Neustadt Sonore Weltreise

«Deidesheim». Ganz CO2-frei kamen am Samstagabend einige tausend Reisekilometer zusammen beim Frühlingskonzert der Kolpingkapelle Deidesheim unter Leitung von Sebastian Lastein. Die Musikerinnen und Musiker flogen, marschierten und tanzten mit ihren Gästen in der Deidesheimer Stadthalle rund um den Erdball, dass es eine Freude war und der Saal zum Schluss regelrecht tobte. Auch das Jugendblasorchester hatte seinen Auftritt.
Die Musiker stehen nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Saal verteilt. Ein Raunen geht durch die Reihen der Gäste. Die Ersten stehen auf, um besser zu sehen, da fegt die Kapelle auch schon los. „Party Rock yeah, woo, let´s go“. Einige der Musiker haben sich Perücken und Sonnenbrillen angezogen und beginnen nun, mit ihrer Musik durch den Saal zu wandern. So unkonventionell und fetzig sich die Musiker zum Schluss mit dem „Party Rock Anthem“ präsentierten, so mitreißend war das ganze Konzert. Die Jugend im Alter zwischen 10 und 13 Jahren begann die Reise in Europa mit einem gefälligen, ersten Teil von „Five Continents“ des Komponisten Kees Vlak, den auch die Kolpingkapelle später mehrfach im Repertoire hatte. In Vlaks Komposition klingen bekannte Volksmusikausschnitte europäischer Länder an. Das beliebte „Ranger Rock“ von Brian Connery wird ebenfalls gekonnt in Szene gesetzt. Die schönsten geistigen Bilder entstehen jedoch beim „Kamelritt“ durch die Wüste mit „Sunset on the Sahara“ von Tom Molter durch die im Spiel leicht hin- und herwiegenden Jungmusiker. Vielseitig folgt die Kolpingkapelle, die auf einen langjährigen Musikerstamm zurückgreifen kann. In Transsilvanien beginnt ihre Reise düster mit dem „Tanz der Vampire“. Doch danach wird es heiter. Denn es geht weiter ins feurige Ungarn mit der „Kleinen Ungarischen Rhapsodie“ von Alfred Bösendorfer, einem Pseudonym, hinter dem sich ebenfalls der 2014 verstorbene Niederländer Kees Vlak verbirgt. Bevor der „Treibstofftank“ seiner Musiker fürs erste leer sei, schließt Lastein noch Italien an. Da können die Bläser dann zum „Florentiner Marsch“ von Julius Fucik beschwingt in die Pause „marschieren“. Nach derselben verlegt der Dirigent sein Reiseziel mit Markus Götzs „Adventure“ aufs „Piratenschiff“. Heldenhaft stürzen sich die Musiker in das sonore Schlachtgetümmel, facettenreich werden Tonkämpfe ausgefochten, Stürme überwunden. Schwerere Kost folgt mit den „Highlights from Exodus“ von Ernest Gold, der Musik zum US-Spielfilm „Exodus“ über KZ-Überlebende, die per Schiff eine neue Heimat suchen. Danach der Wechsel in die Neue Welt: In „Oregon“ von Jacob de Haan wird mit Western- und Rockrhythmen auf den abenteuerlichen Zug gen Westen aufgesprungen. Und „Las Playas de Rio“, erneut von Vlak, entführt melodisch an die drei weltberühmten Strände von Rio de Janeiro, Trocadero, Ipanema und Copacabana, wo sich die Gäste der Stadthalle mit etwas Fantasie den Sonnenuntergang vorstellen können. Derweil ist die Sonne vor der Stadthalle tatsächlich längst untergegangen, als die Besucher nach einem tollen Konzert und mehreren Zugaben nach Hause wandeln.