Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Sprachlich fit für den Job: Deutschkurs speziell für Pflegeazubis aus dem Ausland

Bekommen von Annette Quantz (Mitte) genau die Sprachförderung, die sie für ihren Einsatz als künftige Pflegefachkräfte brauchen:
Bekommen von Annette Quantz (Mitte) genau die Sprachförderung, die sie für ihren Einsatz als künftige Pflegefachkräfte brauchen: die Auszubildenden aus Indien, Marokko, dem Senegal, Uganda, Venezuela und Albanien.

Immer mehr Auszubildende in der Pflege kommen aus dem Ausland. Sie müssen nicht nur Fach-, sondern auch anspruchsvolle Deutschkenntnisse erwerben. In Neustadt unterstützt sie dabei ein Sprachkurs , der speziell auf die Bedürfnisse ihrer Berufsgruppe abgestimmt ist.

Pflegefachkräfte sind Kommunikationstalente, die im Berufsalltag vom Fachaustausch mit dem Arzt in ein persönliches Gespräch mit dem Patienten wechseln müssen – letzteres hierzulande oftmals auch noch auf Pfälzisch. Für die zunehmende Anzahl ausländischer Auszubildender in Pflegeberufen ist die Sprache in Deutschland einerseits Schlüssel für Integration und Erfolg im Beruf, andererseits eine große Herausforderung. Vor allem in der derzeitigen Klausurenphase in der Berufsschule.

Am Bildungszentrum für Berufe im Gesundheitswesen in Neustadt sind mehr als die Hälfte des aktuellen Kurses eingewandert. „Wir bekommen viele Bewerbungen aus dem Ausland, die meisten sind hoch gebildet und haben zu Hause viel Geld in ihre Qualifikation investiert“, sagt Regine Meyer (CJD),

Angebotsleiterin berufliche Bildung. „Viele Azubis aus dem Ausland haben aber Angst, die sechsmonatige Probezeit ohne Unterstützung nicht zu schaffen“, weiß Nadine Scherer, Leiterin der Pflegeschule. Einige investierten bis zu 2000 Euro für private Sprachkurse, deren Zeiten sich aber oft schwer mit Dienstplänen und Schulunterricht koordinieren ließen.

Fachkräfte sichern

In Kooperation mit dem Bildungs- und Sozialunternehmen CJD hat sich das Bildungszentrum beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) um Fördermittel für einen Berufssprachkurs für Auszubildende (Azubi-BSK) beworben, mit dem das Bundesamt die Fachkräftesicherung unterstützen will. In diesem Jahr sind im Bundeshaushalt laut BAMF 319 Millionen Euro für Berufssprachkurse veranschlagt. Über 1000 Träger machen an rund 4800 Schulungsstätten mit. Für jeden Teilnehmer musste ein eigenes Profil eingereicht werden, das praktische Erfahrung, die Ausbildung im Heimatland sowie eine Bildungs- und eine Spracheinschätzung listet. Alle haben mindestens das B2-Sprachniveau nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen.

Seit Anfang Oktober nutzen wöchentlich 17 Azubis von 36 Ausbildungsträgern in der Region das Angebot. Der Bedarf liege deutlich höher. Der 90-minütige Kurs, der erst mal für ein Jahr läuft, letztlich aber die jungen Leute zwischen Anfang und Ende 20 durch die drei Jahre Ausbildung begleiten soll, umfasst bis zu 150 Stunden. Für die Unterrichtszeit werden die Azubis von ihren Arbeitgebern freigestellt. Ein Online-Plattform macht digitalen Unterricht möglich.

Schulstoff vertiefen

Es gehe darum, Berufs-, Fach- und Alltagssprache zu verbinden, Schlüsselkompetenzen zu fördern und Lernstrategien aufzuzeigen, sagt Lehrerin Annette Quantz (CJD). „Wir vermitteln zum Beispiel, wie man mit Patienten, Kollegen oder dem Chef redet.“ Quantz bringt als Fachwirtin im Gesundheits- und Sozialwissen Praxiserfahrung mit, hat aber auch Qualifikationen im pädagogischen Bereich sowie für Deutsch als Fremdsprache und ist vom BAMF für die Sprachkurse zertifiziert. Sie ist eng mit der Schule vernetzt, kennt Material und Hilfsmittel, sodass sie Themen und Fachsprache aus dem aktuellen Theorieblock aufgreifen kann.

Es brauche einen gewissen Wortschatz, um allein Prüfungsfragen richtig zu verstehen. „Wir schauen, was die Auszubildenden gerade brauchen, legen die Basis, stärken und ermutigen sie, die Ausbildung abzuschließen“, erklärt Quantz. Zuletzt ging es beispielsweise um die richtige Dokumentation und Prophylaxen, heute sind das Herz-Kreislauf-System und Adjektiv-Endungen dran, die im Deutschen je nach Position im Satz und Bezugswort angepasst werden müssen. Ganz nebenbei werden neue Vokabeln gemeinsam erschlossen und die Aussprache geübt.

Azubis sehen gute Chancen

Die Azubis sind teilweise schon seit dem Morgen im Dienst, machen am Montag aber bei der Grammatikübung einen äußerst motivierten Eindruck. Er habe sich wegen des überall anerkannten Abschlusses und des Ausbildungssystems mit Theorie und Praxis sowie Weiterbildungsmöglichkeiten für Deutschland entschieden, sagt ein junger Mann aus Marokko. „Deutschland hat eine reiche Geschichte und Kultur und bietet mir gute Chancen bei der beruflichen und persönlichen Entwicklung.“ Seine Mitschülerin aus Uganda findet vor allem die vielen Feste und deren Hintergrund in Neustadt spannend. Hier anzukommen, sei nicht immer einfach, aber es klappe, „wenn du jung bist und weißt, was du willst“.

Den Azubis gefällt, dass sie sich zusammen auf die Klausuren vorbereiten und viel über Beispiele erklärt wird. „So bleibt mehr im Kopf.“ Den Eindruck hat auch Lehrerin Quantz: „Es ist spannend, wie sich Einzelne schon nach so kurzer Zeit im Kurs entwickelt haben.“

Info

In Rheinland-Pfalz werden laut BAMF neben dem Azubis-BSK und den fachspezifischen Job-BSK noch berufsfeldübergreifende Kurse auf den Niveaustufen A2 bis C1 sowie BSK zur Anerkennung beruflicher Abschlüsse für angehende Ärzte, Zahnärzte, Apotheker und Pflegefachpersonal angeboten. Informationen für Arbeitgeber zum Job-BSK finden Sie hier, für Träger gibt es hier weitere Infos. Der fürs Land zuständige Standort ist Stuttgart, Kontakt per E-Mail an bsk.stuttgart@bamf.bund.de .

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