Neustadt „Stairway To Heaven“ mal mit Harfe und Cello

«Neustadt.» Nach 2012 waren das US-Duo „Acoustic Eidolon“ und der Harfenist Thomas Loefke am Freitag zum zweiten Mal Gast des Kulturvereins „Wespennest“. Wie damals schafften es die drei Musiker, das Publikum im vollbesetzten Raum im Wirtshaus „Konfetti“ mit ungewöhnlichen Klängen zu verzaubern.
„Acoustic Eidolon“ besteht aus dem Ehepaar Hannah Alkire und Joe Scott. Die beiden stammen aus Colorado und machen seit 1998 zusammen Musik. Bei einem Festival irgendwo in Kanada lernten sie den Deutschen Thomas Loefke kennen, der dort mit seiner Gruppe „Norland Wind“ ebenfalls auf der Bühne stand. Schnell freundeten sich die drei an und beschlossen, auch weiterhin miteinander Kontakt zu halten. Loefke lud das Paar daraufhin nach Deutschland ein und organisierte hier ein paar Gigs. Die Zusammenarbeit klappte von Anfang an hervorragend, obwohl sie aus völlig verschiedenen stilistischen Ecken kommen. Loefke spielt Harfe und hat sich der Musik aus dem keltischen Nordwesten Europas verschrieben. Hannah Alkire singt und ist klassisch ausgebildete Cellistin, während Joe Scott ursprünglich als Gitarrist im Rockbereich unterwegs war und erst später ins akustische Fach überwechselte. Scott ist ein Meister seines Handwerks, der besonders mit einem extra für ihn entwickelten und gebauten Instrument die Aufmerksamkeit auf sich zieht: einer „double-neck Gutjo“. Das ist eine doppelhalsige Gitarre mit zweimal sieben Saiten, von denen die auf dem unteren Hals wie bei einem Banjo aufgereiht und gestimmt sind. Das gibt Scott die Möglichkeit, sie zur Melodieführung anzuschlagen, während er gleichzeitig auf dem oberen Hals mit der linken Hand die zugehörigen Bassakkorde greift. So entsteht der Eindruck, dass hier gleich mehrere Musiker am Werk sind. Dazu steuert seine Partnerin gefühlvoll gespielte, mitten in die Seele treffende Cellosounds bei, deren Wirkung Loefke mit weichen Harfenklängen sogar noch zu verstärken weiß. Das Repertoire besteht zu einem Großteil aus Eigenkompositionen, teilweise aber auch aus eigenwilligen Interpretationen bekannter Hits wie „Stairway To Heaven“ oder „Bohemian Rhapsody“, die schon deswegen hörenswert sind, weil man sie nur mit Gitarre, Cello und Harfe sonst wohl nie zu hören bekommt. Sich selbst feiern die Protagonisten mit der von Loefke verfassten Nummer „Friends Across The Ocean“, die der bisher einzigen gemeinsam eingespielten CD von 2010 ihren Namen gab. Gesungen wird relativ selten, wenn aber, übernehmen entweder Alkire („A Tree Finds His Voice“) oder Joe Scott („Billy Ray“) oder beide zusammen („Calling Of The Moor“) die Führungsstimme und beeindrucken mit ansprechenden gesanglichen Leistungen. Dass das deutsch-amerikanische Ensemble nicht nur poetisch-melancholische Stücke im Repertoire hat, sondern auch ordentlich aufs Gaspedal treten kann, bewies es mit dem von Joe Scott geschriebenen „Walking Stones“. Fazit: In „Acoustic Eidolon“ haben sich drei Individualisten zusammengefunden, die nicht nur über großes handwerkliches Können und sympathisches Auftreten verfügen, sondern auch in der Lage sind, aus den unterschiedlichen musikalischen Auffassungen eine ganz neue Richtung zu erschaffen.