Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Stadtrat begrüßt Pläne der Handwerkskammer

Rechts der Kreisel, von dem Speyerdorfer- und Louis-Escande-Straße abgehen. Zwischen beiden liegt das in Frage kommende Gelände.
Rechts der Kreisel, von dem Speyerdorfer- und Louis-Escande-Straße abgehen. Zwischen beiden liegt das in Frage kommende Gelände.

Dass die Handwerkskammer im Neustadter Osten ein Berufs- und Technologiezentrum bauen will, stößt beim Stadtrat auf große Unterstützung. Alle sehen darin große Chancen für die Stadt. Nun kann verhandelt werden.

Ende Juni hat die Vollversammlung der Handwerkskammer der Pfalz sich für ein Neubauprojekt in Neustadt entschieden. Als Standort vorgesehen ist ein Grundstück, das am Kreisel zwischen der Speyerdorfer- und der Louis-Escande-Straße liegt. 75 Millionen Euro will die Handwerkskammer investieren. Geplant ist ein zentrales Berufs- und Technologiezentrum für die Vorderpfalz. Im Gegenzug sollen die Bildungszentren in Ludwigshafen und Landau aufgegeben werden. Geplant ist auf dem 25.000 Quadratmeter großen Grundstück eine Art „Hochschule des Handwerks“ mit Campuscharakter.

Oberbürgermeister Marc Weigel betonte am Dienstagabend im Stadtrat, dass er sich von dem Projekt eine „Strahlkraft für Neustadt“ und die Chance erhoffe, „dass sich Handwerker in der Stadt niederlassen“. Das Zentrum werde jährlich rund 11.000 Menschen zur Aus- und Weiterbildung nach Neustadt bringen, die „hier übernachten und konsumieren“. Außerdem entstünden 70 bis 80 Arbeitsplätze. „Einziger Nachteil“ laut Weigel: „Eigentlich sind wir aufgrund unseres Mangels an Flächen daran interessiert, Gewerbebetriebe anzusiedeln.“ Dies sei mit Blick auf die Gewerbesteuereinnahmen wichtig. Bei der Handwerkskammer werde keine Mehrwertsteuer fließen, „trotzdem sehe ich in dem Projekt einen großen Mehrwert für die Stadt“.

Stärkung des Bildungsstandorts

Diese Einschätzung teilten die Sprecher der Fraktionen. Elke Kimmle (Grüne) sprach von einem „Glücksfall für Neustadt“ – insbesondere auch im Zusammenspiel mit der örtlichen Berufsbildenden Schule. Zugleich äußerte sie einige Wünsche mit Blick auf die Gestaltung des Neubaus an die Adresse der Handwerkskammer: geringer Flächenverbrauch, Photovoltaikanlage, hundertprozentige Versickerung des Regenwassers auf dem Gelände. Sie erhoffe sich einen in die Zukunft gerichteten Neubau, der alle ökologischen Erfordernisse berücksichtige.

Jetzt geht es um den Preis

Christoph Bachtler (FWG) sprach von einem „tollen Erfolg“, der die Stadt als Bildungsstandort stärke. Auch er hielt den Verzicht auf Gewerbesteuereinnahmen für vertretbar. Er hoffe vielmehr auf einen „Werbeeffekt“, weil in der Stadt dann mehr los sei und es auch zu Ansiedelungen komme. Auch Pascal Bender (SPD) unterstrich die Möglichkeit, „sich als Bildungsstandort zu profilieren“. Zumal man ja „auf der Suche ist, wofür Neustadt steht“. An die Adresse der Grünen meinte er: „Das ist noch ein langer Weg. Wir dürfen nicht so viel fordern, sondern müssen es konstruktiv begleiten.“ Patrick Henigin (CDU): „Das stärkt die Berufsbildende Schule und das Handwerk exorbitant.“ Matthias Frey (FDP) sprach von einer „außerordentlichen Chance“, da Aus- und Weiterbildung immer wichtiger würden. Wie Bender kritisierte er Kimmles Aussagen: „Das waren so viele Ketten und Bandagen, mit so einem Investor geht man anders um.“ Rainer Grun-Marquardt verteidigte seine Fraktionssprecherkollegin Elke Kimmle: Der Stadtrat habe für das Gebiet, an dem die Handwerkskammer interessiert sei, Kriterien aufgestellt: „Und wir achten darauf, dass diese erfüllt werden.“

Mit dem einstimmigen Beschluss ermächtigt der Stadtrat die Verwaltung, die Konditionen für den Verkauf der Gewerbefläche auszuhandeln. Ziel sei, darüber dann im Herbst zu beraten. Weigel war zufrieden: „Ich rufe die Handwerkskammer dann gleich an. Ich freue mich auf das Projekt.“

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