Neustadt Spontanes Picknick in den Weinbergen
«Deidesheim.» Aus Schweden, Polen, Ungarn und den Niederlanden sind sie angereist, und das per Bus, Bahn, Flugzeug oder mit dem Auto – und trotzdem standen sie alle am Donnerstag um 19 Uhr pünktlich bei Friederike Zeit in Deidesheim auf der Matte: Die Rede ist von den fünf Gastkünstlern, die bei der 15. Auflage des internationalen Künstlersymposiums „Intonation“ bis Sonntag kommender Woche das Zeit’sche Atelier und die ehemaligen Synagoge bespielen.
Gestern ging dann die gemeinsame Arbeit los, voll konzentriert und etwas früher als gewohnt, denn das SWR-Fernsehen hatte sich für Dreharbeiten angekündigt. „Sie haben es mit Fassung getragen, dass ich sie so zeitig wecken musste“, sagt Zeit lachend. Andererseits bleibe so ja auch mehr Zeit für die kreative Arbeit – wollen doch 60 Kilogramm Porzellan und eine Tonne Ton in den zur Verfügung stehenden zehn gemeinsamen Arbeitstagen verarbeitet werden. Wie schon in den Vorjahren setzt Friederike Zeit bei der Zusammenstellung ihrer Gäste wieder auf die bewährte Mischung aus alten Bekannten und neuen Gesichtern: So ist Kirsten Jäschke aus Dresden nach ihrer Premiere vor elf Jahren jetzt zum zweiten Mal in Deidesheim dabei, József Zakar aus Ungarn bereits zum dritten Mal. Sie arbeiten gemeinsam mit ihren beiden Gastgebern Friederike Zeit und Svein Narum im Zeit’schen Atelier im Deidesheimer Schloss. „Es ist einfacher wenn Leute dabei sind, die die Infrastruktur und die Abläufe kennen. So können wir besser und schneller durchstarten“, so Zeits Erfahrung aus 15 Jahren. Die drei „Neuen“, Jennifer Forsberg aus Schweden, Michal Puszczynski aus Polen und die gebürtige Irin Deidre Mcloughlin, teilen sich die nach der Brandsanierung wieder zur Verfügung stehende ehemaligen Synagoge. „Wir sind froh, dass wir da wieder reinkönnen“, sagt Zeit, die in den vergangenen zwei Jahren ins benachbarte Weingut Dr. Kern ausweichen musste. „Gerade Kirsten Jäschkes filigrane Porzellanarbeiten passen wunderbar in das ehrwürdige Gebäude mit den phantastischen Lichtverhältnissen“, sagt Zeit. Auch die weißen geschmolzenen Berge von Jennifer Forsberg bekämen in den Räumen eine beinahe sakralen Charakter. Den passenden Kontrapunkt lieferten die großen, kräftigen Arbeiten von Michal Puszczynski. „Eine tolle Mischung“, sagt Zeit und meint damit auch die Gruppe insgesamt: „Die Chemie hat von Anfang an gestimmt.“ So habe man beim gemeinsamen Frühstück gestern im Hof des Zeit’schen Ateliers spontan ein Picknick in den Weinbergen beschlossen, denn „das perfekte Wetter müssen wir ausnutzen“. Dass neben der gemeinsame Arbeit und einer guten Mischung künstkerischer Aussagen und Stilrichtungen auch der zwischenmenschliche Aspekt nicht zu kurz kommt, ist nicht zuletzt das Resultat der akribischen Vorbereitung: „Es dauert etwa zwei Jahre, bis ich jemanden einlade“, erklärt Zeit. Über die intensive Recherche im Kollegenkreis stelle sich dann recht zuverlässig heraus, wer zum Rest der Truppe passen könnte. Davon, wie die sieben Künstler gemeinsam arbeiten, können sich die Besucher der „Intonation“ unter der Woche ein Bild machen: Dann stehen die Teilnehmer für Gespräche zur Verfügung. Zu sehen sind überdies einige der bereits fertigen Exponate, die die Teilnehmer mitgebracht haben. 2004 sei sie nach der spontanen Idee, ein internationales Künstlersymposium ins Leben zu rufen, ins kalte Wasser gesprungen, sagt Zeit. Obwohl sie die Organisation zwischenzeitlich professionalisiert habe, sei der Aufwand zwar hoch, aber lohne sich immer wieder. Die 15. Auflage will sie deshalb zusammen mit Freunden und Förderern der „Intonation“ am Freitag in und um ihr Atelier feiern. Noch Fragen? Bis Freitag, 5. April, können interessierte Besucher den Teilnehmern der „Intonation“ jeweils von 15 bis 18 Uhr in der Galerie Friederike Zeit und in der ehemaligen Synagoge in Deidesheim bei der Arbeit über die Schulter schauen. Anmeldung zum Fest am Freitag, 5. April, ab 18 Uhr unter 06326/5967. Weitere Informationen unter www.intonation-deidesheim.de.