Neustadt
Serie „Vorsicht, Kriminelle“: Wie man sich vor Einbruch schützt
Es ist wie ein Albtraum: Man wacht nachts in seinem Bett auf, weil man Geräusche gehört hat – und plötzlich realisiert man, dass ein Einbrecher im Haus ist. Es ist ein Szenario, das zum Glück sehr selten sei, beruhigt die Neustadter Kriminalhauptkommissarin Christiane Koeth. In der Regel suchten die Kriminellen nur Wohnungen und Häuser heim, in denen sich niemand aufhalte. Sollte man aber doch einmal einem Einbrecher gegenüberstehen, sollte man sich ihm nicht in den Weg stellen, warnt Koeth.
Doch selbst wenn der Einbruch in Abwesenheit der Bewohner geschieht, ist das für die Betroffenen oft eine erschütternde Erfahrung – selbst wenn die Täter ohne Beute abgezogen sind. „Da ist jemand in die Privatsphäre eingedrungen, das belastet die Menschen“, sagt Koeth. Wer Opfer eines Einbruchs wurde, kann eine kostenlose Beratung der Polizei in Anspruch nehmen, die die Schwachstellen der Wohnung in den Blick nimmt.
Doch generell ist es sinnvoll, sich über Einbruchsschutz Gedanken zu machen. Die Täter schlagen vor allem in der dunklen Jahreszeit zu, weil sich in der Dämmerung gut erkennen lässt, ob jemand zu Hause ist. Die einfachste Möglichkeit, Anwesenheit vorzutäuschen, ist Licht brennen zu lassen oder über eine Zeitschaltuhr anzuschalten. Koeth rät dazu, es nicht immer nur im Flur oder im gleichen Zimmer brennen zu lassen. Denn manche Einbrecher kundschafteten die Häuser über mehrere Tage aus.
Eher selten fliegt ein Stein
Die Täter dringen vorzugsweise über Fenster oder Terrassentüren im rückwärtigen Bereich des Hauses ein, wo sie nicht oder nur schwer gesehen werden können. Dabei kommt es auch mal vor, „dass einer mit einem Stein die Scheibe einwirft“, berichtet die Kripobeamtin. Doch meist zögen die Täter geräuschärmere Methoden vor. Knapp die Hälfte der Versuche scheitern übrigens: „Wenn der Täter nicht innerhalb kurzer Zeit reinkommt, lässt er davon ab“, sagt Koeth. Deshalb lohne es sich, Fenster und Türen extra zu sichern, etwa über eine sogenannte Pilzkopfverriegelung. Die Polizei empfiehlt zudem einbruchhemmende Türen und Fenster nach der Norm DIN EN 1627.
Und noch etwas macht Einbrechern ihr Vorhaben schwerer: „Eine gute Nachbarschaft, in der man gegenseitig aufeinander aufpasst, ist viel Wert“, sagt Koeth. Wer verdächtige Fahrzeuge oder Personen sehe, solle dies der Polizei melden. Sie hat selbst vor einer Weile in Haßloch zwei adrett gekleidete junge Männer kontrolliert, die aber offensichtlich fremd in dem Viertel waren. Während der Kontrolle ergriffen die beiden die Flucht. „Aber ich hatte natürlich noch ihre Pässe“, blickt Koeth zurück. Es stellte sich heraus, dass die beiden kurze Zeit vorher aus einer niedersächsischen Justizvollzugsanstalt entlassen worden waren – sie hatten wegen Einbruchs gesessen. Einen neuerlichen Einbruch hatten sie in Haßloch noch nicht begangen, aber Koeth geht davon aus, dass sie Einbruchswerkzeug dabei hatten und deshalb flüchteten. „So konnte ich aber immerhin einen Einbruch verhindern.“
Wo Einbrecher suchen
Eine aufmerksame Nachbarschaft kann auch helfen, Einbrecher in flagranti zu erwischen. Koeth erinnert an einen Fall in Lachen-Speyerdorf, bei dem eine Frau die Kriminellen im Nachbarhaus wahrnahm und auch das Kennzeichen ihres Wagens der Polizei nennen konnte. „Als die Kollegen nach Lachen-Speyerdorf fuhren, kam ihnen das Fahrzeug der Täter entgegen“, berichtet Koeth. Nach einer Verfolgungsjagd wurden die Täter in der Innenstadt von den Beamten gestoppt.
In Neustadt und der Region entlang der Weinstraße dringen Einbrecher laut Koeth mehr in Einfamilien- als in Mehrfamilienhäuser ein. Das liege einerseits daran, dass es hier viele Einfamilienhäuser gebe. Andererseits sei in Mehrfamilienhäusern das Risiko größer, einem Bewohner über den Weg zu laufen.
Wer Wertsachen im Haus hat, sollte die nicht unbedingt im Schlafzimmer oder im Badezimmerschrank aufbewahren. Da suchten die Einbrecher immer, sagt Koeth. Abgesehen hätten sie es vor allem auf Schmuck, Bargeld, manchmal auch auf kleinere Elektrogeräte. Es sei auch schon vorgekommen, dass sie einen Tresor mitgenommen hätten, wenn sie die Zeit hatten, ihn aus der Wand zu stemmen.
Täter mit eigener „Handschrift“
Die Täter lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen. Diejenigen die sich mit der Beute ihre Drogensucht finanzieren wollen (Beschaffungskriminalität) und überregional agierende, auf Einbruch spezialisierte Täter, mitunter auch Banden. Letztere agieren natürlich viel professioneller als Erstere.
Christiane Koeth, die seit 2002 bei der Polizei ist, hat früher auch in der Kriminaltechnik gearbeitet. Sie sagt, sie könne daher auch die Spurensicherung nach einem Einbruch übernehmen. Dabei geht es um DNA-Spuren, aber auch um die Methodik, denn viele Täter hätten ihre eigene „Handschrift“. Im Austausch mit anderen Polizeibehörden ließen sich dann verschiedene Taten demselben Kriminellen zuordnen. Das gleiche einem Puzzle, das man zusammensetze, sagt die Neustadter Polizistin.
Die Polizei berät
Ein Ermittlungserfolg, an dem Koeth in diesem Jahr beteiligt war, war die Aufklärung einer 2021 begonnenen Einbruchserie, bei der der Täter sich darauf spezialisiert hatte, in Firmen einzubrechen. Insgesamt sei ein Schaden in Höhe von 1,5 Millionen Euro entstanden. Anfang des Jahres gelang dann die Festnahme.
Die Arbeit der Ermittler ist übrigens selbst nach der Verurteilung eines Täters nicht unbedingt beendet. Oft dauere es noch eine Weile, bis man die sichergestellte Beute komplett einzelnen Taten zugeordnet habe und damit den Besitzern zurückgeben könne.
Wer sich genauer über Einbruchsschutz informieren möchte, kann sich an das Beratungszentrum des auch für die Weinstraßen-Region zuständigen Polizeipräsidiums Rheinpfalz in Ludwigshafen wenden. Es ist erreichbar unter Telefon 0621 96321177 oder per Mail an beratungszentrum.rheinpfalz@polizei.rlp.de.
Die Serie
In unserer Serie „Vorsicht Kriminelle“ blicken wir auf die Maschen von Betrügern, Einbrechern und Taschendieben und erklären, wie sich die Menschen schützen können.