Neustadt Täschelkraut im Tütchen
Bei nasskaltem Schmuddelwetter stand den Haßlochern am Samstagnachmittag der Sinn noch nicht so recht nach Gartenarbeit. So kamen zur Saatgutbörse des Vereins „Garten der Nationen“ auf dem Gartengelände hinter dem Kulturviereck nicht allzu viele Besucher. Die aber zeigten reges Interesse.
„Vielleicht haben die Leute uns auch nicht gefunden“, vermutet Christoph Weitz, der Vorsitzende des Vereins: „Vielleicht hätten wir als Adresse nicht die Gillergasse 14, sondern die Verlängerung der Margarete-Wittmann-Straße angeben sollen?“ Dennoch: Der vom Lions-Club gestiftete Folientunnel auf dem Gartengelände war gut zu sehen. Der Weg dahin, teils über Gras und unter einer Kinderschaukel hindurch, war witterungsbedingt ein wenig matschig. Er führte aber auch an den Beeten vorbei, die die rund 20 Mitglieder des Vereins im vergangenen Jahr angelegt haben. Inzwischen sind sie bis auf die Reste von Lauch- und einigen Kohlsorten abgeerntet. Auch wenn das Wetter nicht danach aussieht: Die Zeit für die Vorbereitungen der neuen Bepflanzung ist reif. „Jetzt müssen die Setzlinge gezogen werden“, betont Christoph Weitz. Und da bietet die Saatgutbörse den Mitgliedern und natürlich allen anderen interessierten Gärtnern eine gute Gelegenheit, sich auch ungewöhnliches Saatgut zu holen. Vereinsmitglied Andrea Germann beispielsweise hat Samen für Auberginen und sehr aromatische Johannisbeertomaten mitgebracht. „Haben sie auch Blumensamen?“, möchte ein Besucher wissen. „Nein“, lächelt Christoph Weitz, „aber für Blumenkohl“. Wer schöne Blüten mag, könnte sich aber auch Haferwurzel anbauen. Die Samen dazu liegen säuberlich in ein beschriftetes Tütchen verpackt auf dem Tisch. „Einfach ausstreuen“, rät Klaus Rettig, Bonsai-Künstler aus Lachen-Speyerdorf. „Die Pflanze hat eine wunderschöne Blüte, ähnlich wie eine Gerbera, die Wurzel wird so zubereitet wie Schwarzwurzeln.“ Das Lauch-Hellerkraut, auch Lauch-Täschelkraut genannt, ist in Deutschland sehr selten, erfahren Wissbegierige. „Es ist eine wunderbare Pflanze für den Winter, ähnlich dem Feldsalat, aber intensiver im Geschmack.“ Neu ist Besuchern auch, dass die „Türkische Erbse“ überhaupt keine Erbse ist, sondern eine Buschbohne. Und wenn das Basilikum nicht ordentlich keimen will, könne das durchaus daran liegen, dass die Samen mit Erde bedeckt wurden, erläutert ein Hobby-Gärtner: „Basilikum ist ein Lichtkeimer.“ Im Angebot sind Samen für braune Zucchini und blaue Erbsen. Ein Mitglied des Vereins berichtet von blauen Wildtomaten. „Lecker“ seien sie, aber „ein bisschen mehlig“. Auch blau-lilafarbene Paprika sind im Gespräch. „Ja, die sehen schön aus, aber richtig schmecken tun sie erst, wenn sie orange geworden sind.“ Paprika, Tomaten, Erbsen und Bohnen sind bekannt. Was aber hat es mit dem „Schabzigerklee“ auf sich? Dieser blaublühende Hülsenfrüchtler wird ausschließlich zum Würzen verwendet. Dazu eignet sich auch „raphanus raphanistrum“, der Ackerrettich, aus dem sich Senf herstellen lässt. Und „als Deko schön geeignet“, aber auch „sehr scharf“ soll das Rattenschwanzradieschen sein, das ausschaut wie ein Knubbel oder Mäuschen mit einer Art Schwänzchen dran. Für außergewöhnliche Pflanzen ist der „Garten der Nationen“ ein guter Ansprechpartner. Setzlinge bietet er für die Haßlocher Bürger und natürlich auch für auswärtige Interessierte bei einer großen Aktion am 7. Mai wieder an. Damit seine Pflanzen auch im Freien gedeihen, soll im Frühjahr für die Bewässerung des Geländes ein Brunnen gebaut werden. (hjm)