Neustadt So lief das Jahr 2020 für unsere Leser
Wenn eines deutlich wird bei den Antworten auf die Frage, wie das Corona-Jahr für unsere Leserinnen und Leser gelaufen ist, dann das: Es war nicht alles schlecht. Sie berichten von neuen Lebensabschnitten, Verlusten, aber auch von schönen Erinnerungen an Reisen vor dem Lockdown und von Zuversicht.
Neues Jahr, neuer Nachname
Für Marianne Gerhardt aus Neustadt war 2020 ein besonderes Jahr. Denn sie ist als Marianne Schneider hineingestartet. Die 64-Jährige hat im Juni geheiratet und den Namen ihres Mannes übernommen, der ihr im Oktober 2019 einen Antrag gemacht hatte. Dabei war die Terminfrage gar nicht so leicht zu lösen. Der erste Trautermin im Dezember 2019 fiel aus familiären Gründen aus, der zweite im April aus gesundheitlichen. Ihr Mann musste in die Klinik. „So konnten wir nur via Video kommunizieren, da Corona auch noch dazu kam; Wäsche musste ans jeweilige Klinikum gebracht werden … eine schwere Zeit“, resümiert Gerhardt.
Darüber hinaus stand eine Wohnungsauflösung an: „So krempelte ich die Ärmel hoch, besorgte Bananenkartons und räumte die Wohnung, so gut ich konnte, mit Hilfe meines Sohnes aus.“ Im Juni klappte es dann endlich mit dem großen Tag. „Die Hochzeit, die meine Schwester ursprünglich in ihrem großen Haus ausrichten wollte, fand im kleinen Rahmen statt, sprich mit zehn Personen und mit Masken.“ Gefeiert wurde im Restaurant „Drei Engel“ in Winzingen. „Die Wirtsleute waren sehr freundlich, machten alles möglich, was ging, und das Essen war einfach klasse!“, lobt die Neustadterin. Im angrenzenden Biergarten verbrachte die Familie den Nachmittag bei Getränken und Eis. „Somit kam doch noch alles zu einem guten Ende“, sagt Gerhardt.
Zuversicht trotz Schicksalsschlägen
„Das Jahr fing mit meinem 80. Geburtstag und 80 Gästen sehr schön an“, erinnert sich Hans Georg Gerst aus Maikammer. Mit einer Spende in Höhe von 1500 Euro konnte er die Sterntaler unterstützen. „Dann am 30. März 2020 der große Schock: Ich wurde im Krankenhaus Ludwigshafen positiv auf Corona getestet.“ Die Infektion überstand der Maikammerer. Jedoch kamen schwere Schicksalsschläge hinzu: „Im September starb meine 77-jährige Schwester und im November mit 55 Jahren unser Sohn Frank.“ Das Jahr 2021 könne nur besser werden, sagt der Seniorenbeauftragte der Ortsgemeinde Maikammer und übt sich in Zuversicht.
Ein Jahr mit zwei Seiten
Das Jahr hatte für Jutta Wennagel aus Deidesheim zwei Seiten – „wie alles im Leben“. „Ich fand es ganz traurig, unsere beiden Enkel nicht mehr zu sehen. Den wichtigen Lebensabschnitt zwischen 1,5 und 2,5 Jahren nicht so intensiv miterleben zu können wie gedacht. Auch die Kleinste, jetzt drei Monate alt, noch nicht auf dem Arm halten zu können. Auch meine Mutter, 97 Jahre, im Bürgerspital nicht so besuchen zu können.“
Das Beste sei aber gewesen, nicht mehr so präsent sein zu müssen: „Die Zeit frei einteilen zu können, mit sehr viel Bewegung in der Natur“, so Wennagel. Nicht nur das, die Pandemie hat sie auch kreativ werden lassen: So hat sie die Erlebnisse ihres Enkels in ihrem ersten Kinderbuch mit dem Titel „Frido und seine Fahrt mit dem Hubschrauberauto“ festgehalten – mit selbst gemalten Bildern. „Mittlerweile ist es auch gedruckt, und mein Enkel kann sein Erlebtes in Form eines Frosches anschauen und nachlesen“, sagt die Deidesheimerin stolz.
