Neustadt Stein um Stein
Die Integrierte Gesamtschule (IGS) Deidesheim-Wachenheim plant gemeinsam mit dem Deidesheimer Caritas-Altenzentrum Stiftung Bürgerhospital und der Lebenshilfe Neustadt, ein Labyrinth zu bauen. Für das Projekt „Steine, die verbinden“ stehen etwa 100 Quadratmeter auf dem Gelände des Altenzentrums zur Verfügung.
Schüler, Senioren sowie Bewohner des Georg-Jungmann-Wohnheims der Lebenshilfe Neustadt bemalen in Teamarbeit zahlreiche Pflastersteine, die die Wege des Labyrinths markieren sollen. So wird auf den Tischen im Kunstraum der IGS in Deidesheim in leuchtenden Farbtöpfen gerührt, zahlreiche Pinsel stehen in Gläsern bereit, und zwei Dutzend Pflastersteine warten auf ihre Bemalung. Letztere werden Wind und Wetter ausgesetzt sein, deshalb wird mit Acryl gemalt. Senior Wilhelm Hageni arbeitet versunken im Team mit Schüler Felix. Acht Steine stellen sie zügig fertig. „Ich habe mich gemeldet, weil ich so gerne male und in unserem Seniorenheim schon meine Hundeporträts ausgestellt habe“, freut sich Hageni pinselschwingend. An weiteren Tischen arbeiten Seniorin Gudrun Seide und Schülerin Saskia zusammen. Seide meint lachend, sie habe gar nicht gewusst, dass sie malen könne, da sie so etwas bis zu diesem Projekt gar nicht interessiert habe. Für die Aktion habe sie sich wegen der netten Gesellschaft gemeldet. Die Schülerinnen Sophia, Angelina und Anouk diskutieren mit Angelika Dreier und Andreas Brake von der Lebenshilfe, welche Farbkombinationen die schönsten und welche Pinsel die geeignetsten wären. Schließlich sollen die Farben nicht ineinander laufen. Es ist an dem Morgen die erste größere Schulaktion mit den Siebtklässlern des Kurses Bildende Kunst und den Gästen, die Projektleiterin Tonja Hager organisiert hat. „Wir haben noch einige Arbeit vor uns“, sagt sie. 850 Steine müssten mindestens bemalt werden. Inspiriert habe sie der bekannte Labyrinth-Bauer Gernot Candolini (siehe „Stichwort“). Sie freue sich, dass sich Frank Offenbach bereiterklärt habe, die Aktion vor Ort als Fachmann für Garten- und Landschaftsplanung zu begleiten. Nicht nur für die Bemalung der Steine brauche sie Helfer, auch für ein festes Fundament müsse gesorgt werden, da das Labyrinth jahrelang begehbar sein soll. Das bedeute auch, die Fläche vorzubereiten, Kies zu schippen und dergleichen mehr. Entstehen soll ein Ort, an dem, wie bei seiner Entstehung, soziale Kontakte geknüpft werden, zu denen es sonst nicht gekommen wäre, wünscht sich Hager. „Zeitdruck, Schnelllebigkeit und das Konsumverhalten unserer Gesellschaft bestimmen den Lebensalltag von Kindern und Jugendlichen, die oftmals keinen Sinn in ihren Anstrengungen erkennen können“, so Hager. Bei den Arbeitstreffen und darüber hinaus komme man sich generationenübergreifend näher. Die etwa 100 Quadratmeter große Fläche befindet sich nahe des Spielplatzes auf dem Altenheimgelände neben dem Stadtpark, so dass man davon ausgehen könne, dass unterschiedliche Interessengruppen aufeinander treffen, hofft Hager. Andreas Repp, Wohnheimleiter der Lebenshilfe und Ehemann Hagers, ist überzeugt, dass Berührungsängste abgebaut und aktive Integration gelebt werden könne. „Wir fanden die Idee für Alt und Jung richtig toll und haben die Begeisterung auch bei unseren Bewohnern feststellen können“, erklärt Gabi Münch-Kretschmann vom Caritas-Altenzentrum, die die Malbesuche der Senioren organisiert. Die Leiterin der Einrichtung, Verena Renner, hofft in Hinblick auf die Lage des Labyrinths auf schöne Momente für ihre Heimbewohner. Bei weniger Mobilen erlaube freie Sicht auf das Labyrinth und seine Besucher etwas Abwechslung im Alltag. Zur Finanzierung des Projektes habe man bereits eine Spendenzusage der Frank-Leyden-Stiftung erhalten, freut sich der Schulleiter der IGS, Georg Dumont. Tonja Hager hofft auf weitere finanzielle und tatkräftige Unterstützung, denn schon im Sommer sollen Besinnung und Austausch im Labyrinth den Alltagsstress vergessen lassen. Info Am 28. März wird Candolini zum Bildvortrag „Das Labyrinth – Mythos und Geschichte eines Menschheitssymbols“ um 19.30 Uhr im Wachenheimer Badehaisl erwartet. Er wird auch die IGS besuchen und sich die Fortschritte des Labyrinth-Projektes ansehen. Das Gemeinschaftsprojekt soll anschließend der Öffentlichkeit vorgestellt werden: Ab dem 13. April wird dazu in der Alten Synagoge in Deidesheim eine Ausstellung zu sehen sein.