Neustadt St. Martin/Landau: Winzertochter als Comedian in der alten Heimat
Wie eine waschechte Pfälzerin klingt Petra Binder im Gespräch wirklich nicht. Das Schwäbische bricht sich deutlich Bahn. Dabei wurde die Comedy-Künstlerin vor 59 Jahren eigentlich als Winzertochter in St. Martin geboren. Doch ein tragisches Unglück in der Familie verschlug sie nach Württemberg, wo sie inzwischen als Teil des Kabarettduos „Dui do on de Sell“ im Fernsehen auftritt und große Säle füllt. Das wünscht sie sich am Freitag auch für die Jugendstilhalle in Landau, bei ihrem allerersten Auftritt in der alten Heimat.
Binder, die damals noch ihren Mädchennamen Kienle trug, kam 1963 mit noch nicht einmal vier Jahren als Vollwaise zu einem Onkel im Stuttgarter Raum – nachdem sowohl ihre Mutter als auch ihr Vater kurz hintereinander einem Herzinfarkt erlegen waren. So wurde aus der Pfälzerin eine Schwäbin, auch wenn der Kontakt in den Ort ihrer Geburt immer erhalten geblieben sei, wie sie sagt – zwei Brüder wohnen auch heute noch in der Pfalz, in St. Martin und Burrweiler. Letzterer ist als Winzer sogar in die Fußstapfen der Eltern getreten.
Will den Pfälzern zeigen, was sie kann
„Ich habe immer noch Heimatgefühle, wenn ich nach St. Martin komme“, betont Binder. Umso größer ist ihre Freude, dass sie den Pfälzern jetzt endlich zeigen kann, was aus ihr geworden ist. „Mit dem Auftritt in Landau geht ein großer Traum für mich in Erfüllung“, erklärt die 59-Jährige, die sich selbst gerne als schwäbisch-pfälzischen „Mischling“ bezeichnet und von den „zwei Herzen“ in ihrer Brust spricht. Wobei sie aber keinen Zweifel daran lässt, was sie ihrer Wahlheimat Baden-Württemberg verdankt. Hier verwirklichte die gelernte Kauffrau als Teil der Stuttgarter Mundartbühne „Stäffelesrutscher“ in den 90er Jahren ihren alten Herzenswunsch, Theater zu spielen. Hier entstand 2002 aus purem Zufall auch das Duo „Dui do on de Sell“ mit Partnerin Doris Reichenauer. Und hier, in Wildberg im Nordschwarzwald, lebt sie bis heute mit ihrem Mann. Auch ihre beiden erwachsenen Töchter sind nicht weit. Mann und Kinder kommen auch im Programm „Reg mi net uf“ vor, das Binder und Reichenauer für ihren ersten Auftritt in der Pfalz ausgewählt haben. Es ist das fünfte von mittlerweile sechs, die alle mehr oder weniger dem gleichen Muster folgen: Immer geht es um Alltagsprobleme, wie sie jeder kennt, die Wechseljahre, die Schwiegereltern, die mulmige Aussicht, plötzlich Oma zu werden, das Überraschungsfest für den Ehemann, der Überraschungen eigentlich hasst. Bei „Reg mi net uf“ ist es der Vorruhestand der „besseren Hälften“, der Binder und Reichenauer als Ausgangspunkt für ihren Rundumschlag dient. Den könne im übrigen wirklich jeder verstehen, nimmt Binder auch noch gleich allen Befürchtungen wegen des Dialekts den Wind aus den Segeln. Denn es handele sich bei dem ihren um ein ganz gemäßigtes Schwäbisch, mit dem sie auch in Bayern, Österreich und der Schweiz gut verstanden würden. „Mir kommet schließlich net von de Alb.“
Die ähnd und die anner’ übersetzen
Aber was bitteschön bedeutet dann dieses „Dui do on de Sell“? „Im Pfälzischen würde man das mit ,Die ähnd und die anner’ übersetzen“, schmunzelt Binder. Womit sich schon im Titel ausdrückt, was man im Programm bekommt: zwei Frauen, die sich die kabarettistischen Bälle zuwerfen. Die wie Yin und Yang oder schwäbisch ausgedrückt: wie Linsen und Spätzle zusammenpassen, wie die Homepage des Duos verspricht. Wie es überhaupt dazu kam, ist aber eine jener schönen Geschichten, die nur das Showbiz schreibt. Weil die Aufführung ihres Amateurtheaters ausfiel, die Bühne aber schon gebucht war, schlüpften Binder und Reichenauer 2002 spontan in die Rollen zweier Putzfrauen und traten einfach ohne die Kollegen auf. „Wenn man es geplant hätte, hätte es bestimmt nicht geklappt“, blickt Binder heute lachend zurück und hebt zugleich hervor, dass es seitdem einfach toll für sie beide laufe, „In Baden-Württemberg füllen wir Tausenderhallen ohne Probleme.“ In Landau seien bislang aber leider erst 350 Karten verkauft.
Termin
Petra Binder und Doris Reichenauer („Dui do on de Sell“ ) stellen ihr Programm „Reg mi net uf“ am Freitag, 8. Februar, 20 Uhr, in der Jugendstilhalle in Landau vor. Karten (27,50 Euro) unter Telefon-Hotline 0711/2555446, www.reservix.de und an allen bekannten Vorverkaufsstellen.