufladbaren Enso-Kundenkarten, die jeder Anteilsinhaber erhält, mit Kreditkarte oder auch mit Bargeld (bei Öffnung mit Personal) bezahlt. Die Enso-Kundenkarte dient gleichzeitig als „Schlüssel“ zum Ladengeschäft, wenn kein Personal vorhanden ist.

Um das Elmsteiner Projekt verwirklichen zu können , müssen bis Ende September 400 Genossenschaftsanteile zu je 100 Euro von den Elmsteiner Bürgern erworben werden. Es können gleichzeitig auch mehrere Anteile gekauft werden. Sie beziehen sich auf einzelne Personen, nicht auf Haushalte, wie ein Fragesteller glaubte. Pro Genossenschaftsanteil gibt es ein jährliches Einkaufsguthaben von 5 Euro, dazu wird pro Einkauf ein Rabatt von zwei Prozent der Kaufsumme gutgeschrieben. Die Dauer einer Mitgliedschaft in der Genossenschaft, die sich einmal im Jahr versammelt, interessierte die Zuhörer besonders. „Möchte jemand aus der Genossenschaft wieder aussteigen, ist das bei einer Kündigungsfrist immer möglich. Seinen eingezahlten Anteilsbetrag erhält er zurück“, so Isenberg.

Positive Resonanz

Hilfestellung beim Erwerb von Genossenschaftsanteilen und Aufklärung zum Projekt selbst leisten in Elmstein Constanze Hillebrand, Daniel Singer und Felix Heller, kündigte Verdaasdonk an.

Als „Mehrwert für Elmstein“ bezeichnet Werner Klein aus Iggelbach den künftigen Tante-Enso-Laden. „Toll, dass man rund um die Uhr einkaufen kann und keine weiten Wege mehr hat.“ Für die Elmsteinerin Rosemarie Schöfer ist es eine „gute Geschichte“. Nur den anvisierten Standort in Appenthal findet sie „nicht so günstig, weil er doch etwas außerhalb liegt“. „Im Moment muss ich weite Wege nach Lambrecht fahren. Deshalb freue ich mich, wenn ein Tante-Enso-Laden gebaut wird“, sagt Irene Leitner aus dem Ortsteil Speyerbrunn. Caroline Liebschner aus Appenthal ist vom Vorhaben begeistert: „Dass man kurzfristig und schnell mal frische Ware einkaufen kann, ist prima.“ „Eine einmalige Chance, die Versorgung und Lebensqualität in Elmstein zu verbessern“, stellt Lucien Spill aus Iggelbach heraus. Susanne Heller aus dem Ortsteil Schafhof befürwortet die Idee und das Konzept von Tante Enso genauso. „Ich bin dankbar, dass so etwas verwirklicht wird. Eine gute Sache für jung und alt.“ „Ganz wichtig für die Infrastruktur der Gemeinde “, findet Jutta Schenk vom Schafhof. „Durch einen Tante-Enso-Laden wird Elmstein aufgewertet“.

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