Neustadt
Spendenlauf: Wehrleute wandern von Neustadt nach Mayschoß
Für manch einen mag es wie eine aberwitzige Idee klingen, für vier Einsatzkräfte der Neustadter Feuerwehr ist es ihre Art, Geld für Freunde zu sammeln. „Wir wollen nicht, dass die Menschen in Mayschoß in Vergessenheit geraten“, erklärt Organisator Nermin Canetovic, warum er mit seinen Kameraden vom Löschzug Drei – Dominik Lösch, Felix Rusche und Sascha Köppler – einen rund 290 Kilometer langen Spendenmarsch in die Eifel unternimmt. Auch über ein halbes Jahr nach der Flutkatastrophe wollen die Wehrleute den Menschen in der Gemeinde – für die Neustadt eine Art Patenschaft übernommen hat – helfen.
Alle vier werden in Einsatzkleidung wandern, damit sie auch entsprechend gesehen werden. Das Ziel: 250.000 Euro auf dem Spendenbarometer, zu denen aktuell noch 35.000 Euro fehlen. Geplant war zunächst, den 190 Kilometer langen Weinsteig abzulaufen, „dann dachten wir uns, legen wir doch noch mal 100 Kilometer drauf und wandern nach Mayschoß“, so Canetovic, der mit seinen 43 Jahren der älteste in der Runde ist.
30 Kilometer pro Tag
Losgehen soll es am 14. April, Gründonnerstag. Erster Halt: Ludwigshafen. „Wir werden rund 110 Feuerwehren auf unserem Weg besuchen. Bei manchen werden wir zu Mittag essen, bei anderen übernachten“, berichtet Canetovic. „Dort duschen zu dürfen, wäre natürlich Luxus.“ Vorgenommen haben sie sich rund 30 Kilometer pro Tag. Nach ein paar Übungsläufen rechnen sie mit einem Schnitt von 5,4 Kilometern pro Stunde und sechs bis sieben Stunden Gehzeit. Wobei die letzte Strecke – von Sinzig nach Mayschoß – kürzer ist als die anderen. „Da sind wir natürlich schon mitten im Ahrtal und werden entsprechend länger bei jeder Feuerwehr verweilen.“
Bis Ostern sind es noch ein paar Wochen, trainiert wird aber schon jetzt. So sind die vier vergangene Woche bereits in voller Feuerwehrmontur nach Speyer gelaufen, außerdem auf das Weinbiet und zur Wolfsburg hoch. 35 Kilogramm mehr als sonst haben die Wehrleute dann „auf den Rippen“, allein die Sauerstoffflasche wiegt 17 Kilo. Und auch der zwei Kilogramm schwere Helm darf nicht unterschätzt werden, wie der Feuerwehrmann feststellen musste: „Bei einem Einsatz von einer halben Stunde merkt man den nicht groß. Hat man ihn über fünf Stunden auf, geht das doch ganz schön in den Nacken.“ Natürlich dürfen auch zwei Liter Flüssigkeit nicht fehlen. Einzig die Schuhe sind nicht Feuerwehr-tauglich: „Wir laufen in Sport- oder Wanderschuhen“, so Canetovic. „Da freuen wir uns natürlich über Sponsoren, denn wir werden garantiert zwei Paar Schuhe kaputtlaufen, allein wegen des Gewichts.“
Mitläufer willkommen
Stichwort Sponsoren: Schon jetzt sei die Unterstützung für das Vorhaben so phänomenal, dass es ihm die Tränen in die Augen getrieben habe, so Canetovic. „Uns haben viele Anfragen erreicht, ob man noch etwas anderes als Geld spenden kann, zum Beispiel Brötchen für unterwegs.“ Darüber hinaus hätten sich auch einige Restaurants entlang des Wegs gemeldet und angeboten, den Feuerwehrleuten einen Platz zu reservieren.
Dass das Vorhaben weit über die Stadtgrenzen hinaus Anklang findet, zeigt sich auch darin, dass die Berufsfeuerwehr Hannover angekündigt hat, eine Teilstrecke mitzulaufen. Überhaupt seien Mitläufer willkommen, so Canetovic. „Für die Mayschoßer Wehr ist das natürlich Ehrensache.“ Was deren Wehrleiter Berthold Ulrich bestätigt. Die Aktion der Neustadter Kameraden findet er super, „um nicht zu sagen verrückt“, wie er lachend am Telefon sagt. Wenn alles klappt, werde eine kleine Delegation aus Mayschoß zum Start nach Neustadt kommen, gesetzt sei das Mitlaufen auf der letzten Etappe. Natürlich sind auch die Neustadter Löschzüge am Start: Sie stellen praktisch eine 24-Stunden-Versorgung sicher, indem sie mit einem Fahrzeug vor Ort sind und jeden Abend ein Nachtlager aufbauen.
Übergabe Ende April
Die vier Neustadter Feuerwehrkameraden sammeln also Geld entlang der Strecke. Doch auch jeder andere kann mit einer Spende auf das Neustadter Konto die Aktion unterstützen. Nach dem Lauf soll das Spendenkonto nach Angaben der Stadt geschlossen, der Gesamtbetrag in Mayschoß übergeben werden. Termin dafür könnte direkt im Anschluss am Samstag nach Ostern sein, endgültig steht dieses Datum aber noch nicht fest.
Bis zum Frühjahr könnte auch klar sein, wie genau die Neustadter Spende verteilt werden soll. Zählen sollen vor allem soziale Kriterien, Härtefälle sollen also abgemildert werden. Noch aber ist laut Mayschoßer Krisenstab nicht endgültig klar, welche Hilfssummen letztlich von staatlicher Seite und den Versicherungen fließen werden.