Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Stadt sucht weiter nach Standort für Taubenschlag

Die Tauben, die nicht mehr im IBAG-Tunnel sind, scheinen ihr neues Plätzchen auf den umliegenden Dächern und Fensterläden gefund
Die Tauben, die nicht mehr im IBAG-Tunnel sind, scheinen ihr neues Plätzchen auf den umliegenden Dächern und Fensterläden gefunden zu haben.

Tauben aus der Neustadter Innenstadt und aus dem IBAG-Tunnel vergrämen – kein einfaches Unterfangen. Noch immer sucht die Stadt nach Taubenschlägen. Und trotz jüngster Arbeiten im Tunnel, hat sich die Situation dort kaum verbessert.

Fünf Orte innerhalb der Stadt haben Vertreter der Stadtverwaltung sowie Mitglieder des Vereins Waldschatten vor Kurzem gemeinsam aufgesucht. 402 Tiere wurden gezählt. Jedoch, so teilt die Stadt auf Anfrage mit, ist nach Berechnungen der Waldschatten inklusive einer Dunkelziffer und einer „Abweichquote“ sogar mit 720 Tieren zu rechnen. „Das sagen auch die Experten“, sagt Dagmar Staab vom Stadtmarketing.

Damit die Anzahl der Tiere nicht völlig überhand nimmt, und um den Dreck, den sie hinterlassen, einzudämmen, sucht die Stadt mit Unterstützung der Ehrenamtlichen nach Standorten für mögliche Taubenschläge oder -häuser. Das Ganze geht auf einen Prüfauftrag der CDU-Fraktion zurück, die wiederum von Verona Zöller vom Stadttaubenprojekt Rhein-Neckar angesprochen worden war. Zöller ist der Meinung, dass die Tauben aus der Innenstadt vergrämt werden sollen – jedoch brauchen sie dafür eine alternative Bleibe.

Wer bietet Fläche an?

Ideal seien Taubenschläge auf Dachböden oder Taubentürme, da die Tiere dort artgerecht gefüttert werden könnten, berichtete die Tierschützerin Anfang Oktober im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Und weil dort die Population der Tauben in Schach gehalten werden könne, da die Eier durch Gipsattrappen ausgetauscht würden. Zudem würden die Ehrenamtlichen des Stadttaubenprojekts die Verschläge regelmäßig säubern.

Einen geeigneten Standort zu finden, ist nach Angaben der Stadtverwaltung aber gar nicht so einfach. „Deshalb sind wir auch für Hinweise von Bürgerinnen und Bürgern auf geeignete Stellen dankbar“, so Staab. Wer zum Beispiel seinen privaten Dachstuhl oder eine Freifläche anbieten möchte, kann sich per E-Mail an die Stadt wenden: ordnung@neustadt.eu.

IBAG-Tunnel bleibt Problem

Parallel dazu nehme das Ordnungsamt Kontakt mit Firmen auf, die Taubenhäuser und -schläge bauen. Außerdem stehe die Stadt in Kontakt mit anderen Kommunen, die bereits über solche „Taubenangebote“ verfügen. Ziel sei es, im Frühjahr einen geeigneten Standort zu haben, denkbar seien auch mehrere, die dann von Ehrenamtlichen betreut werden sollen.

Doch nicht nur in der Innenstadt sind die vielen Tauben immer wieder ein Problem. Seit Jahren ist das auch im IBAG-Tunnel in Branchweiler der Fall. Sowohl die Deutsche Bahn (DB) als auch die Stadt versuchen seit langer Zeit, die Tiere von dort mit verschiedenen Maßnahmen zu vergrämen. Der Erfolg ist – wenn überhaupt – überschaubar. Ende Juli hatte eine Spezialfirma im Auftrag der DB Netz Agentur den Tunnel „taubensicher“ gemacht. Doch die Tiere verharrten dort auch im August noch. „Tatsächlich ist es gemäß der Erfahrungen der ausführenden Firma so, dass die Tauben noch mehrere Wochen versuchen, an die alten Nistplätze zu gelangen. Dann erfolgt wohl offensichtlich die Einsicht – und die Population sucht sich ein neues Terrain“, hatte die Bahn damals mitgeteilt.

Kot auf der Straße

Das scheint aber nicht der Fall zu sein. So berichtet etwa Leserin Sandra Papp: „Ich kann Ihnen mitteilen, dass sich die Tauben weder verzogen haben, noch dass es weniger werden. Ganz im Gegenteil, ich habe das Gefühl, dass es wieder mehr werden.“ Anhand der Dreckspuren auf der Straße sei auch ersichtlich, dass die Tauben von einem Ende des Tunnels in der Zwischenzeit wieder den ganzen Tunnel für sich beanspruchten.

Ein Besuch vor Ort bestätigt diesen Eindruck: Vor allem unter den Lampen, auf denen spezielle Abwehrspikes, also eine Art Nägel, angebracht wurden, sitzen die Tauben vereinzelt. Die Kotspuren auf der Straße liegen genau darunter. Papp, die nach eigenen Angaben fast täglich zur Arbeit radelt, befürchtet, dass ihr irgendwann ein Tier auf den Kopf macht.

Stadt prüft Tunnel-Situation

Für die Deckenlampen ist die Stadtverwaltung zuständig. Mitarbeiter der Tiefbauabteilung hätten vergangene Woche die verbaute Taubenabwehr betrachtet, wie Dagmar Staab vom Stadtmarketing mitteilt: „Als nächstes steht nun die Entscheidung an, ob und gegebenenfalls wie nachgebessert werden kann.“

Ein Teil der Tiere scheint von den Maßnahmen im Tunnel tatsächlich abgeschreckt worden zu sein, wie ein Blick in die Seitenstraße vor dem Tunnel zeigt: Dort sitzen die Tiere nun auf den Fensterläden oder direkt darüber, auf der Dachrinne. Beschwerden von Anwohnern habe es aber deshalb noch keine gegeben, sagt die Stadt.

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