Glücklich im neuen Domizil
Brigitte Bartels ist es 2020 nach eigenen Worten gelungen, Maikammer zu ihrer neuen Heimat zu machen. „Aus Nordrhein-Westfalen kommend, ist es mir und meinen Angehörigen vergönnt, nun in dieser wundervollen Gegend wohnen zu dürfen, um den Lebensabschnitt des Ruhestandes seit September zu genießen“, sagt die „Zugezogene“.
Trotz vieler Hemmnisse habe die Familie den Neubau termingerecht beziehen können – dank „einzigartiger Unterstützung von unseren Architekten und zuverlässigen Handwerksfirmen“, so Bartels. „Insbesondere konnten wir schon viele aufgeschlossene und hilfsbereite Menschen hier kennenlernen und Freundschaften schließen.“ Trotz der Corona-Pandemie blicke die Familie auf die positiven Erlebnisse „und voller Zuversicht auf ein schönes Leben in dieser Region“.
Gefühlt wie die Könige
Als Udo Merkel aus Neustadt mit seiner Frau am 12. März von Südostasien über Singapur zurück nach Frankfurt fliegen wollte, kam es zu Komplikationen. „Noch im Landeanflug auf Singapur wurden wir von der Bordcrew informiert, dass es wegen der Corona-Maßnahmen ab sofort für deutsche und italienische Staatsbürger verboten sei, in Singapur zu landen beziehungsweise einzureisen – auch für Transitreisende“, berichtet Merkel. „Uns ist vor lauter Angst schier das Herz stehen geblieben. Was sollte nun mit uns passieren?“
Der Flughafen – normalerweise proppenvoll mit Menschen aus allen Nationen – sei wie ausgestorben gewesen. Keine Kontrolle, aber auch kein offener Schalter und kein Ansprechpartner. „Irgendwie haben wir dann doch unser Gate für den Anschlussflug erreicht.“ Dann die nächste Überraschung im Flieger: „Wir teilten uns mit fünf weiteren Personen die Kabine dieses Großraumflugzeugs. Während des Flugs wurden wir betreut und bewirtet wie Könige.“ Die Aufregung und Anspannung verschwanden „wie im Flug“.
Mit Hilfe von oben?
„Ende März verbrannte ich in meinem Ofen das letzte Blatt Stadtanzeiger als Anfeuerhilfe. Das letzte Blatt, weil ich seit Monaten keinen Stadtanzeiger mehr bekomme und ich die RHEINPFALZ online lese“, erzählt die Gimmeldinger Ortsvorsteherin Claudia Albrecht. „In meinem Morgengebet bat ich den lieben Gott, dass er sich bis zum Herbst bitte etwas einfallen lassen soll, womit ich meinen Ofen anheizen kann, wenn die Heizsaison wieder beginnt.“
An Gründonnerstag erhielt sie einen Anruf der Stadtverwaltung, dass ein Bürger sich beschwert habe, wie es auf dem Gehweg vor seinem Haus aussehe, die Stadt solle sich etwas einfallen lassen. Die Ortsverwaltung war bereits geschlossen, und die Gemeindearbeiter und der Hausmeister im Osterurlaub. „Also beschloss ich, mit Eimer, Kehrblech und Besen zu diesem Haus zu fahren, um zu schauen, was es zu entsorgen gibt. Vor dem Haus lagen fünf Pakete verschnürter Stadtanzeiger, derer sich der Austräger entledigt hatte, weil er wohl keine Lust zum Austragen hatte. Was für ein Geschenk!“ So kam Albrecht zu „Anmachpapier“ für zwei Jahre, sauber verschnürt. Und mit einem Lächeln sagt sie: „Danke lieber Gott!“
Mit dem Hubschrauber über Kapstadt
Für Brigitte Magin und ihren Mann ging es Ende Februar auf Kreuzfahrt – von Kapstadt an der afrikanischen Westküste entlang bis Lüderitz, zurück nach Kapstadt, an der Ostküste bis Durban und wieder zurück nach Kapstadt. Die drei Tage, bevor es aufs Schiff ging, verbrachte das Paar in Kapstadt. „Als wir am ersten Abend zum Essen an der Waterfront saßen und besprachen, was wir alles unternehmen wollen, sagte mein Mann, er hat einen Hubschrauber-Rundflug gebucht. Das war mein verfrühtes Geburtsgeschenk“, erinnert sich Magin. Den feierte sie dann während der Kreuzfahrt. „Wir hoffen, dass wir bald wieder reisen dürfen, Afrika wartet schon auf uns“, sagt die Neustadterin.