Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Sport mit Handicap: Evi Weis aus Deidesheim will Betroffenen helfen

Evi Weis liebt das Wandern in den Bergen.
Evi Weis liebt das Wandern in den Bergen. Foto: Weis/Privat

Als Evi Weis in einem Newsletter die Ausschreibung des Landessportbundes entdeckte, war ihr sofort klar: „Das ist genau mein Ding.“ Mittlerweile ist die Deidesheimerin offiziell eine von 14 Inklusionslotsen in Rheinland-Pfalz, die momentan auf ihre Anfang nächsten Jahres offiziell startende Aufgabe vorbereitet werden.

„Ich hatte auch nie einen Zweifel, dass meine Bewerbung Erfolg haben würde“, bekennt die 54-Jährige, die sich auch wegen ihres persönlichen Hintergrunds perfekt auf die neue Herausforderung vorbereitet fühlt. Seit einem Unfall mit 13 Jahren trägt sie eine Armprothese, und das „zuvor immer sportliche Mädel“ fühlte sich auf einmal richtig ausgebremst. „Ich habe mich einsam gefühlt und hätte zu diesem Zeitpunkt jemand gebraucht, der mich an die Hand nimmt und mir Wege zeigt, wie ich weiter Sport treiben kann.“ Also genau die Aufgabe, die jetzt auf die Inklusionslotsen zukommen wird, die als Netzwerker arbeiten, die Vereine unterstützen und als sportliche Ansprechpartner für Menschen mit Behinderungen tätig sein sollen.

Zu selten nämlich kommt es noch vor, dass Betroffene wie Evi Weis doch noch zum Sport finden. Die Verwaltungsfachangestellte begann „nachdem ich nach längerer Zeit meine Behinderung angenommen hatte“, ein Lauftraining und bewältigte 2002 ihren ersten von mehreren Marathonläufen. Mit vier- bis sechsmaligem Training pro Woche bei einem Umfang von bis zu 100 Kilometern bereitete sie sich in den Folgejahren auch auf Ultraläufe jenseits der klassischen 42,195 km-Distanz vor und absolvierte unter anderem zweimal den Supermarathon beim bekannten Rennsteiglauf in Thüringen. Leistungen, die vielleicht sogar einen Einstieg in die Para-Leichtathletik auf höherem Niveau möglich gemacht hätten, „aber die Paralympics haben mich als Ziel nie interessiert, obwohl ich darauf angesprochen worden bin“. Inzwischen gehört ihr Herzblut dem Bergwandern „von Hütte zu Hütte“.

Bei der TSG Deidesheim engagiert

Der Leichtathletik blieb sie dann auch nach ihrem Wohnortwechsel vor zehn Jahren aus dem südpfälzischen Kleinfischlingen an die Mittelhaardt treu, wo sie als Standesbeamtin begonnen hat. „Ich habe mich auch gleich bei der TSG Deidesheim gemeldet, auch wenn es hieß, da gibt es keine Langläufer“, blickt Evi Weis zurück, die in dem Mehrspartenverein mittlerweile die Abteilungsleitung übernommen hat. In der Verbandsgemeindeverwaltung umfasst ihr Aufgabenbereich die Volkshochschule und den Sport, wobei sie sich gerade intensiv mit dem Sportentwicklungsplan beschäftigt. Insgesamt Voraussetzungen, die auch die Findungskommission schnell überzeugten, wie Katharina Pape als die als Verantwortliche beim Landessportbund für das bislang in Deutschland in einem Flächenland einmalige Inklusionslotsenprojekt betont, „obwohl mir wesentlich mehr Bewerbungen bekommen haben als erwartet.“

Die Bewerbung aus Deidesheim war dabei eine der ersten auf ihrem Schreibtisch, und sie passte perfekt in den im Verlauf des Verfahrens erarbeiteten Kriterienkatalog. „Pro Region haben wir die Teams nach dem Prinzip Mann und Frau sowie Alt und Jung und mit besonderem Blick auf den Nachwuchs zusammengestellt“, erläutert Pape die Auswahl auch in der auf drei Bezirke eingeteilten Pfalz. Zusammen mit dem Laumersheimer Sascha Naumer betreut Evi Weis den Bereich Vorderpfalz mit den Landkreisen Bad Dürkheim und Rhein-Pfalz sowie die Städte Frankenthal, Ludwigshafen und Speyer. Die Stadt Neustadt und deren Umland zählt zur Region Süd- und Südwestpfalz im Zuständigkeitsbereich von zwei ebenfalls gemeinsam arbeitenden Inklusionslotsen aus Landau und Mackenbach. Dem gegenseitigen Kennenlernen auch mit den beiden für die Nordpfalz zuständigen Kolleginnen und Kollegen diente im Mai eine Auftaktveranstaltung in Mainz, dem in den nächsten Wochen weitere Schulungen in Bad Kreuznach und Ingelheim folgen werden.

Großes Gebiet, neue Aufgabe

„Es ist ein großes Gebiet und eine neue Aufgabe, aber wir werden entsprechende Unterstützung leisten und das Wissen vermitteln“, verspricht Katharina Pape. „Die Inklusionslotsen sollen bestehende Barrieren einreißen, in den Köpfen der betroffenen Menschen, aber auch strukturell.“

Die rechtliche und finanzielle Grundlage bildet ein Minijob-Vertrag, regelmäßige Bedarfsmeldungen an den Landessportbund sind vorgesehen. Man gehe dabei von einem Einsatz von etwa acht Stunden pro Woche aus, meint die LSB-Verantwortliche. „Wir fördern dabei aber eine größtmögliche Flexibilität. Denn wir brauchen in erster Linie 14 kreative Köpfe, um neue Ideen zu entwickeln und umzusetzen“, sagt Pape. Und spätestens bei diesen Worten bekommt man den Eindruck, die daneben sitzende Evi Weis kann es gar nicht mehr erwarten, bald loslegen zu können. Einige Wochen aber wird sie sich noch gedulden müssen.

Die Serie: Sport mit Handicap

Sport mit Handicap – das ist der erfolgreiche Paralympic-Teilnehmer und körperbehinderte Spitzensportler oder die Starterin bei den weltweiten Special Olympics ebenso wie die Übungsleiter und Teilnehmer an Reha- und Freizeitangeboten sowie an integrativen und inklusiven Sportgruppen. Über die ganze Palette des Angebots in der Region will unsere Serie informieren. Haben wir ein Angebot oder eine(n) Sportler oder einen Verein vergessen? Dann informieren Sie uns per E-Mail unter redneu@rheinpfalz.de.

x